Bull (Ole Bornemann), Violinvirtuos, geb. 5. Febr. 1810 zu Bergen in Norwegen, zeigte schon früh ein ungewöhnliches Talent für das Violinspiel, mußte aber nach dem Willen seines Vaters Theologie studieren. Seit 1828 Student zu Christiania, erregte er in Konzerten durch seine Virtuosität einen uach h Enthusiasmus, daß er in dem Verlangen nach höherer musikalischer Ausbildung 1829 nach Kassel zu Spohr ging, der indes den excentrischen jungen Mann kalt behandelte und ohne Aufmunterung ließ, sodaß B. noch in demselben Jahre nach Göttingen zog, um, mit gänzlicher Aufgebung der Musik Jurisprudenz zu studieren. Die Liebe zur Musik trieb ihn auch hier bald fort, und nach einem kurzen Aufenthalt in seinem Vaterlande trat er 1831 in Paris auf, wohin er Paganini gefolgt war. In dieser Zeit schon bildete B. seine ihm eigentümliche Spielweise aus, die in ihren Grundzügen sich auf die Schule Paganinis zurückführen laßt. Wiewohl er sein Vorbild in Erfindung und überwindung der abenteuerlichsten Schwierigkeiten zu übertreffen suchte, blieb es ihm doch unmöglich, dem Fluge Paganinis zu folgen. Vielmehr verlor er sich in berechnete Bizarrerien, die wohl Staunen hervorriefen, aber das Gemüt kalt ließen. Indessen wurde B. auch in Italien, wohin er sich von Paris aus begab, überall mit dem größten Enthusiasmus aufenommen. Er bereiste dann 1835 Frankreich, Ha 1836 in London, durchwanderte England, chottland und Irland und kehrte wieder nach Paris zurück. Der fast beständig auf Reisen befindliche Virtuose besuchte 1844 zum ersten mal Amerika. Im J. 1848 wandte er 63 nach seiner Vaterstadt Berden zurück, wo er eine Zeit lang ein von ihm gegrünetes Theater leitete. Dann konzertierte er abermals in der Alten und Neuen Welt, doch mit abnehmendem Beifall, und starb 17. Aug. 1880 auf sein Villa bei Bergen. Als Komponist hat er für ein Instrument effektvolle Stücke geschrieben, namentlich über skandinav. Motive.