FeedBiblische
ReligionBrockhaus 1882

Biblische Einleitung wird die Wi enschaft Wahern welche die Geschichte der einzelnen iblischen ucher sowie der ganzen Sammlun kritisch untersucht. Die Biblische inleitung zerfällt nach ihrer bisherigen Behan Emkein in die allgemeine und die besondere Einleitung. Jene verbreitet 50 über den and Sch und litterarischen Zustand, über Sprache und Schrift des hebr. Volks in den verschiedenen Perioden, ber die Sammlung, Anordnung und das . Ansehen der biblischen Bücher als eines abgeschlossenen Ganzen, des Kanon 8 d.), Über die sselhen des Originaltextes, die eränderungen desselben und die Mittel, ihn in seiner ursprünglichen Gestalt wiederherzustellen, über die Handschriften, alten Üübersetzungen und andere, zur Schriftauslegung dienliche Hilfsmittel. Der besondern Einleitung fallen die Erörterungen über Verfasser, Leserkreis, Entstehungsverhältnisse, insbesondere Abfassungszeit und-Ort, Komposition, weck und Inhalt, ferner kirchliche Anerkennung, chtheit und Integrität der einzelnen biblischen Bucher anheim. Das erste einer Biblischen Einleitung ähnliche Werk ist das des Junilius in Afrika (um 550) „De partibus legis dixinae. Die ersten bibl. Einleitungen im engern Sinne rühren von kath. Verfassern her: die Isagoge ad sacras literas — 1540) des Dominikaners Pagninus aus ucca und die Biblia sancta a Sixto Senensi collectas (2 Bde., Vened. 1566). Beachtenswerte Forschungen namentlich zur Textgeschichte lieferten die beiden Burtorf, Ludwig Capellus, Joh. Morinus, der Engländer Walton in dem Apparatus biblicuss (herausg. von Heidegger, Zür. 1623) und Richard Simon in der Histoire critique du Vieux Testamente (Par. 1678; in Frankreich unterdrückt, daher dann Rotterd. 1685) und der »Histoire critique du texte du Noureau Testamentes (Rotterd. 1689). Richard Simon hatte zum Zwecke der Texttritik bereits die meisten andern Einleitungsfragen herbeigezogen und damit die neuere Cinleitungswissenschaft überhaupt begründet. An Unbefangent der Forschung stehen die prot. Arbeiten von ivet (1627) Mich. (ther (1636), Abr. Calovius (1643), Joh. Heinr. Hottinger (1649), Leusden Ioenn u. a. weit hinter denen Simons zurück. Apoogetische Zwecke verfolgen Joh. Gottl. Carpzov in der »Introductio ad libros canonicos Veteris Testamentis (Lpz. 1721; 3. Aufl. 1741) und Joh. Dav. Michgelis (Einleitung ins Alte Testament 1787, ins Neue H 1. Aufl. 1750, 4. Aufl. 1787—88). Kurze Zeit bechr verpflanzte Cramer Richard Simons Kritische Schriften über das Neue Testamente (mit Anmerkungen von Semler, 3 Bde. Halle 1776—80) auf deutschen Boden. Doch e durch die freiern Untersuchungen prot. Theologen, namentlich Semlers (s. d.), über die Bibel um die Mitte des 18. Jahrh. erhielt die Biblische Einleitung ihre gegenwärtige Bedeutung als eine histor.⸗kritische issenschaft im strengen Sinne des Worts. Bahnbrechend wirkte in dieser Beziehung Eichhorn (s. d.) mit seinen Werken über Biblische Einleitung, welchem De Wette (Lehrbuch der histor.Kritischen Einleitung in die Bibel Alten und Neuen Testamentso, Bd. 1, 7. Aufl., Berl. 1852; Bd. 2, 6. Aufl., 1860), Augusti (Grundriß einer histor.⸗kritischen Einleitung in das Alte Testamente, 2. Aufl., Lpz. 1827) und Bertholdt (Histor.⸗kritische Einleitung in sämtliche Schriften des Alten und Neuen Testamentso, 6 Bde., Erlangen 1812—19) folgten. Weniger bedeutend sind die Einleitungen von Lorenz Bauer zum Alten 55 Aufl., Nürnb. 1806), Hänlein 2. Aufl., 3 Bde Erlangen 1801—9) und J. E. Ch. Schmidt 42 Ude., Gießen 1804 und 1818) zum Neuen Testament. Zu den gründlichsten Forschungen in Beziehung auf das Neue Testament Datden ie Werke Credners (s. d.). Im Geiste der rthodoxie sind auf evangelischer Seite Hengstenbergs „Beiträge zur Einleitung ins Alte Testamento (3 Bde., Berl. 1831—39), Hävernicks «Handbuch der histor.⸗ kritischen Einleitung in das Alte Testamento (3 Bde., Erlangen 1836—44, der dritte Band von Keil), Keils Lehrbuch der histor. kritischen Einleitung in die kanon. Schriften des Alten Testamentsv (Erlangen 1853; 3. Aufl. 1873) und Guerikes Histor.⸗ kritische Einleitung in das Neue Testamento (Halle 1843; 3. Aufl. 1868), sowie Graus Entwickelungsgeschichte des neutest. Schrifttums » (1871) abgefaßt; den kath. Standpunkt vertreten die Werke von Jahn, «Einleitung in die göttl. Bücher des Alten Bundes » (2. Aufl. 3 Bde., Wien 1802—4); Hug, »Einleitung in die Schriften des Neuen Testamentse (2 Bde., Tüb. 1808; 3. Aufl. 1826): Herbst, „Einleitung ins Alte Testament v Ilumin von Welte, 2 Bde., Tüb. 1840—42) Augustin Scholz, „Einleitung ins Alte und Neue bebnch ver (3 Tle., tung in das Alte Testamente (4. Aufl., Freibur 1870); Kaulen, Einleitung in die heil. S Alten und Neuen Testaments⸗ (Freiburg 1876 Einen vermittelnden Standpunkt nehmen ein (Geschichte der heiligen Schriften Neuen Testamentsv, Halle 1842; 5. Aufl. 1874; „ Geschichte der heil. Schriften Alten Testaments v, Braunschw. 