FeedBruch
HeilkundeBrockhaus 1882

Bruch nennt man in der Medizin erstens das widernatürliche Hervortreten eines Eingeweides aus irgendeiner der geschlossenen Sfraun des tierischen Körpers durch eine anomale Offnung, doch in der Art, daß das Eingeweide von den allgemeinen Bedeckungen umschlossen bleibt; zweitens aber heißt B. auch die Verletzung des Zusammenhangs der Knochen. (S. Knochenbruch.) Der Eingeweidebruch (Hernia) stellt eine weiche, mehr oder weniger elastische, gewöhnlich schmerzlose Geschwulst dar, welche von der unveränderten Haut bedeckt ist. Er besteht (von außen nach innen untersucht) erstens aus den äußern Bedeckungen, sodann gewöhnlich hacfe doch nicht immer) aus der vorgetriebenen und ackförmig (3 Draans w serösen Membran, welche die Höhle des Organs auskleidet, z. B. des Bauchfells bei Unterleibsbrüchen Gruchsach, und endlich aus dem vorgelagerten Organe, welches durch eine Offnung seiner Höhlenwandung (Bruchpforte oder Bruchring) hervortrat. Solange der Zurücktritt des Vorgelagerten aus dem B. durch Druck u. s. w. in die normale Höhle möglich ist, nennt man den B. beweglich, ist der Zurücktritt aufgehoben, unbeweglich. Wird die Bruchpforte zu eng für das durc tretende Organ und schnürt dasselbe ein, so entsteht der an mmen B. An jeder der drei großen Höhlen kommen Brüche vor, und man unterscheidet danach Kopf⸗, Brust⸗ und Unterleibsbrüche. Bei en Kopfbrüchen treten das Gehirn, bei den Brustbrüchen die Lungen, bei den Unterleibsbrüchen die Eingeweide des Unterleibes vor. Letztere sind die häufigsten, und unter ihnen die Lei-I[stenbrüche (Herniae inguinales), Schenkelbrüche (H. erurales) und Rab elbrüche (H. umbilicales) die bekanntesten. Bisweilen ist nur ein (Eingeweide ganz oder teilweise im B. enthalten, bisweilen sind es aber auch mehrere; am häufigsten findet man jedoch das Netz und den Darm entweder allein oder beide zusammen darin. Der Darmbruch (H. intestinalis, Enterocele) enthält am häufigsten einen Teil des Dünndarms; mit ihm sind mehr oder weniger bedeutende Störungen in der Darmausleerung (in dem Abgange von Stuhl oder Blähungen) vorhanden. Diese Ausleerung hört ganz auf, sobald das Darmstuck eingeklemmt ist, und es gesellt sich dann gewöhnlich Bauchauftreibung, Erbrechen (zuletzt sogar Kotbrechen), große Angst u. s. w. hinzu. Da in diesem Falle das Darmstück sich entzündet und brandig wird o kann der Tod, wenn nicht schnell zweckmäßige Hilfe kommt, in wenigen Stunden erfolgen, oder es entsteht im gunstigern Falle ein Durchbruch der brandigen Partie und eine Kotfistel. Der Netzbruch (H. omentalis, Epiplocele) hat einen Teil des Netzes zum Inhalt, ist weniger empfindlich als der Darmbruch und weniger von Störungen der Darmexkretion begleitet. Beim Darmnetzbruche finden sich Darm und Netz zugleich im B. und die Zeichen beider vereinigt. ie Eingeweidebrüche sind entweder angeboren oder erworben. Die Erwerbung der Brüche beten hin alles, was die Organe nach den Bruchpforten hindrängt und was den Widerstand der Höhlenwände vermindert. Daher geben besonders Erden, Hün der Bauchmuskeln, schlechtverheilte Wunwieberholtes erabdrängen des Zwerchfells bei erschwertem Stuhlgang, bei behinderter Urinentleerung, Aufheben von Lasten, Reiten, Springen, Schreien, Husten, Blasen u. s. w. zu den Unterleibsbrüchen Veranlassung. Im allgemeinen sind die Brüche immer schlimme Krankheitszustände, welche stets mehr oder weniger die Funktionen des verlagerten Teils sowie die freie Thätigkeit des Emntlemmung hindern und durch die Möglichkeit der inklemmung das Leben des Kranken gefährden. Die 3. Lewenle hat zunächst darauf zu sehen, ob der B. rehne ist oder unbeweglich. len, weich Brüche können bei jugendlichen Individuen, welche das 20. Lebensjahr noch nicht überschritten haben, dadurch radikal geheilt werden, daß man das verlagerte Organ in seine normale Lage zurückbringt (was durch die Reposition oder Taxis geschieht), und dann durch eine geeignete Bandage, ein Bruchband, sehr lange Zeit hindurch am Hervortreten hindert. Das Bruchband (Bracherium) ist ein eigentümlich geformtes Verbandstück, bestehend aus einem Kopf (Pelotte), welcher die Bruchöffnung bedeckt und durch Druck schließt, und dem diesen Druck ausübenden Befestigungsapparat; letzterer