FeedBohne
PflanzenreichBrockhaus 1882

Bohne ist der Kollektivname für Arten 14 der n verschiedener Gattungen aus der Familie der chmetterlingsblütler oder hülsenfrüchtigen Gewächse, nämlich — einer Art der Wickengattung (s. Wicke), 2) der Arten der eigentlichen Bohnengattung (s. Phaseölus). Die Wickenart ist Vicia Faba L., die Ackerbohne, auch Puffbohne, ferdebohne, Saubohne oder Dnent fan Sie ist ein einjähriges, aus dem Orient stammendes Gewächs mit aufrechtem, Lalgien Stengel, fetten, paariggefiederten, rankenlosen Blättern und großen, cherte riechenden Blüten, welche zu zwei bis vier büschelig in obern Blattwinkeln sitzen. Die daraus sich entwickelnden Hülsen sind aufrechtstehend, steif, dickh00. mit schwammigem Fleisch, an den Stellen er Samen stark aufgetrieben und enthalten zwei bis fünf große, seitlich zusammengedrückte, im Umriß unregelmäßige Samen. Es gibt von dieser Pflanze zwei Hauptvarietäten: die kleine Acker⸗ +. oder Viehbohne, mit mehrsamigen Hülsen und dicken Samen, welche Anoße 5. ode als Viehfutter benutzt werden, und die 15 oder Gartenbohne, Puffbohne, mit zwei⸗ bis Omen n Hülsen und flachen, rundlich-viereckigen Samen, welche gekocht oder gebraten als Gemüse dienen. Für die beste Sorte der letzten Varietät gilt die Windsorpuffbohne aus England. Die Ackerbohne verlangt zu ihrem Gedeihen einen gutgedüngten, humusreichen Sand⸗, Mergel⸗ oder Thonboden, viel Wasser und einen warmen Sommer, weshalb sie nicht überall mit Erfolg angebaut werden kann. Ihre Kultur Seantem un in den südeurop. Ländern (3. B. in panien) und England verbreitet, doch wird sie auch in Deutschland in vielen Gegenden betrieben. Die Viehbohne liefert ein treffliches Grünfutter und ihr Samen, met getrocknet, eine nahrhafte Mast, die Gartenbohne bei richtiger Zubereitung ein wohlschmeckendes, gesundes Gemüse. Die Gattung Phaseölus, Fasohle, Fisole,. inst einer ganz andern Abteilung der Schmetteringsblütler an. Ihre Arten besitzen meist Dintgende, windende Stengel, große, dreizählige Blätter, gestielte Blütentrauben und hängende, vieldie lp Hülsen. Ihre Blumen zeichnen — durch ie spiralige Drehung des Schiffchens (untersten Blattes) aus, ihre im grünen Zustande auch dickden Can Hülsen durch ein schwammiges, zwischen en Samenkörnern befindliches, unechte Scheidewände bildendes Gewebe, die Samen durch regelmäßige Gestaltung. Die vielen Sorten, die angebaut werden, gehören bloß zwei verschiedenen Arten und sind sänttlich einjährige Sommergewächse. Am ältesten und verbreitetsten ist die Kultur der aus Südasien stammenden Phaseolus vulgaris L. der gemeinen B. Schminkbohne, Veits- oder ude Stiel kuree Bei ihr ist der die Blüten tragende Stiel kürzer als das Blatt, aus dessen Achsel er entspringt, und es sind au Wuch, die nur wenige (zwei bis vier) Blüten befindlich, die Hülsen äußerlich glatt oder nur wenig rauh. Die überaus zahlreichen Ab⸗ und Spielarten dieser Pflanze zerfallen nach von Martens (Die Gartenbohnen, ihre Verbreitung, Kultur und Benutzungo, Stuttg. 1860) in folgende Hhen unande) ) gemeine Veitsbohnen, mit (im reifen Zustande) schwach säbelförmigen Hülsen und nierenförmig-länglichen, etwas zusammengedrückten Samen; 2) Schwert- oder Speckbohnen, mit großen, langen, reiten, unreif fleischigen Hülsen und breiten, nierenförmigen, stark zusammengedrückten Samen; 3) Eck⸗ oder Salntbohnen mit etwas gekrümmten, perlschnurförmigen Hülsen und kleinen, rundlich-eckigen, etwas zusammengedrückten Samen; 6 ielbohnen, mit säbelförmigen, runzeligen Hülsen und schlanken, walzigen, gekielten Samen; 5) Dattelbohnen, mit eraden, walzenförmigen, glatten Hülsen und schlanen, walzigen, nichtgekielten Samen; 6) Cierbohnen, mit Camen⸗ perlschnurförmigen Hülsen und eirunden Samen; 7) Kugel⸗ oder Perlbohnen, mit geraden, perlschnurförmigen Hülsen und kugelrunden Samen. Diese Abarten variieren ins Unendliche hinsichtlich der Färbung der reifen Hülsen und Samen und hinsichtlich der Höhe, welche die Pflanzen erreichen, sowie ob