Biebrich (B.⸗N osbach), Stadt in reizender Lage am rechten Ufer des Rheins, im Landkreis Wiesbaden des preuß. Regierun Sbezirks Wiesbaden, 5 km südlich von Wiesbaden gelegen, an der Staatsbahn Frankfurt-Wetzlar, die hier nach Wiesbaden abzweigt, hat eine evang. und eine kath. Pfarrkirche, eine höhere Bürgerschule, eine shule Kaserne (seit 1867 königl. Unteroffizierule), Fabriken sür Cement und Cementwaren, Anilin, künstlichen Dunger und . Eienwalt; Wollmanufakturen, Eisengießereien, Eisenwalzwerke, zählt 7690 E. und war bis zum J. 1840 die Residenz des 4— von Nassau. Das Schloß, im franz. Geschmacke 1699—1706 begonnen und von Karl August von Nassau-Usingen (gest. 1753) vollendet, ist der schönste Fürstenpalast am Rhein und war bis 1866 die gewöhnliche Sommerresidenz des Herzogs. In dem großartig angelegten Park mit herrlichen Lindenalleen, einer imposanten Fontäne und Anlagen, ist be onders die auf den Ruinen der alten Burg Mosbach 1806 erbaute Burg merkwürdig, die viele Denkmale der Vorzeit 409 6 welche aus der aufgehobenen Abtei Eberbach hierher gebracht wurden. Südöstlich von B., nach Castell (gegenüber dunels zu, wo sich noch die Spuren eines Römerkastells finden, mag Cäsar bei seinem zweiten Zuge gegen die Sueven, und Agrippa, als er gegen die Katten zog, über den Rhein gegangen sein. Nachdem B. in der Rheinschiffahrtsakte von 1831 die Rechte eines Freihafens zuerkannt worden, traf die nassauische Regierung Anstalten, auch größern Schiffen und Dampfbooten bei B. einen Landungsplatz zu schaffen. Zu diesem Behufe wurde auch von der B. gegenüber liegenden Insel (Biebricher Wörth) eine 300 m lange Fangbuhne in südl. Richtung nach der Ingelheimer Aue angelegt. Die hess.⸗darmst. Regierung ließ, veranlaßt durch den mainzer Handelsstand, welcher die Konkurrenz von B. fürchtete, in der Nacht vom 1. März 1841 plötzlich durch 103 mit Steinen beladene Neckarschiffe, bei dem Gouverneur in Mainz als für den kölner Dombau bestimmt anzezeigt, von 200 Arbeitern an der Spitze der naslamschin Fangbuhne das Fahrwasser nach der hess. Petersaue zuwerfen, wodurch dasselbe auf den linken Stromarm verlegt wurde. Durch Vermittelung des Bundestags mußte die hess.⸗darmst. Regierung den Steindamm wieder herausschaffen, sodaß „ 5 1. Aug. 1841 das Fahrwasser wieder geöffnet war.