FeedBlumenzwiebeln
PflanzenreichBrockhaus 1882

Blumenzwiebeln — die Bezeichnung für den mit schuppen⸗ oder scha dishen St. Niederblättern besetzten kleinen unterirdischen Stamm, die sog. Zwiebel (s. d.), welche die meisten zu den Liliaceen und verwandten He enfamilien gerechneten Gewächse besitzen. An der Spitze des Stammes und im Schutze der Niederblätter sitzt eine Blütenzwiebel, entwickeln soll, während die ihm zunächststehenden Schuppen⸗ oder Schabenblätter zu Laubblättern auswachsen, und in ihr sind bereits die Blütenzwiebeln für ein .2½7. und drittes Jahr angelegt. Während also im Herbst nach der Blüte und chtreife der Stengel und die Laubblätter vergehen, ist bereits die nächstjährige Vegetation vorbereitet. Ist auf diese Weise für die jährlich wiederholte Erzeugung von Frucht und Samen, also für die Fortpflanzung auf geschlechtlichem Wege gesorgt, so trägt die Zwiebel direkt auch auf ungeschlechtlichem Wege zur Vermehrung der Individuenzahl dadurch bei, daß sie in den Achseln der Schalen⸗ oder Schuppenblätter Knospen ert, die nach und nach zu Zwiebeln von derselben schassenheit auswachsen, um sich endlich von der Mutterpflanze zu trennen und ein selbständiges —— Krokus u. s. w. durch Brutzwiebeln beschäftigen sich vorzugsweise die Blumisten Hollands, weshalb diese B. holländische genannt zu werden pflegen. Hier übt man auch mehrere Operationen, welche den Zweck haben, eine vermehrte Tulpen geschieht dies durch das Abschneiden des br s kurz vor der Entfaltung der Blume, bei der Hyazinthe aber schneidet man die zur Vermehrung bestimmte vollkommen ausgewachsene Zwiebel von der Basis + der Spitze hin vierbis fünfmal bis etwa zur Mitte ein, worauf man sie sortenweise und zu Tausenden in einem vollkommen trockenen Speicher auf Gestellen aufbewahrt bis zum Herbst, wo sie wieder gepflanzt werden. Schon nach kurzer Zeit macht man die Wahrnehmung, daß sich in der Achsel eines großen Teils der Niederblätter Knospen gebildet haben. Bei der Hyazinthe erreichen die Brutzwiebeln im ersten Jahre die Größe einer kleinen Walnuß und werden schon im vierten, spätestens im fünften Jahre für den Handel verwendbar. Diese ungekne iche Vermehrung aber ist das einzige Mittel, eine Varietät in ihren blumistischen und sonstigen Merkmalen zur Beständigkeit zu erheben, während die aus Samen einer Varietät erzogenen Individuen von der Mutter mehr oder weniger abweichen, also in ihrem Charakter unbeständig sind. Welch eine 3. Tulpen Industrie in der Anzucht von Hyazinthen⸗, Tulpen⸗ und sonstigen B. in Harlem und in den umliegenden Ortschaften Overveen, Helmstede u. s. w., begründet ist, geht aus folgenden Zahlen hervor. In Frankreich wurden 1827 an B. aus Holland eingeführt 131 360 Kg, 1866 aber 568 670 kg, 1868 nur 442 698 kg, aber in neuerer Zeit wieder gegen 600 000 kg, im Werte von 500000 Frs. Hierbei ist zu bemerken, daß die Verwaltung behufs Feststellung des Eingangszolls den Wert von 1 Kg B. durchschnittlich zu 80 Cent. annimmt eine Schätzung, die weit hinter dem and 5 Werte der are zurückbleibt. Auch in England zählen die jährlich aus Holland eingeführten Hyazinthen⸗ und Tulpenzwiebeln nach illionen und in Deutschland stellt sich der Import verhältnismäßig. Nach offiziellen 5 Holandt in der erreichte die Ausfuhr von B. aus Holland in den Jahren 1861—67 einen Wert von 19640000 holländ. Fl., und der für die Kultur dieser und verwandter Zwiebelgewächse bestimmte Flächenraum betrug 240 ha. Die in Holland selbst durch den Handel mit B. umgesetzten Summen sind ebenfalls sehr beträchtlich, wie bei der großen Vorliebe der Holländer für Hyazinthen und Tulpen leicht erklärlich. In Deutschland findet sich eine ähnliche, wenn auch weniger umfangreiche Kultur allein in der Umgegend von Berlin, wo im Boden —5 dieselben, wenn auch nicht ganz so günstigen Bedingungen für ihr Gedeihen gegeben sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 194Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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