FeedBroglie
GeschichteBrockhaus 1882

Broglie (Achille Charles Leéonce Victor, Herzog von), franz. Staatsmann, ein Sohn des während der Revolution hingerichteten Prinzen von B., wurde 1. Dez. 1785 zu Paris geboren. Seine Mutter, eine geborene von Rosen, schmachtete zur Zeit der Hinrichtung ihres Gemahls im uchren vert zu Vesoul, fand aber Gelegenheit, mit ihren verlassenen Kindern nach der Schweiz zu flüchten. Nach dem Sturze der Schreckensherrn chaft kehrte sie nach Frankreich zurück und heiratete den demokratisch-liberalen Marquis Voyer d'Argenson (s. d.), der dem jungen B. und seinen drei Schwestern eine vortreffliche Eriehung gab; jener erhielt das väterliche Gut B. Wahrend des Kaiserreichs wurde B. Auditor im Staatsrat, dann Aktacheb. in Illyrien, später in Spanien, endlich Attaché bei den Gesandtschaften zu Warschau und Wien und 1813 Gesandtschaftsrat in 9 70 Nach der ersten Restauration erhielt er durch Talleyrands Vermittelung 4. Juni 1814 einen Sitz in der Pairskammer, wo er alsbald Beweise polit. Freisinnigkeit gab, indem er gegen die Verurteilung Neys, die Ausnahmsgesetze und Proskriptionen sprach. Er vermählte sich 1816 mit Albertine, der als religiöse Schriftstellerin bekannten Tochter (geb. 1797, gest. 22. Sept. 1838) der Frau von Staél. Wiewohl er an dem Sturze der ältern Bourbons 1830 keinen Teil nahm, wurde er doch Gesinnungsgenosse Guizots und der Doktrinärs, 30. Juli 1830 von der Provisorischen Regierung zum Minister des Innern, im August vom König Ludwig Philipp zum Minister des Kultus und Unterrichts sowie zum Präsidenten des Staatsrats ernannt, trat aber im November, bei dem Eintritt Duponts de l'Eure ins Ministerium, nebst den übrigen Doktrinärs zurück. Vom Okt. 1832 bis April 1834, dann vom Nov. 1834 bis Febr. 1836 war er Minister des Auswärtigen, und vom März 1835 bis zu seinem Austritt zugleich Konseilpräsident. In dieser Eigenschaft unterhandelte er mit England die Verträge über das gegenseitige Durchsuchungsrecht zur See. Seit 1836 wurde er wiederholt, zuletzt noch 1840, für Bildung eines Ministeriums in Anspruch genommen, lehnte aber stets diese Anträge ab. Später entfernte er sich von Guizot und seinen frühern Einzuneiden. Nach und schien sich mehr zu Thiers hinzuneigen. Nach der Revolution von 1848 blieb er als Anhänger der Orléans einige 1 vom polit. Schauplatze entfernt. Erst im Mai 1849 gelangte er durch Wahl im Depart. Eure in die Nationalversammlung, wo er einer der Führer der Rechten wurde und 1851 die Angelegenheit der Verfassungsrevision eifrig betrieb. Während er un der E die Herstellung der Monarchie zu Gunsten der Orléans beabsichtigte, wurde er durch den Staatsstreich vom 2. Dez. überrascht. Er zog sich ins Privatleben zurück, wurde 1855 zum Mitgliede der Académie frangaise erwählt, veröffentlichte 1863 &Ecrits et discourso (3 Bde., Par.) und starb 25. Jan. 1870. Vgl. Guizot, Le Duc de B. (Par. 1871).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 569Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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