FeedBlumenkohl
PflanzenreichBrockhaus 1882

Blumenkohl oder Carfiol (Brassica oleracea botrytis), eine Form des Gemüsekohls, ist dadurch ausgezeichnet, daß der + lütenstand durch Wucherung des Zellgewebes und teilweise Verwachsung zu einem fleischigen, weißen, dichten Kopfe . der von flachen, eng anliegenden Blättern — — ossen ist. Nur dieser metamorphosierte Blütenstand (Käse genannt) wird für die Küche benutzt und gilt für das feinste aller Kohlgemüse. Der Gewinnung von Samen stehen mancherlei Schwierigkeiten entgegen, da aus der festgeschlossenen Masse sich nur wenige Verzweigungen des Blütenstandes freizumachen pflegen und Blüten und Samen ausbilden, und bei anhaltend feuchter Witterung der Ko Run Fäulnis geneigt ist. Auch wird die Entwickelung der Fortpflanzungsorgane durch mehrere Pilzformen nur zu häufig vereitelt. Deshalb ist guter Blumenkohlsamen immer ziemlich hoch im Preise. In bedeutender Menge und vorzüglicher Güte wird B. vorzugsweise in * erzogen, von wo er nach den Märkten der Provinz Sachsen, nach Leipzig, Dresden u. s. w. versandt wird. Wo der B. zuerst angebaut wurde, ist nicht mehr nachweisbar, doch deuten verschiedene Umstände auf Südeuropa, insbesondere auf Italien hin. Von Genua, Inel er gegen das Ende des 16. Jahrh. von der 91 el Cypern gekommen sein soll, verbreitete er sich über das Festland, zunächst über Holland und Frankreich. In Deutschland ist er erst seit 200 Jahren in Kultur. Von den verschiedenen Kulturformen des B. * folgende die besten: Haages Zwergblumenohl mit shn niedrigem Strunke und großem, sehr dichtem, schwerem Kopfe; Erfurter B., mit höherm Strunke und großem, flacherm, weniger festem Kopfe, ersterer für das Treibbeet, aber auch fürs eie Land, letzterer besser zur ersten Kultur im eien zu gebrauchen. Außerdem kultiviert man in Deutschland, wiewohl in geringerm Umfange, den B. von Walchern, den Stadtholder, den asiatischen B. und einige andere Sorten. Die in Frankreich gebräuchlichen Formen: Salomon demi-dur und dur, Saint-Brieuc, Lenormand und Impérial, haben in Deutschland wenig Anklang gefunden. Der B. erfordert ein mildes base und reichlich gedüngtes Erdreich, viel Wasser und eine Temperakur, welche mehr kühl und feucht als sehr trocken und heiß ist, und wird deshalb 91 W5 und vollkommener im Frühjahr und Herbst als im Sommer. 1 Rindern ein⸗ oder zweimal ein Guß mit einer aus Rindermist bereiteten Düngerbrühe trägt viel zur vollkommenen Entwickelung des Kopfes bei, besonders in der Zeit, in der die Pflanze ausgewachsen ist und sich anschickt, den Blütenstand zu erzeugen. Um den Blumen dichten Schluß und seine weiße Farbe zu sichern, bindet man die sie umebenden Blätter einwärts, wodurch die Einwirung der Sonne und der Luft abgehalten wird. Der B. wird zu verschiedenen Zeiten ausgesäet: ½ im August, um die erzogenen Pflanzen im Dezember oder Januar zu treiben; die beste Sorte hierfür ist Haages Zwergblumenkohl; da in neuerer Zeit bat früher B. aus Italien importiert wird, so hat die Blumenkohltreiberei in Deutschland an Umfang abgenommen; 2) im Herbst für die frühe Kultur; die daen pi werden acht Wochen später in den kalten Kasten pikiert und in der zweiten Hälfte des April in das freie Land gesetzt, und eben ihre Ernte von Mitte Juni an. Für die Frühkultur ist 6 Aril 1e Erfurter B. zu empfehlen; 3) Ende April; die Ernte tritt im Laufe des August ein; für 5 Walch on eignen sich Erfurter B., Lenormand und Walchern; 4) Aussaat Ende Juni und Pflanzung Mitte Juli; die Ernte des sog. Lna ällt in den Oktober. Zur Herbstltur eignen sich vorzugsweise der Erfurter B. und der Lenormand. Behufs der Samenzucht müssen alle Sorten ohne Ausnahme im Herbst gesäet werden. „Dem B. nahe verwandt ist der namentlich in Italien gebaute Spargelkohl oder Broccöli. Dieser unterscheidet sich von jenem nur durch größere Dimensionen und ne. gerandete Blätter, wie durch die unvollkommene Verschmelzung des Blütenstandes und durch die Färbung desselben. In Deutschland wird er nur wenig angebaut.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 192Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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