1881), Bleet (Einleitung in die Heilige Schrifto, 2 Bde., Berl. 1860—62), Stöhelin (Spezielle Ein-Ccberd in die kanon. Bücher des Alten Testamentso, Elberf. 1862), sowie die neue Bearbeitung von De Wettes „Einleitung ins Neue Testaments von Meßner und Lünemann (1860). Im Geiste der neuern Kritik hat Schrader De Wettes »Einleitung ins Alte Testamente (8. Ausg., Berl. 1869), Manold Bleeks »Einleitung ins Neue Testamentv 3. Aufl., Berl. 1875), Well 2 Bleeks »Einleitung ins Alte Testamente (4. Aufl., Berl. 1878) bearbeitet, Hilgenfeld seine eigenen kritischen Ergebnisse abschließend zusammengefaßt (»Einleitung ins Neue Testamento, Lpz. 1875). In den Niederlanden bon A. Kuenen (Leid. 1861 fg.), in England Davidson e 1862) die Einleitung ins Alte Testament, etzterer auch die Einleitung ins Neue Testament (1868) behandelt. Unter den Genannten war Reuß der erste, welcher die biblische Einleitungswissenschaft als biblische Litteraturgeschichte oder als Geschichte der heiligen Schriften behandelte und sie so zu einem lebendigen Stück Kirchengeschichte erhob. Sein Versuch erfuhr jedoch nicht nur von der Orthodoxie, sondern auch von kritischer Seite Widerspruch, indem namentlich Baur als Hauptaufgabe der Biblischen Einleitung eine Kritik des Kanons hinstellte. In der That hat nun Credner eine solche «Geschichte des neutestamentlichen Kanonso chen. I von Volkmar, Erlangen ieh geschrieben. Indessen zeigt dieser in vielen Beziehungen sehr bedeutsame Versuch, daß unter diesem Gesichtspunkte sich nur ein Teil des in der Einleitung verarbeiteten Stoffs behandeln läßt, daher neben einer kritischen Geschichte des Kanons eine biblische Litteraturgeschichte noch immer ein Bedürfnis bleibt. Geht jene von der kirchlichen Vorstellung vom Kanon aus, so hrt dieselbe gerade durch die histor. Darlegung einer wirklichen Entstehung zu der weitern Forderung, die biblischen Bücher unter denselben Gesichtspunkt zu stellen wie alle anderweiten Litteraturprodukte. Die trotz der menschlichen Ent⸗ +N und Komposition der einzelnen Schriften emnch durch alle hindurch waltende +. des Geistes treibt sodann zu der abschließenden Betrachtungsweise des Komplexes der rlund Schriften als des Inbegriffs der Geschichtsurkunden von der göttlichen Offenbarung, wodurch unbeschadet jener Entstehung doch auch der Göttlichkeit ihres Inbalts das gebührende Recht wieder eingeräumt wird. Das Hauptinteresse der Wissenschaft wird natürlich von den Problemen der biblischen, 16 oezesseit. neutestamentlichen Litteraturgeschichte gefesselt. Das Bedeutendste, was in dieser rohen neuerdings geleistet wurbe, ist in einer großen Menge von Einzeluntersuchungen AbingeeOt + welchen wiederum Baur und die Tübinger Schule die mä tigste Anregung gegeben haben. Wird auch der egriff des Kanons durch die Resultate der neuern Kritik keineswegs, wie die einen hoffen, die andern berchten, zerstört, so hängt doch die nähere Vortellung, welche man sich von dem übenden Be. nsehen dieser Litteratur und ihrer bleibenden Bedeutung für die Kirche bildet, wesentlich von der Einsicht ab, welche die unermüdliche kritische For7 über Ursprung und Kompositionsweise dieser risten zur Reife bringt. geschichtlichen ichte der Bibel und daher größtenteils eine Geschichte des auserwählten Volks der Beerr soweit sie in den biblischen Büchern überiefert wird. Der Standpunkt, von dem aus die biblische Geschichte ihren Stoff behandelt, ist der religiöse, auf welchem die Geschicke des jüdischen Volks als Maßregeln Gottes zu seiner Leitung und Vervollkommnung betrachtet werden. Man at im Religionsunterrichte zwar immer auch bilische Geschichte gelehrt, da ja die Religion auf historischer Grundlage 2* aber nicht immer als ein besonderes Lehrfach, sondern in Verbindung mit dem Bibellesen und mit dem Katechismusunterrichte. Erst zur Zeit des Pietismus trat die biblische Lentt ch als ein selbständiges Lehrfach J05 namentlich nachdem 1714 der Rektor des Johanneums zu Hamburg Johann Hübner seine Zweimal zweiundfunfzig auserlesenen biblischen bunte ert aus dem Alten und Neuen Testament' hatte 8090f. lassen. Aus neuerer Zeit sind hervorzuheben «Die Geschichten und Lehren der Heiligen rich Kohlrausch 50 „Biblische Historien und Otto Schulz' 4Bi lisches Lesebuchs in der neuen Bearbeitung von 32 Vgl. auch Kohlrausch, aliber den Gebrauch des Alten Testaments für den Ju⸗

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 14Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Religion 6