FeedBülow (Hans Guido von)
MusikBrockhaus 1882

Bülow (Hans Guido von), vorzüglicher Klavierspieler, der Sohn des vorigen, geb. zu Dresden 8. Jan. 1830, erhielt durch Fr. Wieck Unterricht im Klavierspiel und theoretische Unterweisung in der Musik von Max Karl Eberwein (von 1844 ab). In Stuttgart, wo er seit 1846 das Gymnasium besuchte, ließ er sich zuerst öffentlich als Klavierspieler ören. B. kam 1848 nach Leipzig, um daselbst die echte zu studieren, nahm aber bei Hauptmann nebenbei kontrapunktischen Unterricht. In den J. 1849 und 1850 setzte er in Berlin seine jurist. Studien fort. Inzwischen aber war in ihm der Entschluß gereift, sich der Musik als Lebensberuf zu widmen. Er begab 4* diesem Zwecke zu Rich. Wagner, den er von Dresden aus kannte, nach Zürich und nach kurzer Wirksamkeit als Theatermusikdirektor in St. Gallen und Zürich 1851 zu Liszt nach Weimar. Auf dem ballenstädter Musikfest 1852 begründete er seinen Ruf, den er seitdem auf vielfältigen Konzertreisen vermehrt und befestigt hat. Seit 1854 nahm er seinen Wohnsitz in Berlin und wurde 1858 zum königl. preuß. Hofpianisten ernannt. Ende 1864 siedelte er, einem Rufe Rich. Wagners Buel nach München über, wo er seit 1867 als königl. Hofkapellmeister und Direktor der neuorganisierten königl. Musikschule wirkte. Familienverhältnisse veranlaßten ihn 1869, seine münchener Stellungen aufzugeben. Hierauf wandte er sich nach Italien, lebte daselbst (meist in Florenz) mehrere Wehe⸗ nahm dann aber in noch umfänglicherer Weise als früher owi Kunstreisen wieder auf und besuchte England, sowie 1875 die Vereinigten Staaten von Amerika. Nachdem er hierauf 1878—79 Kapellmeister in Hannover gewesen war, ging er 1880als Hofmusikintendant nach Meiningen, in welcher letztern Stellung er mit der dortigen Hofkapelle 1881—82 verschiedene Konzertreisen unternommen hat. B.s Ruf als Klavierspieler gründet sich auf seine ungemeine, allen Schwierigkeiten spottende Bravour und auf sein außergewöhnliches Gedächtnis, welches ihn in den Stand setzt, die umfangreichsten und kompliziertesten Stücke auswendig vorzutragen. Als Komponist hat er sich in einigen Orchester⸗, Klavier- und Vokalsachen bethätigt, welche alle auf dem Boden der Wagner-Lisztschen Kunstmaximen wurzeln. Außerdem hat er in einer Reihe von Heften ausgewählte Klavierstücke klassischer Meister veröffentlicht, die aber von Willkürlichkeiten nicht frei sind, sowie Arrangements, Klavierauszüge und Transskriptionen der Werke von Berlioz, Wagner und Liszt veranstaltet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 719Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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