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TierreichBrockhaus 1882

Blumenlese, s. 4HAmen Blumenmalerei. Blumen⸗ und Fruchtmalerei ist eins der untergeordnetern Gebiete der künstlerischen Darstellung, bei dem es zwar auf eine Conversations-Lexikon. 13. Aufl. III. möglichst getreue Nachahmung der Natur zunächst ankommt, bei dem der höhere Charakter des Kunstwerks aber in der sinnigen Anordnung der Gegenstande und ihrer Auswahl liegt. Wie schön auch eine einzelne Blume an sich sei, vom Maler verlangt man mehr, als sie einfach wiederzugeben. Man will sie, Idieaden in einer Situation sehen. Der unendliche Reichtum der Natur an Erzeugnissen des Gartens und des Feldes, das mannigfaltigste Gerät, die silbernen und krystallenen, die irdenen Scherben, Vasen, Krüge, Gläser und Korbgeflechte, worin man sie im Ener vepest endlich die Staffage dieser ins Zimmer versetzten Landschaft, die Schmetterlinge, Käfer und andern Insekten Vögel u. dgl. bilden ein reiches Material für die Komposition. Eine gute Anordnung überladet nicht, bringt auch nicht die Blumen verschiedener Blüteeit durcheinander, achtet auf die Harmonie und en Kontrast der Farben, und sieht auf eine schöne Abrundung. Demnächst kommt die Naturwahrheit des Einzelnen zur Geltung, wobei es wieder mehr darauf ankommt, die eigentümliche Textur der Blätter, den Seidenglanz der einen Blume, den Samtlüster der andern und das unendlich verf ie dene Grün charakteristisch wiederzugeben, als sich in der Nachbildung willkurlich gehäufter Zufälligkeiten zu ergehen. Bei den Alten war die B. eine dekorative Kunst, meist, wie in Pompeji, zum Schmuck der Zimmerwände Demmrottue besonders in Verbindung mit Stilllebenmotiven für die Speisesäle; doch pflegten sie ältere Künstler wie Pausias und Zeuxis auch selbständig. Im Mittelalter bildet sie in den lirres d'heures und andern kostbar gezierten Manuskripten einen Zweig der Miniaturmalerei. Indessen übt erst die niederländ. Kunst des 17. Jahrh. eine unabhängige B. Schon der vielseitige Jan Brueghel übte 490 B., treu in der Nachahmung des Einzelnen, aber ohne Rücksicht auf die Gesamtwirkung. Bedeutender war 569 Schüler Daniel Seghers (1590—1660). Die Höhe der Schule bezeichnet David de Heem (4600—74). Zu seinen Schülern gehören sein Sohn Cornelis de Heem, Abraham Mignon von rankfurt, Marie van Osterwyk. Die leidenschaftiche Blumenliebhaberei der Holländer, welche in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. ihren Höhegrad erreichte, trug ohne Zweifel mit dazu bei, daß die B. noch eine Blüte erlebte, als die Übrigen Gebiete schon in Verfall begriffen waren. Vor allem glänzen noch die herühmte Rachel Ruysch und Jan van Huysum, dessen glücklicher Nachahmer Jan van Os war. Neuere ausgezeichnete Blumenmaler sind: Sibylle Merian in Frankfurt, Maxim. Pfüller, J van Dael, Adriaan van Haanen, J. Robie, rönland, Boé, Senff in Rom; Knapp, Franz Petter, Wegmeyer, Drechsler (1756—1811), Blascheck, Brunner und Gruber in Wien; Danner in Ludwigsburg; Mayrhofer, Nachtmann, Matten-Caule in München; Hauptmeister der Düsseldorfer chule sind Preyer, Lehnen und Holthausen; in Berlin: Blankenburg, Looschen, Erdmann Schultz, Adelheid Dietrich, Hermine Stilke, Anna Storch; in Paris: Redouté (1759—1840), Emma Desportes, Clemens Buchere. Saint-Jean in Lyon (1808 —60) war zu seiner Zeit der erste des Fachs.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 193Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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