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Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Bidpai oder Fabeln wird als Verfasser einer Sammlung von Fabeln und Erzählungen genannt, die seit mehr als anderthalb Jahrtausenden in zahllosen übertragungen und Bearbeitungen bei allen Völkern des Morgen⸗ wie des Abendlandes ver⸗ [breitet worden sind. Wie neuere Forschungen dargethan, bildet die letzte nachweisbare Quelle aalich üuddhistischen Ursprungs, welches in 13 Abschnitten in der Form von Erzählungen, in deren größtem Teile Tiere die Hauptrolle spielen, veranschaulichte, [wie sich ein König in polit. Verhältnissen zu benehmen hat, also etwa als «Fürstenspiegelo bezeichnet werden kann. Dieses alte Werk ist in Indien selbst verstümmelt worden und zwar infolge davon, daß man die fünf ersten Abschnitte ablöste, [durch Einschiebung von Fabeln, Märchen und kleinen Erzählungen erweiterte und, dem ind. Geschmack emäß, vervollkommnete. Dieses aus fünf Büchern le Werk, dessen Abfassung Vishnucarman zugeschrieben wird und aus welchem der Hitopadeçay (gute Lehre) ein Auszug ist, hat sich bis ach die Gegenwart in Indien erhalten und führt, na seinem Umfang benannt, den Titel Pancatantray (Die fünf Bücherv; Sanskrittext, herausg. von Kosegarten, 2 Bde., Bonn 1848—59, und von deuth v und Bühler, 3 Hefte, Bombay 1868— 69; deutsch von Benfey, 2 Bde., Lpz. 1859). Es existieren mehrere voneinander abweichende Recensionen desselben, deren älteste eine südindische ist. Manustripte von dieser sind sehr selten geworden. Verwandt mit dieser sind die Übersetzungen in das Tamulische, Telugu und Canaresische, auf denen Dubois“ franz. übersetzung (Le Pantchatantra ou les cinq ruses5, Par. 1826) beruht. Che jedoch 31.5. Verstümmelung des alten ind. Fürstenspiegels zu den «Fünf Bücherno stattgefunden hatte, war er unter dem pers. König Khosru Anushirvan (531— 579) durch dessen Arzt Barsuye in die Kultursprache des Sassanidenreichs, das Pehlewi, übersetzt. Doch ist auch diese Übersetzung verloren. Allein in derselben Zeit wurde das Werk entweder aus dem Pehlewi oder vielleicht dem ind. Oriinal selbst in die syr. Sprache übertragen. Diese Ubersehung ist nach den Namen der beiden Schakale, welche in dem ersten Abschnitte die Hauptrolle spielen, Kalilag und Damnagy benannt. Sie hat sich, leider jedoch nicht vollständig, indem einige A schnitte fehlen, bis auf die Gegenwart erhalten und ist auf Veranlassung von Bensey, welcher durch Bickell angeregt wurde, von Socin im Aug. 1870 in einer Bibliothek zu Merdin wieder aufgefunden worden. Die in ihr enthaltenen Abschnitte spiegeln die letzt erreichhare Form wieder, welche diese in dem verlorenen ind. Werke hatten. Den alten syr. Tert von «Kalilag und Damnage» mit deutscher Übersetzung und Einleitung von Benfey 005 Bickell (Lpz. 1876) heraus. Die verlorene ehlewi-libersetzung wurde unter dem Kalifen Almansor (754 — 75) von Abdallah Ibn-Almokaffa (gest. 760) in das 0 mide übersetzt und führt, in Übereinstimmung mit der syr. Übersetzung, den Titel «Kalila und Dimnay, woraus Elewon werden kann, daß dies auch der der Pehlewi-Üibersetzung war. Durch diese arab. Ubertragung fand das Werk ihen Verbreitung nicht bloß in der ganzen islami chen Welt, sondern auch im Abendland. In der Einleitung urs arab. Kalila und Dimnav (herausg. von Silvestre de Sacy, Par. 1816, Kairo 1836, Delhi 1850 u. s. w.; deutsch von Wolff, 2 Bde., Stuttg. 1837) wird der Phitorert der Sammlung B., das Haupt der ind. Philosophen, genannt. O tragung des Ibn-Almokasfa wurde bei den Araern von mehrern Dichtern poetisch bearbeitet und nachgeahmt. Dasselbe geschah auch bei den Nenpersern, deren Wigroßon Dichter, Rudegi loaf. 914), sie zu einem gro nter den Prosabearbeitungen, welche «Kalila und Dimnav bei den Neuper Grundlage der berühmten Anväri Sohailis (d. i. die Lichter des Kanopus) „genannt Al-Vasz (gegen Ende des 15. Jahrh.), sowie ů 540 unter dem Ti 6 i. das Kaiserliche Buch Dalar lungen von Kalila und Di Afghanen und Malaien, während ind. Grundwerks und der dami Seinen Weg zu den christl. Völkern des Abendlandes fand das arab. Werk «Kalila und Dimnavorzugsweise auf drei Wegen: 1) durch die griech. libertragung des Symeon Seth um 1080 (unvollständig herausg. von Stark, Berl. 1697; Athen 1851), die wiederum von Possinus (hinter dessen Ausgabe des Pachymeres, Rom 1616) ins Lateinische und von einem Unbekannten ins Italienische ainter dem Titel Del governo de' reguis u. s. w., Ferrara 1583) übersetzt ward (neu herausg. von C. Teza, Bologna 1872). 2) Durch die hebr. Übertragung des Rabbi Joel (um 1250), welche von Doni (La moral filosoflan, 2 Tle., Vened. 1552) italienisch bearbeitet, 900 vorher aber zwischen 1263 und 1278 von Johannes von Capua unter dem Titel Directorium humanaè vitae (seit 1480 öfter gedruckt) ins Lateinische übersetzt ward. Letzteres Werk bildet wiederum die Grundlage einer deutschen Bearbeitung aus der ersten Hälfte des 15. Jahrh., die seit 1480 sehr oft im Druck erschienen ist (zuletzt herausg. von W. C. Holland, Stuttg. 1860). 3) In Spanien wurde die Arbeit des Ibn-Almokaffa unter Alfons X. 1251 auch in das Cabann übersetzt und danach wieder (um 1313) in as Lateinische von Raymond de Beziers, einem gelehrten Arzte, im Auftrage der Königin Philipp von Navarra, der Gemahlin des Königs Philipp des Schönen. Teils der Üübersetzung des Johannes von Capua, teils der des Raymond von Beziers folgen die libersetzungen in die neuern Sprachen Europas, in das Spanische (Burgos 1498), Ita⸗ . (Flor. 1548), dlandish (Lyon 1556), Englische Lond. 1570), Hollän ische Amsterd. 1623), Dänische (Kopenh. 1618), Schwedische (Stockh. 1743) und Deutsche (zuletzt pz. 1802 u. Eisenach 1803). Vgl. Loiseleur des Longchamps, Essai sur les fables indienneso (Par. 1838), und vor allem Benfey in der genannten lbersetzung des Pancatantras. Bidschapur, mohammed. Königreich in Ostindien, s. Bedschapur.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 19Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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