Bukarest (Bucuresti), seit 1665 Hauptstadt der Walachei und seit 1862 der vereinigten Fürstentümer Moldau und Walachei, jetzigen Königreichs Rumänien, Knotenpunkt der Rumänischen Eisenbahn und der Bahn Giurgewo-Bukarest, liegt in wellenförmiger Ebene zu beiden Seiten der hier l5mal überbrückten Dimbowitza, 60 km von der Donau entfernt. Die Stadt hat etwa 8 km im Durchmesser und gewährt namentlich von der Südseite her mit ihren vielen, meist mit hellglänzendem Blech gedeckten Kirchen, Fürmen und Kuppeln und dem schönen Grün * chen den Häusermassen einen eigentümlichen Anblick. Sowohl in Bezug auf das Außere wie auf die Sitten und Gebräuche der Bewohner bildete B. früher eine Übergangsstation zwischen dem Orient und der abendländ. Welt, nimmt aber gegenwärtig mehr und mehr den Charakter einer europ. Stadt an. Im Wuncen des Ortes treten jedoch noch alle Mängel orient. Städte ervor, wie krumme und enge, staubige oder chmutzige Straßen. B. hat 340 rumän., 14 griech., 2 kath. und 2 prot. Kirchen, eine schöne Synagoge, 20 jüd. Bethäuser. Unter den gottesdienstlichen Gebäuden zeichnen sich die Metropolitankirche (1656 gebaut, 1834 restauriert), unter den übrigen Bauwerken das Universitätsgebäude, die Nationalbank, die Depositenkasse, das Ministerium des Innern, das Nationaltheater, das Hötel Boulevard, die Münze, sowie eine Anzahl Wohnhäuser der Vornehmen vorteilhaft aus. Sonst sind unter den griech. Kirchen 9225 die Stavropoloskirche (1724 gebaut), die Kirche Antim und die St. Georgskirche merkwürdig. Vor dem Universitätsgebäude befindet sich die 1871 errichtete Reiterstatue des Wojwoden Michael III. Im Hofe des alten Hoset 18 Coltza (mit großem, viereckigem Turm) steht eit 1870 das Marmordenkmal des Fürsten Stephan Kantakuzenos (1716 in Konstantinopel hin-Reioind B. zählt etwa 221000 E. Es ist die esidenz des rumän. Königs und der Sitz des Metropoliten, der Ministerien, des obersten Justiz- und Kassationshofs und anderer Staatsbehörden. An Instituten für Unterricht und Bildung bestehen: eine Universität, zwei Lyceen, vier Untergymnasien, ein theol. und ein Schullehrerseminar, eine Handelsschule, drei höhere Töchterschulen, eine mediz.⸗chirurgische und eine Tierarzneischule, eine Malerschule, ein Konservatorium und 30 Elementarschulen, abgerechnet viele Privaterziehungsanstalten. Ferner hat B. eine Akademie der Wissenschaften, eine Landesbibliothek, ein Naturalien⸗ und ein Antiquitätenkabinett. Ein großes Waisenhaus wurde 1862 von der ben ve Paens angelegt und die acht Spitäler haben neuerdings eine bessere Einrichtung erhalten. Auf der Chaussee vor der Barriere findet täglich Corso statt. Ein anderer Spaziergang ist der vom Fürsten Stirbei angelegte Cismegiugarten. Die Industrie bisjetzt nur gering; fabrikmäßig werden Ziegeln, Eisenwaren, Seife, Kerzen gefertigt. Die Handwerker und Gewerbtreibenden sind meist Deutsche. Der Handel, der sich vorzugsweise in den Händen der Griechen, Juden und Armenier befindet, hat eine bedeutende Entwickelung. Zur Ausfuhr gelangen besonders Wein, Häute, Petroleum, Salz, Kohlen und andere Landesprodukte. In der Nähe der Stadt liegt das Kloster Cotroceni, die Sommerresidenz des Königs. In neuester Zeit ist B. fast durchaus europäisch geworden. Hof⸗ und Gesellschaftsleben, Hotels, Theater (neben den rumänischen eine ital. Oper und franz. Operette im Winter), Konzerte, Kaffeehäuser, Café chantants, Militärparaden, Aeulich der terung, Pferdebahn u. s. w. gleichen so ziemlich den ähnlichen Erscheinungen einer lebsafte end großen westeurop. Stadt. Der lebhafte traßenverkehr, namentlich die vielen Fiaker, erinnern an Paris, das auch sonst in Haus⸗ und Lebenseinrichtungen zum Vorbild gedient. Seit 1880 ist die Regulierung des Dimbowitzaflusses im Gange, breite Quais und durchzubrechende Boulevards sind projektiert. Der Friede zu B. zwischen Rußland und der Pforte wurde 28. Mai 1812 geschlossen. Durch denselben endete der wegen der Besetzung der Moldau durch die Russen im Nov. 1806 von der Pforte an Rußland 7. Jan. 1807 erklärte, sehr bald durch einen Waffenstillstand und dann durch einen Friedenskongreß hingehaltene, von 1809 an aber erneuerte Krieg, der die Russen 1811 aus zwei blutigen Feldzügen als Sieger hervorgehen ließ. Die Pforte trat zufolge dieses Modan mut den Bessarabien und ein Drittel der Moldau mit den Festungen Choczim, Akjermän, Bender, Ismail und Kilia, zusammen etwa 48000 qkm, an Rußland ab, sodaß der Pruth bis zu seiner Ausmündung in die Donau und von da das linke Donauufer bis Kilia und bis zur Ausmündung der Donau in das Schwarze Meer die Grenze wurde.