FeedBernis (Frangois Joachim Pierre de)
GeschichteBrockhaus 1882

Bernis (Frangois Joachim Pierre de), Kardinal und Minister Ludivigs XV. von Frankreich, geb. zu St.⸗Marcel de l'Ardeche 22. Mai 1715 aus einem alten Geschlechte, widmete sich dem geistlichen Stande und studierte zu Paris im Seminar von St.⸗Sulpice. Kaum 18jährig trat er als Abbe in die vornehme Welt, wo sein einnehmendes Außere, sein liebenswürdiges Wesen und das Talent, gefällige 4½ zu machen, sein Emporkommen begünstigten. Die Marguise Pompadour stellte ihn Ludwig XV. vor, der ihn lieb gewann und ihm eine Wohnung in den Tuilerien nebst einer Pension von 1500 Livres gab; 1744 ward er Mitglied der Akademie. Im Anfang der funfziger Jahre erwarb er sich als Gesandter in Venedig durch die Ausgleichung eines zwischen dem Papste und der venet. Regierung obwaltenden Zwistes Gunst und Ansehen bei der Republik wie bei dem Papste und der eigenen Regierung. Nach Paris zurückgekehrt erhielt er 1755 das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten und trug mit zur Herstellung des Bündnisses mit Osterreich bei, das Frankreich in den Siebenjährigen Krieg verwickelte. Niedergebeugt von den Unfällen im Kriege, suchte B. vergebens für den Frieden zu wirken, überwarf sich dadurch mit der Marquise Pompadour und ward 1758 von Choiseul gesturzt, in demselben Augenblick, wo er von Benedikt XIV. den Kardinalshut erhielt. Vom Hofe verwiesen, blieb er in I bis 1764, wo ihn der König zum Erzbischof von Alby ernannte. Im J. 1769 wurde er Gesandter in Rom, wo er seine Regierung prächtig zu repräsentieren wußte. Die Revolution, welche er nicht anerkannte, vernichtete seine Stellung sowie seinen Besitz. Er blieb in Rom bis an seinen Tod, 2.Nov. 1794. Seine Poesien sind von geringem Wert. Das Gedicht La religion vengéen wurde nach seinem Tode von Azara (Parma 1795) und Migne (1848) herausgegeben. Gesamtausgaben seiner Werke erschienen 1797 und 1825. ů

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 867Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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