FeedBorromeo (Carlo, Graf)
ReligionBrockhaus 1882

Borromeo (Carlo, Graf), Kardinal und Erzbatoel von Mailand, — 2. Okt. 1538 auf dem väterlichen Schlosse zu Arona am Lago-Maggiore, studierte die Rechte in Pavia, ward 1559 Doktor und on im 22. Lebensjahre durch seinen Oheim, Papst Pius IV., Protonotar, Referendar der Signaturen, Kardinaldiakon und Erzbischof von Mailand. Wegen seines sittenreinen Lebens und seiner bedeutenden Gelehrsamkeit I angesehen, strebte er mit Eifer dahin, dem Papsttum die alte Macht zurückzuerobern und zugleich die Kirche, besonders die Geistlichkeit von dem eingerissenen Verderben zu reinigen. Solange Pius IV. lebte, entfaltete B. einen großen Einfluß auf verschiedene Zweige der Kirchenregierung: er vermittelte die Beeinflussung des am 18. Jan. 1562 wieder eröffneten Tridentiner Konzils und erwirkte eine möglichst scharfe Fassung seiner Beschlüsse; er leitete die Verwaltung der neuewonnenen Gebietsteile des Kirchenstaats, der omagna, der Marken und Bologna, er führte das teser und war thätiges Mitglied der Inquisitionskommission. Seit 1564 unter Papst Pius V. nahm B. seinen ständigen Sitz in Mailand und widmete Eon 1 Kraft der Regierung seines Sprengels. on den Jesuiten unterstützt, suchte er der Unwissenheit und Sittenlosigkeit der Geistlichen entgegenzuarbeiten durch Gründung von Seminarien und Einführung strenger Kirchenzucht. Die Strenge, mit welcher er für die Reform der entarteten Mönchsorden eintrat, veranlaßte 1569 sogar einen Mordversuch. Mit besonderm Eifer war B. bestrebt, durch strenge Handhabung der Inquisition die Reformation in Benoo. Sprengel im Keime zu erdrücken, und nur Venedig und das Veltlin wagten ihm zu widerstehen. Daneben sorgte er für Verschönerung der Kirchen und Förderung der Kirchenmusik für Hebung des Gottesdienstes, und erwarb sich die größte Achtung durch die selbstlose Hingabe, mit welcher er 1576 der a dere Pest entgegentrat und einen großen Teil der Bevölkerung rettete. Im Goldenen Borromeischen Bunde verband er die sieben kath. Kantone der Schweiz zu gemeinschaftlicher Verteidigung ihres Glaubens. Er starb 3. Nov. 1584 und wurde 1616 Heiten esprochen. Bis theol. Schriften gab am esten Sax (5 Bde., Mail. 1747) heraus. Am westl. Ufer des Lago-Maggiore bei Arona steht seine mit Einschluß des Piedestals 15 m hohe eherne Statue. Sein Leben beschrieben Guissano (frz. von Souflour, 1615), Godeau (Brüss. 1684; Par. 14610 Touron (Par. 1761) und Stolz (Zür. 1781 Documenti circa la vita e la gesta di B.o (4 Bde., Mail. 1857—59) hat Sala veröffentlicht. — Seines Bruders Sohn, Graf Federico B., geb. 18. Aug. 1564, gest. 21. Sept. 1631, der ebenfalls Kardinal und seit 1595 Erzbischof von Mailand war, ist der Begründer der Ambrosianischen Bibliothek (s. d.)J. Die Familie B. steht heute noch in hohen Ehren. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 352Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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