Berger (Joh. Nepomuk), österr. Staatsmann, eb. 16. Sept. 1816 zu Proßnitz in Mähren, beuchte 1827—32 das Gymnasium und die Univerität zu Olmütz. *¹ Aug. 1834 wandte er sich nach ien, wo er sich für die Rechtswissenschaft entschied, Alro aber auch Philosophie, Mathematik und Astronomie studierte. Im J. 1844 wurde B. zum Assistenten für die Lehrkanzel des Natur- und Kriminalrechts am Theresianum ernannt; 1848 wurde er Advokat in Wien. Damals schrieb er die Abhandlung »Die Preßfreiheit und das Md⸗ (Wien 1848). Von der Stadt Schönberg in Mähren zum Abgeordneten in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt, vertrat er auf der Linken mit Klarheit und Schärfe die großdeutsche Richtung. Größtes Aufsehen erregte seine Rede in der Paulskirche März 1849) gegen Welckers Antrag auf Übertragung der Kaiserwürde an Preußen. Nach Abberufung der österr. Abgeordneten schuf sich B. in Wien eine umfängliche Anwaltspraxis. Daneben gab er erläuternde »Vergleichung des neuen Wechselrechts mit dem frühern (Wien 1850) und die Kritischen Beiträge zur Theorie des österr. Privatrechtso (Wien 1856) heraus. * Febr. 1861 wurde B. in den Gemeinderat der Stadt Wien, im März desselben Jahres in den niederösterr. Landtag und von diesem wieder 1863 in das Abgeordnetenhaus des Reichsrats erwählt. Großen Ruf genoß B. als Anwalt vor dem Strafgericht, neben Mühlfeld war er der hervorragendste Verteidiger. Sein Name erlangte Berühmtheit durch die Vertretung des angeklagten Direktors der Kreditanstalt Richter (1860), in einem Prozeß, den er als Tendenzprozeß des geschlagenen und durch das Kriegsunglück von 1859 unmöglich gewordenen absolutistischen Regierungssystems bezeichnete. Noch bevor er in den Reichsrat trat, hatte er mit einer Schrift, in welcher er für den Ausgleich mit Ungarn wirkte, großes Interesse wachgerufen. Anfang 1867 von dem wiener Landtage in den Reichsrat entsendet, trat er in das 4„Bürgerministerium » als Minister ohne Portefeuille. Die Spaltungen im Bürgerministerium führten zu einer vollständigen Trennung nach dem polit. Programm. Im Dez. 1869 setzte B. das sog. Minoritätsmemorandum auf, in welchem der Ausgleich mit den widerstrebenden Nationalitäten auf Grund der Verfassungsrevision und direkten Parlamentswahlen statt der Landtagsdelegation vorgeschlagen ward, und nach dessen Ablehnung B. (17. Jan. 1870) mit den Grafen Taaffe und Potocki aus dem Ministerium trat. B. starb 9. Dez. 1870 zu Wien. ö