Bleichen nennt man die Zerstörung oder Umwandlung der organischen Farbstoffe, mit denen viele Rohmaterialien aus dem Pflanzen⸗ und Tierreich in der Art behaftet sind, daß durch dieselben das Aussehen der daraus dargestellten Fabrikate beeinträchtigt wird. Das B. wird selten mit dem Rohmaterial Hele sondern entweder mit einem daraus dargestellten Halbfabrikat (ausgeschmolzenes Wachs und Talg, gepreßtes Ol, Papierzeug) oder mit dem im Lle, Lei hu 250 Fabrikat (Gewebe von Baumwolle, Leinen, Wolle, Seide, Geechten von Stroh) vorgenommen. Je nach der rt der zu bleichenden Substanz sind dabei verden biei ege einzuschlagen, da die einzelnen Stoffe en bleichenden Agentien gegenüber sich sehr verschieden verhalten; Wolle und Seide würde B. zerstört werden, wenn man sie auf gleiche Weise behandeln wollte wie Leinen und Baumwolle. Im allgemeinen unterscheidet man Die ua Natur⸗ und Kunst⸗ oder chem. Bleiche. Die Naturbleiche ist ein seit alters her angewandtes Verfahren und beruht darauf, daß die färbenden Subianzen, um welche es sich hier handelt, fast Iarund unter der Einwirkung von Luft, Feuchtigkeit und Sonnenlicht zerstört werden. Es erfolgt dies um so viel leichter und vollkommener, je vollständiger alle sonstigen fremden Stoffe vorher beseitigt sind, was durch eine möglichst gründlich ausgeführte Reinigung, wie Waschen, Bäuchen u. s. w. zu erreichen ist. Die durch letztere Operationen vorbereiteten Materialien werden dann im feuchten Zustande der Wirkung des Sonnenlichts ausgesetzt, indem man sie auf ebener Unterlage, am besten und einfachsten auf dem Rasen, ausbreitet Rasenbleiche). er dem Boden entsteigende Wasserdampf, der sich niederschlagende Tau trägt zur Erhaltung der nötigen Feuchtigkeit bei, die aber bei trockener Luft und hoher Wärme durch Besprengen zu unterstützen ist. Allmählich tritt dann eine Veränderung im uu schwü der Stoffe ein, das ursprüngliche Grau schwindet mehr und mehr, bis endlich das reine, schneeige Weiß hervortritt. Aber 1 diesem Übergange ist eine lange Zeit erforderich, es dauert monatelang, ehe ein ausgelegtes Damastgewebe die 13. Waren erhält, welche ein Tischtuch haben muß. ären wir ausschließlich auf die Naturbleiche angewiesen, so würde der große Aufschwung unserer Textilindustrie einfach aus dem Grunde nicht möglich gewesen sein, weil wir nicht über genügend große Bleichplätze verfügen können, welche dieses Verfahren erfordert. Gegenwärtig ist die Naturbleiche durch die chemische Bleiche oder Kunstbleiche fast gänzlich verdrängt. Unter Laien herrscht vielfach no Vorurteil gegen die chem. Bleiche, namentlich wird viel darüber geklagt, daß dadurch die Stoffe verdorben, weniger haltbar als früher würden. Wenn es auch unbenreitbar richtig ist, daß die meisten der jetzigen Gewebe nicht mehr die Dauer besitzen wie die vor langen Zeiten gefertigten, so liegt doch die Ursache dazu viel weniger in der Art des B.s als darin, daß das Spinnrad aus dem Bürgerhause * verschwunden ist und auch nur noch in wenig auerhäusern sich findet. Bis zur Mitte des 19. Ausster wo jedes Mädchen sich das Garn zu ihrer ussteuer selbst spann, wurden Gewebe gej affen, die noch bis heute dem Zahne der Zeit widerstehen, weil sie in der ersten Anlage dauerhaft und fest waren. Solche Dauerhaftigkeit haben wir im allgemeinen jetzt nicht mehr, weil die Fabrikanten für ihre Ware nicht so hohe Preise erzielen, wie sie sie haben müßten, um gleich gute Gewebe wie früher liefern zu können. Die veränderte Fabrikation, nicht aber die chem. Bleiche trägt Schuld an dem so vielfach beklagten Übelstande. Andererseits ist nicht zu leugnen, daß eine ungeeignete Behandlung in der chem. Bleiche selbst den besten Stoff verderben kann, dann pflegt aber auch der Ruin so gründlich zu sein, daß er sich sofort und nicht erst allmählich kundgibt. Zwei Mittel sind es, deren man sich ½. eim Bleichen bedient: des Chlorkalks und der mentlah Wer-Säure. Der Chlorkalk findet Lemen, zerwendung zum B. von Baumwolle, Leinen, Papier-Lende dagegen nie bei Seide, Wolle, Stroh, weil etztere durch Chlorkalk zerstört werden; bere muß schweflige Säure dienen. Bei der Vorbereitun der Stoffe ist dasselbe zu berücksichtigen, was bei der Naturbleiche erwähnt ist: die gründlichste Reinigung muß unter allen Umständen dem B. vorher-Eodat Baumwollene Ware wird mit schwacher odalösung gekocht, gebäucht, wozu man eigene es ½ Kessel hat, in denen die Stoffe mit der 80 sigkeit durch Dampf erhitzt und bis zu einem rucke von 3—4 Atmosphären gebracht werden; wollene m 25 werden durch Walken in immer erneuertem Wasser von allem Schmutze befreit; Seide muß in lauwarmem Seifenwasser von dem ihr anhängenden Fett und Wachs gereinigt