FeedBourrienne (Louis Antoine Fauvelet de)
GeschichteBrockhaus 1882

Bourrienne (Louis Antoine Fauvelet de), Sekretär Napoleons I., geb. zu Sens 9. Juli 1769, erhielt seine erste Bildung in der Kriegsschule zu Brienne, wo er mit Napoleon einen Freundschaftsbund schloß. Er studierte seit 1788 in Leipzig und ward 1792 Gesandtschaftssekretär in Stuttgart. Beim Ausbruche des Kriegs mit Frankreich ging er auf kurze Zeit nach Paris, dann wieder 1½ Leipzig, mußte aber Sachsen verlassen. Hierauf lebte er in Frankreich und wurde 1797 von Napoleon zu seinem Sekretär ernannt. Er begleitete denselben nach Italien und Agypten und erhielt 1801 den Titel eines Staatsrats. — ½ er sich durch Kenntnisse und Gewandtheit das Vertrauen des Ersten Konsuls in hohem Grade erworben hatte, so gelang es doch seinen Feinden, ihn 1802 aus seiner Stellung zu verdrängen. Auf Fouchés Verwendung ward er 1804 zum Gesandten in Hamburg ernannt. Als solcher erwarb er sich vorzüglich die Gunst der hamburger Bürger durch mildes Handhaben seiner strenen Instruktionen und freundliche Behandlung der ranz. Emigranten. Merkwürdig war es, daß B. schon 1810 die Wiedereinsetzung der Bourbonen in Linesm für möglich hielt und diese Überzeugung eineswegs verschwieg. Napoleon hielt ihn darum eines Einverständnisses mit den Engländern für fähig, und nur dem frühern Verhältnisse hatte er es zu verdanken, daß er nach seiner Rückkehr 1811 nicht zur Verantwortung gezogen wurde. Gekränkt durch das Mißtrauen und die Ungunst, die ihm der Kaiser bewies, Bonrh er noch vor dessen Sturz offen Partei 150 die Bourbonen. Während der provisorischen Regierung ward er Generaldirektor der Posten, doch kurz nach der Rückkehr Ludwigs XVIII. mußte er seine Stelle abtreten. Er blieb unbeachtet, bis die Nachricht von Napoleons Landung in Paris anlangte, worauf er zum Polizeipräfekten ernannt wurde. Bei der lucht des Königs folgte er demselben nach den Niederlanden, und nach der zweiten Restauration erhielt er den Titel eines Staatsministers. Als Abgeordneter des Depart. Nonne 1815 und 1821 trat er als Gegner aller liberalen Staatseinrichtungen auf. Nachdem er durch die Julirevolution seine Stellung sowie beit Vermögen verloren, verfiel er in Geisteskrank eit und starb zu Caen 7. Febr. 1834. Seine «Mémoires sur Napoléon, le Directoire, le Consulat, IPEmpire et la Restaurationy (10 Bde., Par. 1829) gaben zwar viele neue Aufschlüsse, gelten aber für unzuverlässig. Vgl. Boulay de la Meurthe, 4B. et ses erreurs volontaires et involontairésv(2 Bde., Par. 1830; deutsch, Bde, Lpz. 1830). Mit Unrecht hat man ihm die Histoire de Bonaparte par un homme qui ne 'a pas quitté depuis 15 ansv zugeschrieben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 410Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 6

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6