FeedBlaune (Ludw. Gottfr.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Blaune (Ludw. Gottfr.), namhafter Romanist, geb. 19. Sept. 1781 zu Berlin, stammte aus einer zur franz. Kolonie gehörenden Familie, absolvierte das franz. Gymnasium daselbst, studierte an dem damit verbundenen theol. Seminar Theologie und wurde 1806 bei der reform. Gemeinde zu Halle angestellt. Auf den Verdacht, einer Verschwörung um Umsturz der westfäl. Regierung beigetreten zu sein, ward er 1811 verhaftet und nach kurzem Aufenthalte zu Magdeburg nach Kassel gebracht, wo er als Staatsgefangener blieb, bis ihn 28. Sept. 1813 das russ. Streifkorps unter Tschernyschew in Freiheit setzte. Als preuß. Feldprediger machte er im Blücherschen Korps die Feldzüge von 1814 und 1815 mit. Im J. 1822 wurde er zum außerord., 1833 zum ord. Professor der roman. Sprachen in Halle ernannt und 1838 zweiter Prediger an der Domkirche, welches Amt er 1860 niederlegte. Er starb zu Halle 18. April 1866. B.s Sprachstudien sind ebenso umfassend als gründlich; namentlich aber hat er den Werken Dantes mit ihrer sehr reichen Litteratur eine große Sorgfalt zugewendet. Seine Hauptwerke sind die Italien. Grammatiks Galle 1844), der erste nr. einer genetischen Darstellung der Formen und Gesetze dieser Sprache; das «Vocabulario Dantescos (Lpz. 1851), das von Carbone (Flor. 1859), und der GVersuch einer bloß philol. Er 7r. mehrerer dunkler und streitiger Stellen der Göttlichen Komödies (Halle 1860—61), der von Occioni (Triest 1864) ins Italienische übertragen ward; endlich seine ÜUbersetung und Erläuterung der „Göttlichen Komödier des großen Dichters (Halle 1864). Ferner ist außer Predigten noch das «»Handbuch des Wissenswürdigsten aus der Natur und Geschichte der Erde und ihrer Bewohner⸗ (S. Aufl., 3Bde., Braunschw. 1867—69) zu nennen. Blanca, ältere span. Kupferscheidemünze, ungefähr 1 Pfennig an Wert. Blanc de baleine (frz.), s. Walrat. Blanc de fard, s. Blancd'Espagne. Blanc d'Espagne, auch Blane de fard, Perlweiß oder Schminkweiß genannt, eine weiße Schminke, bestehend aus basisch-salpetersaurem Wismutoxyd. (S. unter Wismut (⸗Verbindungen].) Vor der Anwendung derselben ist zu warnen, da sie höchst nachteilig auf die Haut wirkt und außerdem den Übelstand besitzt, ihre weiße . in ein bräunliches Gelb zu verwandeln, soald die damit Geschminkten sich in einem Raume aufhalten, dessen Atmosphäre wenn auch nur geringe Mengen von Schwefelwasserstoff enthält. Blanc fix, durch Präzipitation erhaltener schwefelsaurer Baryt (s. unter Baryum (⸗Verbindungen 8]), welcher als weiße Farbe vielfach Verwendung findet. Besitzt das Blanc fix auch nicht das hohe Deckvermögen wie Bleiweiß, so zeichnet es sich doch vor diesem dadurch aus, daß es von Schwefelwasserstoff nicht verändert wird und daher an der Luft nicht gelb wird. Blaneflos, s. Flos und Blaneflos. Blanchard (Edward Laman), engl. Journalist und Dramatiker, geb. als Sohn des chauspielers William B. 11. Dez. 1820 in London, widmete sich sehr er litterarischer Thätigkeit, die er dann mit großer Federgewandtheit und unermüdlicher Ausdauer nach den verschiedensten Richtungen — weiter entwickelte. Bereits vor seinem 25. Jahre war er dem Publikum als Herausgeber von «Chambers' London Journald und „Bradshaw's descriptive railway guideso bekannt und hatte außerdem im Auftrag von Verlegern und Theaterdirektoren den Büchermarkt und die Bretter durch eine lange Reihe von Handbüchern, Erzählungen, ays, Dramen und Possen bereichert. Später besorgte er eine Ausgabe Shakspeares, sowie ein beschreibendes Handbuch von England und Wales und verfaßte die Romane Temple baro und A man without a destinyyo. Am bekanntesten wurde er wohl durch seine Weihnachtsspiele, die noch immer auf der engl. Bühne beliebten sog. «Christmas pantomimesv, meist dramatisierte Märchen der grotesk-burlesken Art, von denen nicht weniger als Händige —* zum Verfasser haben. Daneben ist B. tändiger Mitarbeiter am Daily Telegraphv. Blanchard (Frangois), einer der ersten Luftschiffer, geb. 1738 zu Andelys im franz. Depart. Eure, beschäftigte sich von Iugend auf mit dem Problem der 1π Nachdem er 4. März 1784 die erste Luftfahrt versucht hatte, schiffte er 1785 mit dem Dr. Jefferies über den Kanal von Dover nach Calais. Bei einer noch in demselben Jahre zu London unternommenen Luftfahrt bediente er sich zum ersten mal des von Etienne Montgolfier erfundenen Fallschirms, auf dessen Erfindung er Anspruch machte. Er stellte viele Luftreisen auch in fremden Ländern an, wurde aber bei einer solchen Gelegenheit 1793 auf die Festung Kufstein in Tirol gesetzt, weil man ihm schuld gab, revolutionäre Grundsätze verbreitet zu haben. Nachdem er seine Freiheit zurückerlangt, unternahm er 1796 zu Neuyork seine 46. Luftreise, und 1807 zählte man 66 glücklich von ihm vollbrachte Luftreisen. Er starb 7. März 1809. S Gattin Marie Madeleine 5-4 550 (geb. 25. März 1778 zu Trois-Canons bei Rochelle) setzte die Luftreisen als Erwerbszweig fort und fand ihren Tod 6. Juli 1819 in Paris bei ihrer 67. Auflahrz als 996 Ballon durch — das sie in er Höhe abbrannte, in Brand geriet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 123Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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