FeedBeuteltiere
TierreichBrockhaus 1882

Beuteltiere (Marsupialia) nennt man eine Reihe niederer Säugetiere die sich durch drei wesentliche Charaktere von allen übrigen Säugetieren unterscheiden: durch regelmäßige Frühgeburten, inolge deren die Jungen höchst unausgebildet zur elt kommen und erst ihre Entwickelung vollenden, indem sie urch lange an den Zitzen der Mutter festhängen; durch zwei Knochen, die sog. Beutelknochen, welche, auf der vordern Fuge des Beckens aufstehend, in den Muskeldecken des Bauchs verborgen sind; endlich durch den Mangel des Balkens oder Schwielenkörpers im Gehirn. Da auch die Organisation der Zähne und Ghar sehr verschieden sind und nur in dem einen Charakter zusammenstimmt, daß alle B. mit Krallen an den Füßen, aber niemals mit Hufen Intecha sind, so sieht man jetzt dieselben als eine Unterklasse der Säugetiere an, die, mit dem Schnabeltier und Ameisenigel zusammengefaßt, als Didelphen bezeichnet werden und den 2•7½%. Säugetieren, den Monodelphen, arallele, ähnlich ben . Ordnungen besitzen. Die Zizen sind bei allen B. unten am Bauche angebracht und meist von einem Beutel umgeben, zuweilen aber ganz frei oder nur von einer vorsprinenden Hautfalte umsäumt. Sie sind meist sehr ang und passen in das röhrenförmige Maul der Jungen. Diese werden von den Müttern unmittelbar nach ihrer Geburt mit dem Maule gefaßt und an die Zitzen gehängt, wo sie erst monatelang unbeweglich hängen und saugen, später aber, wenn sie größer geworden, stets noch den Beutel als Zufuchtstätte betrachten, in den sie mit großer Behendigkeit hüpfen. Es ist dies ein anziehendes Schauspiel, das man jetzt häufig bei Kängurus in Tiergärten sieht. Wie unausgebildet die Jungen geboren werden, geht daraus hervor, daß das neueborene Junge des Riesenkängurus, das 2 Etr. schwer wird, nur 2 Unzen wiegt. Man unterscheidet bei den B.: echte Fleischfresser (Creatophaga) mit großen Eckzähnen, wohin der einem Metzgerhunde ähnliche Beutelwolf aus Tasmanien (Thylacinus cynocephalus) (vgl. Tafel: Beuteltiere, . 9), die Raubbeutler (Dasyurus, Fig. 8) und Beutelbilche Phascogale) ehören, die mehr marderartig in Bäumen klettern; ut (Entomophaga), zu denen die eutelratten (Didelphys, Fig. 1) gehören, die häßlich stinken, Hände an den Hinterfüßen haber eschickt klettern und als Hühnerdiebe den ameri Anstedlern unter dem Namen Opossum (s. d.) verhaßt sind, während sie in Australien durch die Beuteldachfe (Perameles, Fig. 6), die Ameisenbeutler (Myrmecobius, Fig. 4), Fruchtfresser (Carpophaga), nächtliche Klettertiere mit Daumen an den Hinterfüßen, die von Baumfrüchten leben, darunter die Flugbeutler (Petaurus), die Beutelbären oder Koalas (Fig. 2) und die ingerbeutler oder Kusu (Phalangista, Fig. 3) auf den Sunda-Inseln; Grasfresser (Pophaga), denen die Kängurus (Aacropus, Fig. 5) und Känguru-Ratten Aypsiprymnus) angehören, die mit ihren gewaltien Hinterfüßen und dem langen Balancierschwanze in gewaltigen Sprüngen die Grasebenen ustraliens durchsliegen; endlich Beutelnager (Rhizophaga) mit nagerähnlichem Gebiß, wozu der in der Weise eines Murmeltiers lebende Wombat Chascolomys, Fig. 7) gehört, den man jetzt häufig in oolog. Gärten sieht. Neun Zehntel der bekannten Mien leben in Australien und den benachbarten nseln, die dener in Amerika und auf den asiat. nseln. In den Tertiärschichten einiger europ. Länder hat man ebenfalls ausgestorbene Arten entdeckt, und vielleicht gehören alle in neuester Zeit im Jura und der Kreide entdeckten ältesten Säugetiere dieser Unterklasse an, welche offenbar die Stammgruppe sämtlicher Hrschen Säugetiere darstellt. Dieses ist um so wahrscheinlicher, als man in Australien Reste von einstigen fossilen B. entdeckt hat, die den Dickhäutern ähnliche Charaktere aufweisen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 923Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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