FeedBorgia (Stefäno)
ReligionBrockhaus 1882

Borgia (Stefäno), Kardinal und Vorsteher der Propaganda, einer der edelsten Pfleger der issenschaften im 18. Jahrh., geb. 3. Dez. 1731 zu Velletri, erhielt seine erste Erziehung bei seinem Oh eim, Alessandro B., Erzbischof von Fermo, der 1764 sarb, und legte seit Mitte des Jahrhunderts in seiner Vaterstadt ein Museum von Altertümern an, das nach und nach eine der reichsten Privatsammlungen dieser Art wurde. Benedikt XIV. ernannte ihn 1759 zum Gouverneur von Benevent, wo er durch weise Maßregeln 1764 Stadt und Gebiet vor der im Königreich Neapel herrschenden Hungersnot bewahrte. Dann war er 1770—88 Sekretär der Propaganda. Dieses Amt — ihn mit den in allen Weltgegenden zerstreuten Missionaren in Verbindung, die er für die Bereicherung 11* Sammlung an Handschriften und andern Denkmälern des Altertums nutzbar zu machen wußte. Durch Pius VI. 1789 zum Kardinal und zum Oberaufseher der Findelhäuser ernannt, erwarb er sich auch in dieser Stellung große Verdienste. Als der Revolutions-Hease sich 1797 im Kirchenstaat zu zeigen begann, egte Pius VI. die Diktatur von Rom in die Hände B.s, dem er noch zwei Kardinäle beigesellte. Beim Einzug der Franzosen und der Prok amierung der Republik verhaftet und Landes verwiesen, ging er nach Venedig und hierauf nach Padua. Mit Pius VII. kehrte er nach Rom zurück und widmete nun seine ganze Thätigkeit der Reorganisation der Verwaltung. Er starb 23. Nov. 1804 zu Lyon, auf der Reise zur Krönung Napoleons. Seine kostbaren Sammlungen haben in einzelnen Partien Adler, oega, Giorgi, Fra Paolino u. a. beschrieben. urch die Memorie istoriche della città di Beneventos (3 Bde., Rom 1763—69) begründete er sein Ansehen als Historiker und Altertumsforscher. Außerdem schrieb er Monumento di Papa Giovanni XVIL„ (Rom 1750), Breve istoria dell' antica città Tadino nell' Umbrias (Rom 1751), Vaticana Confessio B. Petri illustrata (Rom 1776) und andere archäolog. Abhandlungen, und Brere istoria del dominio temporale della sede apostolica nelle due Sicilies (Rom 1788). Sein Leben beschrieb Pater Paolino von San-Bartolommeo in lat. Sprache (Rom 1805). ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 340Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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