Broussais (Francois Jos. Victor), der Begründer des nach ihm genannten mediz. Systems, geb. 17. Dez. 1772 zu St.⸗Malo, trat frühzeitig, nachdem er das Collége zu Dinon besucht, als Schiffswundarzt in die franz. Marine und vollendete dann seine mediz. Studien in Paris, wo er auch bis 1805 praktizierte. Hierauf lind er als Militärarzt mit nach Holland, Deutschland, Italien und Spanien, wurde 1814 zweiter Arzt am Militärhospital Valde-Gräce und 1820 erster Professor an demselben, 1830 Professor der allgemeinen Pathologie und Therapie an der mediz. Fakultät, und wurde 1832 Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Er starb 17. Nov. 1838 auf seinem Landsitze zu Vitry. Seine Histoire des phlegmasies ou inflammations chroniqueso (2 Bde., Par. 1808; 3. Aufl., 3 Bde., 1826) und das Examen de la doctrine médicale généralement adoptéen (Par. 1816; 4. Aufl., 4 Bde., 1829—34) sind die Hauptschriften, worin er sein System, den Broussaismus, niedergelegt hat. Das Leben erhält sich hiernach nur durch Erregung. Diese kann bald zu stark (Surexcitation), bald zu schwach (Adynamie) sein, doch ist jene bei weitem häufiger als diese. Diese Zustände offenbaren sich ursprünglich immer nur in einem bestimmten Organe des Körpers, von welchem aus die übrigen Organe und Systeme durch Sympathien mit affiziert werden können. Allgemeine Krankheiten ohne primäre Organenleiden (die sog. essentiellen Fieber, Dyskrasien u. s. w.) sind Undinge. Am häufigsten unter allen Organen sind der Magen und Darmkanal der Reizung ausgesetzt, und daher die Magendarmentzündung (Gastro-Enteritis) die Basis der Pathologie. Dieser Lehre von der Magendarmentzündung konsequent, bekämpfte B. die Fieber und andere Krankheiten hauptsächlich durch örtliche Blutentziehungen, namentlich durch zahlreiche Blutegel auf den Unterleib. Beides, sowohl die Theorie wie die Praxis B., fand besonders in Frankreich viel Anhänger, die sich selbst vorzugsweise edie physiol. Schuler nannten, während sie in Deutschland nur wenig beachtet wurde. Mit der allgemeinern Verbreitung exakter physiol. Kenntnisse wurden die Einseitigkeiten und Übertreibungen des Broussaismus bald in das rechte Licht gestellt. B.' Lehre hat indes auf den Gang der Ausbildung der Medizin insofern einen guten Einfluß geübt, als sie ein sorgfältiges Studium der pathol. Anatomie und eine sorgfältigere Beobachtung der sog. spezifischen Krankheitsprozesse, deren Vorhandensein B. und seine Schüler leugneten, hervorrief. Broussonetia, eine von Ventenat zur Erinnerung an den franz. Botaniker und Reisenden Broussonet benannte Pflanzengattung aus der Familie der Urticaceen. Es sind nur drei Arten bekannt, dieselben gehören der Flora Japans, Chinas und des Malaiischen Archipels an. Dieselben sind hohe Bäume mit großen handförmig gelappten Blättern und diöcischen Blüten. Die männlichen Blüten besitzen ein vierteiliges Perigon mit vier Staubgefäßen, die weiblichen ein drei-bis fünfzähniges Perigon und einen Fruchtknoten mit fadenförmigem Griffel. Erstere bilden walzenförmige Ähren, letztere stehen auf einer kugeligen Spindel, welche mit borstenförmigen Blättchen bedeckt ist. Die fleischiggallertartigen Beeren, welche aus den Fruchtknoten entstehen, verwachsen unter sich und mit der Blütenstandsspindel zu einer kugeligen Scheinfrucht. Die wichtigste Art ist der Papiermaulbeerbaum, B. papyrifera Vent., ein in Japan heimischer, aber auf fast allen Inseln des Stillen Meers angebauter, mächtiger Baum mit oberseits rauhen, unterseits filzigen Blättern. Man benutzt diesen auch bei uns ur Zierde kultivierten, doch in unserm Klima nur svanhartig werdenden Baum, um aus seinem feinen Bast und seiner Rinde Gewebe und Papier zu verfertigen. Letzteres ist von gelbbräunlicher Farbe und ziemlich dauerhaft.