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GeschichteBrockhaus 1882

Bourmont (Louis Auguste Victor de Ghaisne, Graf von), Marschall von Vaue geb. 2. Sept. 1773 auf dem väterlichen Schlosse B. (im Depart. Maine-et-Loire), trat 1789 als Fähnrich in die Garde, wurde 1791 entlassen, bolen seinem Vater nach Turin und trat dann in Koblenz in das Korps des Grafen von Artois ein, mit welchem er den Feldzug von 1792 mitmachte. Im J. 1793 trat er in die Reiterei des Prinzen Condé und begab sich im Okt. 1794 in das Hauptquartier des Insurgentenchefs Vicomte de Scépeaux in der Vendee, wo er zum Generalwachtmeister und Mitglied des Hohen Rats der Insurgenten in Anjou und der Bretagne ernannt wurde. Als 1796 jede Hoffnung schwand, in der Vendée zu Gunsten der vertriebenen Dynastie zu wirken, ging B. nach England. Er kehrte jedoch 1798 bei dem Ausbruche neuer Unruhen nach der Bretagne zurück, siegte bei Louverné, nahm nach zwölfstündigem Kampfe 15. Okt. 1799 Le Mans und Meslay, mußte jedoch, durch Verluste geschwächt, 1800 die Waffen niederlegen und ging nun nach Paris, wo er sich die Gunst des Ersten Konsuls erwarb. Bald jedoch dem Polizeiminister Fouché verdächtig, ließ dieser ihn 1803 verhaften und auf die Citadelle nach Besangon bringen. Von hier entkam er 1804 nach Portugal. Indessen wußte er sich, als Junot 1808 dieses Land besetzte, so zu rechtfertigen, daß er nach Frankreich zurückkehren durfte und nun von Napoleon I. zum Coloneladjutanten bei der Armee von Neapel, bald darauf zum Brigadegeneral ernannt wurde. B. zeichnete sich 1810 bei Bagnara aus, machte den Feldzug 1812 im Stabe von Eugene Beauharnais mit und geriet in Marienwerder, am Nervenfieber krank, in russ. Gefangenschaft, aus welcher er später entkam. In den Feldzügen von 1813 und 1814 zeichnete er sich bei mehrern Gelegenheiten aus, namentlich in der Schlacht bei Dresden und durch die Verteidigung von Nogent, weshalb ihn Napoleon zum Divisionsgeneral erhob. Im März 1814 erklärte er sich für die Bourbons, worauf er cPhielt. Nach der 6. Militärdivision in Besangon erhielt. Nach Napoleons Rückkehr übernahm er jedoch von diesem das Kommando der 2. Division der Moselarmee in Flandern. Doch noch am Vorabend der Schlacht von Ligny, 14. Juni, als er eben dem entscheidenden Kriegsrate beigewohnt und die Absichten und Entwürfe des Kaisers kennen gelernt hatte, verließ er das Heer, kehrte zum König zurück und übernahm nach der Schlacht von Waterloo den Befehl über die 16. Militärdivision. Nach der zweiten Restauration nahm er an der Anklage und Verurteilung des Marschalls Ney leidenschaftlichen Anteil. Im Sept. 1815 ward B. Befehlshaber der 2. Gardedivision. Im span. Feldzuge von 1823 wurde er nach dem Falle von Cadix zum Oberbefehlshaber der franz. Truppen in Andalusien ernannt, auch mit der Pairswürde bekleidet. Da er sich in Spanien durch strenge polizeiliche Maßregeln verhaßt machte, enthob ihn die franz. Regierung 1824 seines Kommandos. In der Pairskammer trat er nun als eifriger Vertreter der Regierung auf, weshalb er 1829 Hun. Kriegsminister ernannt wurde. In dieser Stellung bewies er sich sehr thätig, und als 1830 die Expedition egen Algerien (s. d.) unternommen ward, übernahm er den Oberbefehl über sämtliche Landungstruppen. Seiner Umsicht und Energie war es besonders Fapischreiben, daß die Niederlage des Dei und die Kapitulation der Stadt Algier rasch und mit geringem Verlust 4. Juli erfolgte, wofür er die Marschallswürde erhielt. Nachdem ihn General Clauzel im Oberbefehle abgelöst, ging B. über Spanien nach Holyrood in England zu Karl X. Da er sich weigerte, den gesetzlichen Eid zu leisten, so ward er 1832 aus den Listen des franz. Heers und der Pairs gestrichen. Im J. 1833 ging er nach Portugal, übernahm dort den Oberbefehl über die Truppen Dom Miguels, griff erfolglos Porto und Lissabon an, legte im September das Kommando nieder und ging nach Rom, wo er für die span. Karlisten wirkte. Im J. 1840 amnestiert, kehrte er nach Frankreich zurück, lebte auf seinem Gute B. und starb 27. Okt. 1846.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 409Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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