FeedBenediktbenern
Recht & StaatBrockhaus 1882

Benediktbenern, eine reiche und berühmte, jetzt säkularisierte Benediktinerabtei im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern, zum Verwaltungsbezirk und Landgericht Tölz gehörig, üdlich von München und 16 Em südwestlich von b, Mmweit der Loisach, die 4 Em weiter aufwärts aus dem Kochelsee tritt. Die 740 gegründete und vom heil. Bonifacius eingeweihte Abtei hat eine prächtige, unter dem Abt Plarcidus erbaute und 1686 eingeweihte Kirche. Bei 60 B. Kun der Klö ster in Bayern (1803) kam auch B. zum Verkau und wurde 1805 von Utzschneider erstanden, der da selbst 1806 eine Kunstglashütte errichtete. Als dies aber 1819 nach München verlegt wurde, gründet die bayr. Regierung daselbst einen Fohlenhof; 186 wurden auch die Veteranenanstalt von Donauwörtl und das Invalidenhaus von Fürstenfeld bei Bruc dahin verlegt. Das jetzt entstandene Dorf Bene diktbeuern zählt ungefähr 1000 E. Im Osten der Abtei, zwischen 1 see und Isar, erhebt sich die 1804 m hohe steile Benediktenwand, welche ge wöhnlich von dem Dorfe Kochel aus in 5 Stunden erstiegen wird und eine weite Aussicht über Bayern und Schwaben und deren zahlreiche Seen gewährt. Beuediktenkraut, auch Kardobenedikten- und Bernhardinerkraut und Heildistel, wird Cnicus benedictus L. genannt, eine zur Familie der Kompositen gehörige distelähnliche, einjährige, in Südeuropa und dem Orient einheimische, in Deutschland bisweilen als Arznei⸗ und Zierpflanze angebaute Pflanze mit steifhaarigem, bis 60 em hoch werdendem, fast doldentraubig verästeltem Stengel, länglich-lanzettförmi en, buchtigsiederspaltigen, bis 15 em Länge erreichenden Blättern, welche am Rande dornig gezähnt und beiderseits zottig sind, und endständigen einzelnstehenden, von großen katentort dornig ezähnten Deckblättern umhüllten Blüten örbchen voll gelber mallen oftn Das Kraut ist als Herba Cardui benedicti offizinell; es besitzt frisch einen eigentümlichen Geruch, etrocknet einen sehr bittern Geschmack und wird zu ekokten als lösendes und tonisches Mittel bei Wechselsiebern und bei Krankheiten des Pfortadersystems verwandt. Dasselbe enthält eine eigentümliche Substanz, das Cnicin, welches eruchios ist, aber bitter schmeckt und in seibenglän enden, nanedittennn Prismen krystallisiert. — V. und Benediktenwurzel werden oft auch das Kraut, resp. die Wurzel einiger Arten der zu der Familie der Rosaceen gehörenden Gattung Geum (.. d.) genannt. Beuediktiner heißen alle Mönche, welche die Regel des Benedikt von Nursia (s. d.) annahmen. Die unerläßliche Rücksicht auf das rauhere Klima des Abendlandes und die weise Verbindung von Gebet und Handarbeit verschaffte dieser Regel die weiteste Verbreitung, sodaß seit Mitte des 6. G rh. die B. der zahlreichste Mönchsorden waren. Ohne feste Gliederung und monarchische Spitze im ganzen Abendlande verbreitet, lortsch sie auf die allgemeine Christianisierung und ortschreitende Kultivierung der abendländischen Völker den egensreichsten Einfluß ausgeübt, zumal schon dur Cassiodorus (538) die Pflege wissenschaftli er Studien eingeführt ward. In ihren Schulen zu St. Gallen, Fulda, Reichenau, Korvei, Hirschau, Hersfeld u. a. haben sie die chätze des klassischen Altertums spätern Zeiten bewahrt. Die zunehmenden Reichtümer, verbunden mit der Regel, nur Adelige aufzunehmen, und dem schon von den Karolingern geübten Brauch, die Abteien als gute Pfründen an Laien zu vergeben, führten bald zu tiefgehendem Verfall. Dagegen wurden Reformen V wie diejenige von Benedikt von niane 4 ), von Berno, Abt von Clugny (910), welches Kloster im 12. Jahrh. der Mittelpunkt einer Kongregation von 2000 franz. Klöstern wurde, von Wilhelm, Abt von Hirschau (1071), u. a. Aber der schwärmerisch volkstümliche Geist jener 195 fühlte sich abgestoßen von den vornehmen und gelehrten B., und im Gegensatz gegen sie entstanden eine Reihe anderer Orden, wie die von Camaldoli, Chartreur Citeaux, Vallombrosa, Grammont u. a., welche sich auf die einfache 19. Benedikts wieder zurückzogen. Damit hatten die B. ihre einflußreiche Stellung als fast alleiniger Orden verloren, und bald traten die wilen nel Mönche», wie die B. um ihrer Tracht willen meist genannt wurden, wegen fortgehender Sittenverderbnis in der Achtung des Volks hinter den übrigen zurück, bis im 13. Jahrh. die Bettelmönche (s. d.) alle in den Hintergrund drängten. Von eringem Erfolg waren die Bemühungen der Päpste lemens V. und Benedikt XII., durch Einführung neiner engern Organisation Zucht und Sitte zu bessern; auch die Kirchenversammlungen von Konstanz „und Trient vermochten nicht viel mehr, als die Beschränkung der Aufnahme auf Adelige abzuschaffen „und den Zusammenschluß aller vereinzelten Klöster u Kongregationen zu Uschan f Derartige Verbinungen waren zum Teil schon früher begründet und atten wesentlich mitgewirkt, die B. zu ernsterer ucht und größerm wissenschaftlichen Eifer zurückzuführen, z. B. die Bursfelder Kongregation, be-Denthn von Johann von Minden (1425) in Nordeutschland, die Kongregation von Monte-Cassino in Italien, von Valladolid in Spanien u. a. In Frankreich war die Verwilderung der B. am größten, AHen aber bildete sich in Paris 1618 unter Lorenz Benard die Kongregation vom heil. Maurus, welche den wissenschaftlichen Ruhm der B. am sichersten begründet hat. Die Mauriner haben den tor. Wissenschaften und der kath. Kirche sehr große ienste geleistet. Im 15. Jahrh. besaßen die B. über 15000 Klöster; die Reformation ließ ihnen davon kaum 5000, die Französische Revolution und Joseph II. haben ihre Zahl sehr verringert, jetzt sind es kaum mehr als 500. In Osterreich * sie ihren Hauptsitz an der großen Abtei Möl „ zu der sich Kremsmünster, Mariazell, das Schottenkloster in Wien u. a. halten. An vielen der Frauenklöster 7.30 Ordens, deren Entstehung nicht vor dem 7. Jahrh. nachgewiesen werden kann und deren Zucht vorzu tei —. verwilderte, hat ausschließlich der Adel Anteil, weil die Stellen darin zu den einträglichsten Pfründen gehörten. Hierher sind zu rechnen die gegen Ende des 16. daw d. streng reformierte Kongregation Unserer Lieden Frauen von Calvaria in Frankreich, 1622 von Gregor XV. bestätigt, und die 1614 und 1676 ebenfalls in men der entstandenen beiden kleinen Kongregationen der enediktinerinnen von der beständigen Anbetung des heiligen Sakraments. Vgl. Ziegelbaur, «Iistoria rei literariae Ordinis S. Benedictis (4 Bde., Augsb. 1754).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 759Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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