die Stengel schlingend sind und daher einer Stütze bedürfen (Stangenbohnen) oder nicht Häz Sorten: Strauch⸗, Busch-⸗, Stockbohnen). Die zweite Art ist Phaseolus multiflorus L., die türkische B., Feuerbohne, Blumenbohne. Sie unterscheidet sich durch die vielblütigen Trauben, deren Stiel länger als das betreffende Blatt ist, die größern Blumen, die breitere, dickere, auswendig rauhe Hπ* die größern Samen und die stets schlingenden, se 4—— ehenden Stengel. Sie ist in Südamerika zu aufe und wird im ganzen weniger gebaut, obwohl mit Unrecht, da sie viel länger im und viel reichlichere Erträge liefert als die Schminkbohne. Ihre minder zahlreichen Sorten zerfallen in zwei Hauptvarietäten: 1) mit einfarbigen, 2) mit bunten Samen. Zur ersten Varietät gehören die schwarze Blumenbohne mit großen scharlachroten B umen, braunrot geflammten Hülsen und mendous unt zen Samen, sowie die weiße Blumenbohne, mit weißen Blumen und Samen; zur zweiten die gemeine Feuerbohne mit scharlachroten Blumen, gelbgrauen Hülsen und lilafarbenen oder rosenroten, schwarzgefledten Samen, sowie die zweifarbige Feuerbohne, mit rot⸗ und weißgescheckten Blumen und heller gefleckten Samen. Die letzte Sorte, desgleichen und noch mehr die weiße Blumenbohne, liefern unter allen Spielarten das schmackhafteste Gemüse. Der Bohnenbau wird zwar überall in Deutschland und Europa, ja fast in allen Weltteilen betrieben, bei uns 9 6 vorzüglich in Gärten, we-Pfal auf dem Felde (3. B. um Heidelberg, in der P 108 Dagegen wird die B. in Spanien, Portugal und andern südeurop. Ländern, desgleichen in Nordafrika als? eldfrucht im großen Maßstabe kultiviert. Sowohl die grünen Hülsen als die reifen Samen liefern gekocht, als Gemüse oder Salat zubereitet, eine wohlschmeckende, sehr nahrafte, nur (besonders die reifen Samen) etwas Hwer verdauliche, weil sehr sticstoffhaltige Speise. Sie gewähren ein höchst geeignetes Nahrungsmittel für die ärmern Volksklassen und sind für die Verproviantierung von Schiffen, Festungen und Armeen unersetzlich. Ihr Anbau verlangt im allemeinen wenig Mühe, und es sind die B., wenn ie geraten, eine der einträglichsten Handels te/ haben jedoch bei uns von Spätfrösten, Meltau und Insekten viel zu leiden. Vgl. Langethal, Landwirtschaftliche Pflanzenkundes (3. Aufl., Jena 1861); G. von Martens, Die Gartenbohnenv 2. Aufl., Ravensburg 1869). In neuerer Zeit ist noch die in landwirtschaftlicher Hinsicht wichtige rauchhagrige Sosabohne, Soja hispida Mönch, zur Familie der Leguminosen gehörig, hinzugetreten, welche bisher in der Mongolei, China, Auspen und Indien gebaut, zuerst 1873 auf der usstellung in Wien nach Europa gelangte. Haberlandt in Wien machte zuerst auf den Wert der Sojabohne als Futterpflanze aufmerksam, da die Früchte einen außerordentlich hohen Gehalt an Pretnin (35 Proz.) und an Fett (17 Proz.) besitzen. Trotz mannigfacher Versuche ist diese B. bisjetzt in größerm Maße in Deutschland nicht angebaut, zum Teil wohl des-Relte weil das Klima die Samen häufig nicht zur eife ů 7 Sie erreicht eine Höhe bis zu Im und hat kurze Internodien und eilanzettförmige Blätter. Achsen und Blätter sind mit rotbraunen Haaren besetzt. Die Blüten sitzen an den Achsen der Blätter, sind + klein und von blaßvioletter, weißlila bis blauer Farbe. Die Hülsen sind zweisamig, nicht selten drei⸗, ziemlich oft vier⸗ bis fünfsamig. Die Samen sind länglich, oval oder kreisrund, gleichen der Gartenerbse und sind 7.5 11 mm lang, 5,5—73 mm hoch, 3,56,1 mm dick. Die Farbe der Samen ist außerordentlich wechselnd, von hell bis dunkel, gelb, grün, rötlich, hellbraun, dunkelbraun, schwarz u. 5 w. Nach den auf Anregung Haberlandts in Ssterreich-Ungarn in den 1876—78 angestellten Anbauversuchen ergab ich als mittlerer Ertrag pro 1 ha 2177—3739 kg Körner und 5236 kg Stroh. Vgl. Wein, Die Sojabohne (Berl. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 259Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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