FeedBlumenthal (Leonh. von)
GeschichteBrockhaus 1882

Blumenthal (Leonh. von), preuß. General der Infanterie, geb. 30. Juli 1816 zu Schwedt a. d. O., wurde im Kadettenkorps erzogen, trat 1827 als Offizier aus demselben in das damalige Garde-Reserve⸗ (ietzige Garde-Füsilier⸗) Regiment und besuchte 1830 —33 die allgemeine Kriegsschule zu Berlin. Nachdem B. hierauf 1837 — 45 Adjutant des koblenzer Garde-Landwehrbataillons gewesen und inzwischen 1844 zum Premierlieutenant befördert war, erhielt er dann 1846 eine Berufung in das Topographische Bureau. In den folgenden Jahren zu gründlicherer Kenntniß der technischen Waffen auf je drei Monate zur Dienstleistung bei der Garde-Artilleriebrigade und der Garde-Pionierabteilung kommandiert, nahm B. 18. März 1848 beim Füsilierbataillon des 31. Regiments am Straßenkampfe in Berlin teil. Kurz darauf zum Großen Generalstabe kommandiert, erfolgte 1. Jan. 1849 seine Versetzung als Hauptmann in den Generalstab der Armee, dem er seitdem mit nur einzelnen Unterbrechungen beständig angehörte. Im Stabe des Generals von Bonin wohnte er 1849 dem Feldzuge in Schleswig und Jütland bei und wurde im Mai zum Chef des Generalstabes der schlesw.⸗holstein. Armee ernannt. Nach dem Kriege war er 1850 der mobilen Division Tietzen in Kurhessen beigegeben. Hierauf 0 er zweimal in militärischen Aufträgen nach England. Inzwischen zum Oberstlieutenant aufgestiegen, wurde er 1858 zum persönlichen Adjutanten des Prinzen Friedrich Karl ernannt und befehligte als Dbe eine Zeit lang das 71. Infanterieregiment. Nachdem B. hierauf etwa ein Jahr Chef des Stabes beim 3. Armeekorps gewesen, ward er 15. Dez. 1863 zum Chef des Generalstabes des kombinierten mobilen Armeekorps gegen Dänemark ernannt und hatte als solcher entscheidenden Anteil am Sturme auf die Düppeler Schanzen und am Übergange nach Alsen. Im Juni 1864 wurde er zum Generalmajor befördert und übernahm im November desselben Jahres das Kommando der 7., dann im April 1865 das der 30. Infanteriebrigade. Beim Ausbruche des Kriegs gegen sterreich 1866 wurde er Chef des Generalstabes der Zweiten Armee unter dem Kronprinzen von Preußen. In dieser Stellung zeichnete er sich hervorragend aus, insbesondere am 3. Juli (Königgrätz), sowie bei Anordnung der mutg und Wien e und Operationen zwischen Olmütz und Wien. Im Okt. 1866 erhielt er das Kommando der 14. Division in Düsseldorf und das Patent als Generallieutenant. Im Deutsch-Französischen Kriege von 1870 war er wieder Chef des Generalstabes bei der Armee des Kronprinzen. Er rechtfertigte das in ihn gesetzte Vertrauen so glänzend, daß er in wichtigen Fragen auch von der obern Heeresleitung mit zur Berathung gezogen wurde. Dies geschah namentlich bei Gele be⸗ der berühmten Operation, die zur Katastrophe bei Sedan Paris sowie bei Vorbereitung der Einschließung von Paris und den später, zur Deckung der Belagerung gegen die Loire-Armee getroffenen Anordnungen (von der Tann, Großherzog von Mecklenburg). Nach dem Frieden wurde B. zum kommandierenden General des 4. Armeekorps und 22. März 1873 zum General der Infanterie ernannt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 194Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6