FeedBrutus (Marcus Junius)
GeschichteBrockhaus 1882

Brutus (Marcus Junius), der bekannteste unter den Mördern Cäsars, stammte aus einem plebejischen Geschlechte, war Mateus 79 v. Chr. geboren und ein Sohn des Marcus Junius B. und der Stiefschwester des Cato Uticensis, Servilia, die in engen Beziehungen zu Cäsar stand. B. wurde adoptiert von dem Bruder seiner Mutter, Q. Servilius Cäpio, und erhielt * — dessen Namen. Zur zweiten Gemahlin nahm er Porcia (s. Porcius), die Tochter von Cato Uticensis. B. war anfangs ein Gegner des Pompejus, der seinen Vater im cisalpinischen Gallien getötet hatte, schloß sich aber später an Pompejus an, als derselbe als Verteidiger der Sache der Optimaten auftrat. Doch trat er * der unglücklichen Schlacht bei Pharsalus 48 v. Chr. auf die Seite Cäsars, der ihn freundlich aufnahm und ihm für das J. 46 die Verwaltung des cisalpinischen Gallien, 5 44 die städtische Prätur übertrug, nach deren Verwaltung er Macedonien als Provinz erhalten sollte. Dennoch ward B. ein Haupt der Verschwörung gegen Cäsar. Nachdem verschiedene anonyme Aufforderungen ihn namentlich auf Grund seiner angeblichen Abtammung von dem B. der Sagengeschichte zum asin von Cäsar zu bewegen gesucht, gewann ihn Cassius (s. d.) in einer Unterredung. Sein Ansehen bewog dann viele vornehme Römer, der Ver3ls legtere gegen Cäsar (s. d.) beizutreten. Aber als letzterer ermordet war, gelang es B. und seinen Mitverschworenen nicht, das Voll mit sich fortzureißen. Antonius, dessen gleichzeitige Ermordung B. verhindert hatte, wußte durch das Vorlesen des Testaments Cäsars das Volk zur Wut und Rache egen die Mörder desselben zu reizen. B. ging on nach Athen und setzte sich in den Besitz der rovinz Macedonien, sowie fast der ganzen dort und in den angrenzenden 8 der. dief befindlichen Truppenmacht. Hortensius, der bisherige Statt803 in Macedonien, trat ihm bei, und so stand „als Herr von ganz Griechenland und Macedonien, in kurzem an der Spitze eines mächtigen Heers, mit dem er Gajus Antonius, den Bruder des Triumvirs, 43 v. Chr. überwältigte und gefangen nahm. Dann ging er nach Asien, wo er sich mit dem siegreichen Cassius vereinigte, mit dem zusammen er vom Senat die Obergewalt über alle Statthalterschaften im Osten verliehen erhalten hatte. In Rom erlangten jedoch die Triumvirn Antonius, Octavian und Lepidus, bald die Oberhand. Sämtliche Verschworene wurden verurteilt und ein Heer gegen B. und Cassius ausgerüstet. Letztere gingen nach Europa zurück, um den Triumvirn die Spitze zu bieten. Sie zogen über den Hellespont und sammelten ihr Heer, 19 Legionen und 20000 Mann Reiterei stark, in den Ebenen von Philippi (s. d.) in Macedonien, wo die Triumvirn Antonius und Octavian mit ihren Legionen im Herbst des J. 42 v. Chr. auf sie stießen. In einer ersten Schlacht, bei welcher Octavian anwesend war, siegte B. über dessen Heer; Cassius aber ward von Antonius geschlagen und tötete sich selbst. Etwa 20 Tage später ward B. durch den Ungestüm seines Heers n einer zweiten Schlacht genötigt, in welcher er völlig unterlag. Er entrann nur mit wenigen Freunden dem Verderben. Da er seine Sache rettungslos verloren sah, stürzte er sich in sein Schwert, unterstützt von Strato, der ihm mit abgewandtem Gesicht dasselbe entgegenhielt. Von B. Reden und Schriften sind nur wenige Bruchstücke noch vorhanden; dagegen ist sein Briefwechsel mit Cicero in zwei Büchern erhalten. Die Echtheit einzelner Briefe oder derer des zweiten Buchs, oder sogar aller ist jedoch mehrfach bezweifelt worden, namentlich von Tunstall (Cambr. 1741 und Lond. 1744), A. W. Zumpt (Berl. 1845) und Meyer (Stuttg. 1881); die Echtheit verteidigten namentlich Middleton (Lond. 1743), C. F. Hermann (Gött. 1844—45) und Cobet (in der Mnemosynev, 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 641Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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