werden. Die Behandlung mit Chlorkalk geschieht so, daß man eine ganz schwache wässerige Lösung desselben herstellt, diese kommt in einen geräumigen Behälter, durch welchen man die zu einem langen Bande zusammengehefteten Stoffe langsam lien Des Oöborkalt läßt. Sofort nach dem Verlassen des Chlorkalkbades werden sie dann in ein Bad, bestehend aus ganz verdünnter Salzsäure gebracht, werden. Die größte Sorgfalt ist darauf zu verwenden, daß weder das Chlorkalk⸗ noch das Säurebad eine zu hohe A Zdaren u habe; hat man es mit stark Hiler ten Waren zu thun, bei denen eine einmalige Behandlung nicht ausreicht, so hat man ein zweites, unter Umständen auch ein drittes Bad u geben und kommt damit sicher zum Ziele, ohne die Haltbarkeit zu gefährden, während man bei stärkern Bädern das B. zwar in einer Operation beenden kann, dann aber auch Gefahr läuft, das Material zu verderben. Seide, Wolle, Stroh werden gewöhnlich so gebleicht, daß man sie im nassen Zustande in einem geschlossenen Raume aufhängt, in welchem man durch Verbrennen von Schwefel gasförmige schweflige Säure erzeugt. Letztere wird von dem das Material durchtränkenden Wasser aufgesogen und zerstört die Farbstoffe. In neuerer Zeit fängt man sehr zweckmäßigerweise an, mit der schwefligen Säure auf ähnliche Weise zu manipulieren wie mit dem Chlorkalk, indem man wässerige Bäder von schwefliger Säure verwendet, in welche die Stoffe so lange eingetaucht werden, bis sie entfärbt sind. Das ein 190 Material, bei welchem die Naturbleiche noch durch kein chem. Mittel hat ersetzt werden können, ist das Wachs. Dieses wird im ge-Iher eune Zustande in dünnem Strahle langsam uber eine zur Hälfte in kaltes Wasser eintauchende, rasch gedrehte bar eife Walze gegossen, wodurch es beim unmittelbar erfolgenden Erstarren die Form von langen, schmalen, dünnen Bändern, Locken, annimmt. Diese kommen zur Duoen)uno Sind sie äußerlich genügend weiß geworden, so werden sie wieder eingeschmolzen, von neuem in Locken verwandelt, von neuem gebleicht u. s. f., bis endlich das Wachs durch und durch entfärbt ist. Talg, Palmöl u. dgl. bleicht man, indem man auf die geschmolzenen Stoffe eine verdünnte Lösung von Chromsäure, d. h. eine wässerige, mit Iumem Halt versetzte Lösung von rotem chromsaurem Kali unter kräftigstem Durchmischen einwirken läßt. Vgl. Kurrer, «Die Kunst zu bleichen »(Nürnb. einenen Stoffeß (Braunschw. 1850); arf, Das Buch der Bleiches (Löbau 1866); Käppelin, «Die Bleicherei und Appretur der Woll⸗ und Baumwollstoffeß (aus dem Französischen von Reimann, Berl. 1870); Kerl und Stohmann [Muspratt], Encyklopäd. Handbuch der technischen Chemier (3. Aufl., Braunschw. 1874 u. 1879, Bd. 1 u. 6, Artikel: ½ einer Pflanze tritt ein, wenn derselben das Licht für längere Zeit entzogen ist, da hierdurch die Chlorophyllkörner des Zellgewebes der Blätter desoxydiert werden, die grüne Farbe der letztern und anderer Teile verschwindet und die Substanz lockerer und von Geschmack milder wird. Hiervon weiß der Gemüsegärtner Nutzen zu ziehen, indem er einigen seiner Gewächsarten das Licht entzieht, um sie als Nahrungsmittel annehmbarer zu machen. Dies geschieht, indem er die Blätter einer Abart des artensalats (des sog. Bindesalats) mit einigen Strohhalmen zusammenbindet: die innern Blätter werden dadurch gelblich oder weiß und schmackhafter. Der gewöhuliche Gartenblerch dessen Blätter sich zu Häuptern schließen leichen sich im Innern des Kopfes von selbst. Andere Gewächse, deren fleischige Bathiiel verbem werden, bedeckt er bis nahe an die Blätter eran mit Erde in derselben bsicht, z. B. den Bleichsellerie. Beim Porree ist der im Boden stehende weiß gebliebene Stammteil süßer und zarter als der obere grüne Teil oder die Blätter. Aus demselben Grunde bedeckt er den Kopf des Blumenkohls, um ihm seine schneeige Weiße zu sichern, mit den ihn umgebenden Blättern, die er zu diesem Zwecke einknickt. Um den Meerkohl (Crambe mari und den Rhabarber zu bleichen, benutzt der Gemüsegärtner statt der Bedeckung mit Erde sog. Bleichtöpfe, irdene Gefäße von der Form umamehrter Blumentöpfe mit abnehmbarem Deckel, um den Fortgang des Bleichprozesses kontrollieren zu können. Die Wurzeln anderer Gewächse, z. B. die Cichorie, pflanzt er auf ein im dunkeln Keller angelegtes Beet; die austreibenden Sprossen und Blätter sind schneeweiß und zart; die der obengenannten Pflanze werden, wenn sie in dieser Weise behandelt werden, in mes erfril als Barbe de Capucin zur Bereitung eines erfrischenden Salats benutzt. In Paris treibt man den Marlyflieder (Syringa vulgaris marlyensis) im Dunkeln und erhält dadurch statt purpurvioletter Blütensträuße vollkommen weiße, die dort sehr geschätzt sind.