FeedBeschauung
ReligionBrockhaus 1882

Beschauung oder Kontemplation heißt zunächst die Betrachtung und Auffassung eines Gegenstandes, welche das Bild desselben sich anzueignen bestrebt. Vorzugsweise wird dann dadurch derjenige Zustand bezeichnet, in welchem der Geist, allen außern Eindrücken entzogen, mit seinen eigenen Vorstellungen, Begriffen und Gefühlen 505 beschäftigt. Wo dieser Zustand anhaltend ist, da spricht man von Beschaulichkeit, als der beharrlichen Neigung, sich in das eigene Innere zu versenken. Hier liegt nicht nur die Gefahr der Abwendung von dem thätigen Leben sehr nahe, sondern auch die der Verirrung zur Gefühlsschwärmerei, die bis zu Visionen und Ekstasen steigen kann. Die meisten orient. Völker sahen die Kontemplation für das wesentliche Element der Religion an. Von denselben wurde auch das beschauliche Leben mit den gnostischen und neuplatonischen Ideen der Erhebung über die Sinnenwelt bereichert und im 3. Jahrh. in das Christentum übergetragen, wo es sich durch das Mönchswesen verkörperte. Doch ist auch andererseits nicht zu vergessen, daß alle großen Erfinder in Wissenschaften und Künsten dieses nur durch die Pflege einer beschaulichen Anlage in sich geworden sind. (S. Betrachtung.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 889Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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