Brasiliens Natur, Sitten und Geschichte. Namentlich begann man, die Ureinwohner zu berücksichtigen. Dadurch charakterisieren sich schon die beiden e namhaften epischen Dichtungen, die von Brasilianern verfaßt wurden, das Epos Uruguays von Jose Basilio da Gama (1740—95) und der Caramurüo von Frei José de Santa-Rita Duräo (1736 —84). In beiden Dichtungen herrscht zwar die Abhängigkeit vom Mutterlande und dessen civilisatorischer Einfluß noch insoweit vor, als sie die Siege der portug. Waffen und die Erfolge der Kolonisation feiern, aber der Nachdruck, womit sie die Eigentümlichkeiten ihrer vaterländischen Natur und Lebensweise hervorheben, das Interesse und die Sympathie, die sie schon den Eingeborenen vorzugsweise uwenden, zeigen deutlich, daß das Bewußtsein rasil. Nationalität im Unterschiede von der portugiesischen bereits zu erwachen beginnt. Dieses spricht sich, wenn auch nicht in dementb Maße wie beim Epos, doch immer schon bemerkbar auch in den lyrischen Dichtungen der Schule von Minas-Geraes aus, wie in den Poesien des Claudio Manoel da Costa (1729—90), des Mulatten Manoel Ignacio da Silva Alvarenga (1740—1814), Ignacio José de Alvarenga Peixoto (1748—93) und des alle an Begabung übertreffenden Thomaz Antonio Gonzaga (1744 — 1809), dessen aLyrasv und Marilia de Dirceus volkstümliche Modinhas (Lieder) enthalten. Von gleichzeitigen Dichtern aus den übrigen Provinzen Brasiliens verdienen, wenn sie auch einen weniger eigentümlichen Charakter bekunden, der Mulatte Domingos Caldas Barboza (1740— 1800), dessen Viola de Lerenop keineswegs unbedeutend ist, Francisco de Mello Franco (17571823), Bento de Figueiredo Aranha (1769—1811) und Joaquim José da Silva Erwähnung. Mit der Übersiedelung des portug. Hofs nach Rio de Janeiro 1808 beginnt eine neue Cpoche, wie der polit. so auch der litterarischen Entwickelung Brasiliens, und mit der völligen Emanzipation des amerik. Kolonialreichs (1822) vom Mutterlande wird auch in der Litteratur der Grund zur Emanzipation von der Herrschaft der porhigiedschen 00 Zunächst entwickelte sich in Brasilien eine christl. Richtung der Poesie, welche, vom christl.kath. Glauben des Volks begeistert, diesem, mit Ausschluß der bis dahin in der Poesie herrschenden klassischen Mythologie, ihre Stoffe und Bilder entnahm. Die Koryphäen dieser Richtung waren Antonio Pereira de Sousa Caldas (1762—1814) und Frei Francisco de Säo-Carlos (1763—1829), die 4 auch als Kanzelredner glänzten. Unter ihren Nachfolgern ist eben diesem religiösen begann sich fast gleichzeitig auch das nationale Element in der jungen Litteratur geltend zu machen in patriotischen und lech auch polit. Gedichten. Viele Dichter waren zugleich au Staatsmänner, und alle polit. Parteiansichten suchten auch in der Fos Ausdruck. So der als Minister berühmte José Bonifacio de Andrada e Silva d.), der sich besonders durch seine patriotisch-polit. oesien ausgezeichnet hat, in seinen etwas sentimentalen Liebesliedern aber in den Fußstapfen des Filinto Elysio geht, und Rilele eitgenosse, der Marineminister Francisco Vilella Barboza, Marquis von Paranaguâ (1769—1846), dessen Cantata à Primaveras und einfach schöne Elegie auf den Tod seines Freundes Dom Pedro J. zu den Perlen der brasil. Litteratur gehören. Der Justizminister Manoel Alves Branco (1797—1855), weniger bedeutend als Dichter 6 bekannt als Verfasser einer enthusiastischen Ode à liberdade). Baninaoszorleistete der Diplomat und Senator Domingos Borges de Barros beund Schnde der in seinen Dichtungen von Liebe und Schönheit sang. Sonst sind unter den Dichtern dieser Zeit noch der Kanonikus semer epi da Cunha Barboza (1780— 1846) wegen einer episch-beschreibenden Schilderung der reizenden Insel Nictheroy, Gualberto Ferreira wegen seiner Georgicas Brasileiraso und der Diplomat Alvaro Teixeira de Macedo (1807 — 