FeedDrouet (Jean Baptiste)
GeschichteBrockhaus 1882

Drouet (Jean Baptiste), Postmeister zu St.⸗ Menehould, geb. 8. Jan. 1763, erkannte Ludwig XVI., als derselbe aus Frankreich zu fliehen versuchte, an der Ahnlichkeit mit dessen Bildnisse auf den Assignaten und veranlaßte 21. Juni 1791 zu Varennes dessen Gefangennahme. Er ward dafür vom Marnedepartement in den Konvent gewählt, empfing für seine Dienstleistung 30000 Frs., stimmte dann für den Tod des Königs und entwickelte überhaupt eine wüthende Demagogie. Im Sept. 1793 erhielt er eine Sendung zur Nordarmee. Hier geriet er, als er im Oktober, in Maubeuge von der Armee des Prinzen von Coburg eingeschlossen, mit einigen Dragonern zu entkommen suchte, in Gefangenschaft und wurde nach dem Spielberg in Mähren abgeführt. Um zu entfliehen, sprang er 6. Juli 1794 vom Fenster seines Gefängnisses herab, brach aber ein Bein und wurde zurückgebracht. Mit Camus, Beurnonville u. a. wechselte man n im Nov. 1795 zu Basel gegen die Herzogin von Angoulême aus, worauf er als ehemaliges Konventsmitglied in den Rat der Fünfhundert trat. In die Verschwörung des Babeuf verwickelt, ward er 1796 gefangen gesetzt; doch fand er Gelegenheit zu entfliehen und ging in die Schweiz. Nach seiner Freisprechung vor Gericht kehrte er nach Frankreich zurück, wo er 1799 als Unterpräfekt zu St.⸗Menehould angestellt wurde. Während der Hundert Tage war er Mitglied der Deputiertenkammer; nach der zweiten Restauration wurde er 1816 als sog. Königsmörder aus Frankreich verbannt, lebte jedoch bis zu seinem 11. April 1824 erfolgten Tode unerkannt in Mäcon unter dem Namen Merger.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 574Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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