FeedBrater (Karl Ludw. Theod.)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Brater (Karl Ludw. Theod.), hervorragender liberaler Publizist und ein Führer der Opposition in der bayr. Kammer, geb. 27. Juni 1819 in Ansbach, studierte zu Erlangen, Heidelberg und Würzburg die Rechte, arbeitete hierauf bei bayr. Gerichten und Advokaten, wurde seit 1847 als Hilfsarbeiter im üundigen Burnerr beschäftigt und 1848 zum rechtskundigen Bürgermeister der Stadt Nördlingen gewählt. Nachdem er Ende 1850 sein Amt niederelegt, begründete er in Nördlingen die „Blätter ür administrative Praxis in Bayerno, eine Zeitchrift zur 918 unt der Ter Bearbeitung des Verwaltungsrechts mit der Tendenz, dem bureaukratischen Geiste der Verwaltung eine höhere und freiere Anschauung gegenüberzustellen. Im J. 1856 verlegte er seinen Wohnsitz nach München und übernahm mit Bluntschli die Redaktion des von letzterm begonnenen Deutschen Staatswörterbuchs v, in dessen ersten Bänden sich viele von ihm geschriebene Artikel befinden. Als Organ der Opposition gegen das reaktionäre System des Ministeriums von der Pfordten-Reigersberg rief B. außerdem 1858 die Zeitschrift für unt den Tit und Verwaltungsreformo (später mit dem Titel „Bayr. Wochenschrifto) ins Leben und veröffentlichte die „ (Regierung und Volksvertretung in Bayerno (Münch. 1858). Vom Bezirk Nürnberg als gemeinsamer Kandidat der liberalen und demokratischen Partei in die Kammer gewählt, nahm er seinen Platz unter den Führern der Opposition ein, schloß sich 1859 der deutschen Reformbewegung an und half den Nationalverein mitstiften. Gleichzeitig gründete er in München die «Süddeutsche Zeitunge als Organ des Gedankens der nationalen Einheit. Trotz aller An-Buhl. en der Majorität gelang es B., mit Barth, uhl, Crämer und Völk in der Kammer eine komakte Partei zu bilden, welche gegenüber den innern ½½½½ die entschieden liberale Richtung, in der Bundesreformfrage das Programm des Nationalvereins vertrat. Nachdem im Frühjahr 1863 die Auflösung der Abgeordnetenkammer erfolgt war, entwarf er das Wahlprogramm der bayr. Fortschrittspartei und ging auch zu Nürnberg siegreich aus dem Wahlkampfe hervor. Als gegen Ende 1863 die schlesw.⸗holst. 15. unter d. in den Vordergrund trat, befand sich B. unter den Landtagsmitgliedern, welche die deutsche Abgeordnetenversammlung vom 21. Dez. 1863 nach Frankfurt beriefen, die ihn zum geschäftsleitenden Mitgliede des von ihr engesazten Ausschusses erwählte. Auch nach dem J. 1866 7 er in der Presse wie in der Volksvertretung seine national-deutschen Bestrebungen aufs energischste fort. Er starb 20. Okt. 1869 in München. Von Bis rechtswissenschaftlichen Arbeiten sind hervorzuheben: die Ausgabe der bayr. Verfassungsurkunde (2. Aufl., Nördl. 1855), die Studien zur Lehre von der Grenze der richterlichen und administrativen Zuständigkeito (Nördl. 1855) und seine Kommentare zu dem bayr. Preßgesetz, Forstgesetz, Distrikts⸗ und Landratsgesetz u. s. w.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 469Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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