FeedBrasilische Litteratur
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Brasilische Litteratur, ursprünglich ein über den Atlantischen Ocean verpflanztes Reis der porerhielt alln as sich längere Zeit nur kümmerlich erhielt, allmählich aber sich eigentümlich entwickelte und in neuester Zeit zu einer gewissen Selbständigkeit gelangte. Die ersten Keime einer litterarischen Kultur — bald nach der Kolonisierung des Landes durch die Jesuiten nach Brasilien, und schon um die Mitte des 16. Jahrh. tritt Bento Teixeira Pinto als Dichter auf, dessen Prosopopéav indessen sehr selten geworden ist. Die eigentliche Reihe der brasil. Dichter beginnt mit den Brüdern Eusebio und Gregorio de Mattos, die in der zweiten Hälfte des 17. M lebten und noch Nachahmer portug. und span. Muster waren, wenn auch Gregorio schon in einzelnen seiner Poesien vaterländische Stoffe behandelte. Anflug von lokalem Kolorit haben hier und da auch die Dichtungen ihrer Nachfolger, unter denen Manoel Botelho de Oliveira (1686 — 1711) hervorragt. Nächst der Satire wird schon das Drama mit Vorliebe gepflegt. Als Bahia Sitz des Vizekönigs wurde (seit 1720), bildeten sich nach der Sitte der Zeit llichen auch gelehrte Vereine und schönwissenschaftliche Akademien (die erste, die Academia Brazilica dos Esquecidos 1724—25, die Academia dos Felizes 1733, die Academia dos Pelectos 1752, die Academia dos Renascidos 1759—60), doch erhielt die Litteratur ebendadurch eine höfische und akademische Richtung und den panegyrischen Stil. n jene Zeit gehören der Dichter Manoel de Santakaria (geb. 1704) und der Geschichtschreiber Sebastião da ulch Pitta (1660—1738), deren Werke bereits deutlich die lokale Färbung tragen. Nach Verlegung der Residenz des Vizekönigs nach Rio de Janeiro (1763) gestaltete sich hier alsbald ein neuer Mittelpunkt für Bildung und Kultur. Unter den höfisch-gelehrten und schöngeistigen Akademien, die entstanden, 17* die sog. Arcadia ultramarina (von Manoel Ignacio da Silva Alvarenga und Mis Basilio da Gama nach dem Muster der röm. rcadia gegründet) einen tonangebenden Einfluß auf die litterarische Entwickelung. Inzwischen regte sich in dem rasch aufblühenden Minas-Geraes ein nachhaltiges Streben nach größerer polit. Selbdeßen ra und Unabhängigkeit vom Mutterlande, essen Träger zugleich auch Mitglieder einer eigenen Dichterschule, der von Minas (Poetas mineiros) waren. Von derselben ging der Impuls aus, si ie neue Richtung trat anfangs nur schüchtern auf, sprach sich allmählich aber immer deutlicher aus. an schloß sich an die gerade in der portug. Poesie herrschenden Formen an, suchte jedoch den Dichtungen eine lokale Färbung und Ausdrucksweise zu verleihen und Siit die 0le derselben aus

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 465Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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