Bourignon (Antoinette), berühmte religiöse Schwärmerin, geb. 13. Jan. 1616 zu Lille, die Tochter eines Kaufmanns, kam so häßlich zur Welt, daß man sie beinahe als Mißgeburt getötet hätte. Schon in früher Jugend entwickelte sich ihr Geist. Durch das Lesen mystischer Bücher angeregt, hatte sie früh Visionen und glaubte sich berufen, das Christentum zu ursprünglicher Reinheit zurückzuführen. Als sie, 20 Jahre alt, sich verheiraten sollte, floh sie in ein Kloster zu Cambrai, ward jedoch, als sie mehrere Nonnen überredete, mit ihr davonzugehen, ausgewiesen. Nach dem Tode ihres Vaters im Besitze eines beträchtlichen Vermögens, wurde sie 1662 Vorsteherin eines Hospitals zu Lille. Ihrer Schwärmerei halber auch hier ausgewiesen, durchreiste sie nun Flandern und Brabant und kam nach Amsterdam, wo sie ihre Offenbarungen drucken ließ und ihr Haus allen Sekten öffnete. Später lebte sie auf der kleinen —. — Nordstrand, wo sie heimlich eine zahlreiche Sekte um sich sammelte und, gegen das Verbot, mittels einer eigenen Druckerei von neuem ihre Schriften veröffentlichte. Hier, wie überall, wohin sie kam, nach kurzer Zeit ausgewiesen, wendete sie sich nun nach Harlem, Husum, Schleswig und Hamburg, dann nach Ostfriesland, wo sie einem Hospital vorstand. Sie starb auf der Reise nach Holland zu Franeker 30. Okt. 1680. Zu ihren Jüngern gehörten Noels, der Sekretär des berühmten Jansen, Lacoste und Peter Poiret. Ihre Schriften, welche von feuriger Beredsamkeit zeugen, wurden von Poiret (25 Bde., Amsterd. 1676—84; 2. Aufl. 1717) herausgegeben.