ist eine Stahlfeder oder ein ni. Auch unelastische Gurte hat man früher zur Befestigung der Pelotte benutzt; doch sind diese als unzweckmäßig außer Gebrauch gekommen. Meist muß das Bruchband einige Radil Tag und Nacht getragen werden, wenn es eine adikalheilung bewirken sien, Auch wenn sich die Bruchpforte schon geschlossen, muß das Bruchband noch ein Jahr hindurch bos des werden und darf erst allmählich, anfangs bloß des Nachts, abgelegt werden. Nur bei kleinen Kindern geht die Heilung oft schneller von statten. Außerdem kann man die Radikalheilung adft eine Operation Stande bringen. Diese Radikaloperation, welche al den Verschluß der Bruchpforte und des Bruchhalses ausgeht, wurde, wenn auch in roher Weise, schon im Mittelalter häufig geübt, kam jedoch wegen ihrer ungünstigen Erfolge ganz in Miskredit, bis im Beginn des 19. e meht verbesserte Operationsverfahren ihr wieder mehr Anhänger verschafften. Da jedoch noch immer die von der Radikaloperation zu erwartenden Vorteile in keinem Verhältnis zu Chin Gefahren standen, so machten die meisten irurgen von ihr keinen Gebrauch, bis durch Einfahren d der antiseptischen Methode (Lister) die Geahren derselben auf ein sehr geringes Maß reduziert wurden. Demgemäß ist die Radikaloperation in den letzten Jahren wieder mehr und mehr in Aufnahme gekommen und wird namentlich ausgeführt im Anschluß an die Operation des eingeklemmten B., bei Brüchen, die sich durch ein Bruchband auf zurückhalten lassen, und auch in andern Fällen auf dringenden Aalheil des Patienten. Von den vielfach als Radikalheilmittel der Brüche angepriesenen Arzneien, Bruchpflastern u. s. w., 5 gar nichts zu erwarten. Bei erben soten Brüchen, welche nicht radikal ge⸗ *7 werden sollen, muß wenigstens eine Palliativehandlung eintreten, welche die durch den B. bedingten Beschwerden beseitigt. Diese 1—. in der Anlegung eines zarnchrehenehr welches das vorher in seine Höhle zurückgebra te Eingeweide zurückhält. Der Bruchkranke muß stets darauf sch be⸗ * das Bruchband in seiner richtigen Lage sich be findet und kein Teil des Brucheingeweides unter ihm ausgetreten ist. Da bei ruhiger Lage die Brüche nicht hervorzutreten pflegen, kann er nachts das Bruchband ablegen. Nur, wenn er an Husten leidet, wird er auch nachts das Bruchband anbehalten müssen. Wünschenswert ist es außerdem, daß der Bruchkranke jede starke Bewegung und Anstrengung meidet und eine leichte, nicht blähende Diät führt. Unbewegliche Brüche behandelt man, je nach der Ursache der Unbeweglichkeit, verschieden. Ist der B. unbeweglich, weil er eingeklemmt 1 und ist er des610 schmerzhaft und veranlaßt Verstopfung und brechen, so muß er so frühzeitig wie möglich mit mäßiger Gewalt und am besten in der Chloroform-Imgt d von einem Arzt zurückgebracht werden. Gelingt dies nicht, so muß, um die Gefahr dieses Zuandes zu beseitigen, zur Bruchoperation oder em Bruchschnitt achnedung d geschritten werden, bei der nach Durchschneidung der Bedeckungen die Einschnürung mit dem Messer gelöst und dann das Eingeweide reponirt wird. Dies ist weder eine gebpnht noch leichte Operation; sie erfordert viel msicht und Geschicklichkeit. Die Gefahr der Bruchoperation ist um so geringer, je feldeger nach dem Entstehen der Einklemmung dieselbe vorgenommen wird. Ist nach der Bruchoperation Heilung eingetreten, so muß, um das Wiedervortreten des B. zu verhüten, ein Bruchband getragen werden. der B. unbeweglich, weil er dehe groß, oder weil eile des Brucheingeweides an dessen Umhüllungen angewachsen sind, so kann man ihn oft noch zurückbringen und durch ein Bruchband zurückhalten, nachdem der Patient längere Zeit bei schmaler Kost und Purgieren in der nt 10 f im Bett zugebracht hat. Gelingt dies nicht, so kann man demselben das Tragen des B. noch durch eine geeignete Ban3 (Tragbeutel, Leibbinde) erleichtern. auf die Fährte, den Anschuß oder den Schweiß f6 d.) eines Stück Wildes gelegt wird; daher eine 8 rte verbrechen. B. nennt man auch einen Eichen- oder andern Baumzweig, den man nach einem glücklichen Schuß auf Hochwild auf den Hut steckt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 596Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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