FeedBillican
ReligionBrockhaus 1882

Billican, auch Pillican (Theobald), ein luth. Theolog der Reformationszeit, hieß eigentlich Gerlach oder Gerlacher. Geboren gegen Ende des 15. Jahrh. zu Billigheim (woher sein Name B.) in der Unterpfalz, Murens B. in Heidelberg, ward dort 1512 Baccalaureus und hielt vielbesuchte Vorlesungen über Dialektik und Physik. Mit Brenz wohnte er der Disputation bei, welche Luther 26. April 1518 auf dem Augustinerkongreß zu Heidelberg hielt, und wurde sofort für die Reformation gewonnen, wes-Umm der Kurfürst 1522 seine Entfernung von der niversität veranlaßte. B. wurde hierauf Prediger in Nördlingen. In dem Traktat „Von der Meß, gemayn Schlußredo (1523) trat er für die Abschaffung aller Messen ein. Gegen Karlstadt erklärte er sich in der Renovatio ecclesiae Nordlingiacensis et ratio omnibus reddita de quorundam institutione (1525); wesentlich im Sinne Luthers sprach er sich aus in der Epistola de verbis coenae Dominicae et opinionum varietater (1525). Auf dem Reichstag 4el Dehns dasend legte er dagegen dem Kanzler Michael Vehus das eidliche Bekenntnis ab, er nehme die reine Lehre vom Meßopfer an und gelobe, die katholische Lehre nach Kräften zu verteidigen. Das erregte in Nördlingen so großen Unwillen, daß er eine Zeit lang von seinem Amt zurücktreten mußte. Wegen Kränklichkeit legte er im April 1535 sein Predigtamt dauernd nieder und kehrte nach Heidelberg zurück, wo er an der Universität als Jurist zugelassen ward. Im 1544 begab er — nach Marburg und lebte hier als Professor der Rechtswissenschaft, Rhetorik und Geschichte bis an seinen Tod, 8. Aug. 1554.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 59Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Religion 6