49) besonders wegen des komisch-satirischen Epos & festa de Baldo hervorzuheben. Während Francisco do Monte Alverne (1784— 1858) alle seine Vorgänger in der Kanzelberedsamkeit übertraf, bekundeten sich Marianno José Pareira da Fonseca, Marquis von Marica (1773—1848) in seinen epigrammatischen Maximen und der auch als Sprach elehrter verdiente Antonio de Moräes e Silva (1756—1820) durch seine geschmackvollen Tbenigerbel⸗ als vorzügliche bedentende Andere, weniger bekannte und weniger bedeutende Dichter und Schriftsteller stellen sich diesen zur Seite. Mit der festern Gestaltung Brasiliens als unabhängiges Kaiserreich unter Dom Pedro II. nahm die brasil. Litteratur einen immer selbständigern Aufschwung. Während jene Dichter aus den Zeiten Dom Pedros I. sich in Bezug auf die Formen der Poesie noch nicht von den Portugiesen zu entfernen wagten, zeigt sich bei einigen der jüngern Dichter, wie bei Francisco Bernardino Ribeiro und Antonio Augusto de Queiroga, schon das bewußte Streben, sich auch von dieser Fessel loszumachen. Vollständig gelang dieses jedoch erst dem Domingos José Gongalves de Magelhäes, der mit seinen KSuspiros poeticos e Saudadeso (1836) die neue Brasilianische Dichterschule begründete, die, herangebildet unter den Einflüssen einesteils des erwachten Nativismus, andernteils des Romantizismus (den Magelhäes in Frankreich kennen gelernt hatte), als eine wahrhaft nationale betrachtet werden kann. Seine «Mysterioso enthalten manches ergreifend Schöne. In demselben Geiste trat Magelhäes nicht minder bahnbrechend auch als dramatischer und epischer Dichter auf. Er war der erste brasil. Dichter, der durch Originalwerke, wie die Tragödien Antonio Josev und (Olgiatoy eine Bühnenwirkung erzielte, während er als Epiker, besonders in dem Epos „Die Verbündeten von Tamoyosv, zuerst den Nativismus in seiner Totalität zum vollen Ausdruck brachte und, nun durch keine Rücksicht auf die Portugiesen ge-Rachsoi die freien Eingeborenen feierte. Unter den achfolgern von Magelhäes sind hervorzuheben zunächst Manoel de Araujo Porto-Alegre (s. d.), der im beschreibenden Gedichte (EAs Brasilianaso und Colomboo) das Vorzüglichste leistete, dann Antonio Gongalves Dias (s. d.), nächst Magelhäes der bedeutendste unter den neuern brasil. Lyrikern, der aber auch als Epiker Beachtung verdient, und Joaquim Manoel de Macedo (s. d.), der mit Erfolg als Tragödiendichter auftrat, als Romanschriftsteller aber bahnbrechend geworden ist. Manoel Odorico Mendes (geb. zu Anfang des 19. Vie gilt, was die Klassizität der Sprache und die Eleganz des Versbaues betrifft, für den größten Meister unter allen brasil. Dichtern. Andere geschätzte Dichter der neuesten bren sind, außer den jung verstorbenen, reichbegabten Manoel Antonio Alvares de Azevedo (1831—52) und Luis José Junqueira Freire (1832 —55), noch der vielseitige Joaquim Norberto de Souza e Silva (geb. 1820), der nicht minder fruchtbare und vielseitige Antonio Gongalves Teixeira e Souza (geb. 1812), dessen Canticos lyricosv nicht weniger beliebt sind als seine Romane 0 Filho do Pescadoro und A Providencias, ferner der durch seine Fabeln bekannte Joaquim José Teixeira und der Lustspieldichter Luis Carlos Martius Penna. In der Beredsamkeit entwickelte sich in dieser Periode des Konstitutionalismus neben der argroben natürlich auch die politische, und bei ihrer großen Begabung dafür konnten die Brasilier bald so ausgezeichneter Parlamentsredner sich rühmen wie der Brüder Antonio Carlos und Martin Francisco Andrada, des Lino Coutinho, des Vicomte von Jequitinsonder u. a. Als el Perennn da haben sich beonders Jodo Manoel Pereira da Silva (Vardes illustres dos Tempos coloniaeso) und Adolpho de Varnhagen ((Historia geral do Brasilo) und João Francisco Lisboa einen geachteten Namen erworen. Vgl. Wolf, Le Brésil littéraires (Berl. 1864).