Bunp., bei naturwissenschaftlichen Bezeichnungen Abkürzung für Bunge (Alexander von). Bungalow, s. Bangalow. Bunge (Alexander von), namhafter Botaniker, russ. Wirkl. Staatsrat und Professor zu Dorpat, geb. 24. Sept. (6. Okt.) 1803 zu Kiew, erhielt seine Gymnasialbildung zu Dorpat und widmete sich seit 1821 auf der dortigen Universität dem Studium der Medizin sowie der Naturwissenschaften. Nachdem er 1825 die mediz. Doktorwürde erlangt, begleitete er seinen Lehrer von Ledebour nach Sibirien und bereiste 1826 den östl. Altai. Schon während der Reise zum Arzt für die Kolywano-Woskresenskischen Bergwerke ernannt, fand er Gelegenheit, erst von Barnaul, nachher von Smeinogorsk aus die interessantesten Punkte des Altai zu besuchen. Hier traf er auch 1829 mit Humboldt zusammen, auf dessen Empfehlung er von der 21530 ac Alademie aufgefordert wurde, sich der 1830 nach Peking abgehenden geistlichen Mission als Naturforscher anzuschließen. Obgleich völlig unvorbereitet, trat er die Reise an, ging über Irkutsk und den Baikalsee nach Kiachta, wo er 30. Aug. die chines. Grenze und zwei Monate später, nach einer eache Mauer Wüstenreise durch die Gobi, die Chinesische Mauer überschritt. Trotz ungünstiger Verhältnisse brachte er von seinem achtmonatlichen Aufenthalt in Peking eine reiche, in der „Enumeratio plantarum quas in China Boreali collegito (Petersb. 1831) und der Plantarum Monolico-Chinensium decas Io (Kasan 1835) beschriebeue botan. Ausbeute nach Irkutsk zurück. Nachdem er im Auftrage der petersburger Akademie im Sommer 1832 eine zweite Reise durch den östl. Altai unternommen, deren botan. Ausbeute im Ver-Wnauze der 1832 im östl. Altaigebirge gesammelten Pflanzen» (Petersb. 1836) niedergelegt ist, kehrte er im Jan. 1833 nach Petersburg zurück, worauf er im Frühjahr 1834 einem Rufe als außerord.“ rofessor der Botanik nach Kasan folgte. Von hier aus bereiste B. 1835 die Wolgasteppe bis in das astrachanische Gouvernement. Er ging 1836 an Ledebours Stelle als ord. Professor der Botanik und Direktor des Botanischen Gartens senß Dorpat. Im Dez. 1857 schloß er uud der wissenschaftlichen Expedition an, welche die Untersuchung Khorasans dum Zweck hatte. Er reiste über Tiflis nach Baku, ann 0 Schiffe über das ½ e Meer nach Asterabad, von wo die weitere Reise über Schahrud, Nischapur nach Meschhed und nach längerm Aufenthalt von da nach Herat ging. Im Spätherbst 1858 unternahm er von hier aus einen längern Ausflug an den Ostrand der großen Salzwüste nach Tebes und trat dann im Febr. 1859 die Rückreise von Herat über Lasch durch die Salzwüste nach Chabbis, Kerman, Jezd, Ispahan, Teheran, Tebris und Tiflis an. Eine kurze, De Sierdl flanzengeogr. Verhältnisse schildernde Skizze dieser Reise findet sich in Petermanns 4Geogr. Mitteilungen v (Heft 6, 1860). Im Aug. 1859 kehrte er nach Dorpat in sein akademisches Lehramt zurück, wo er, am Schluß des J. 1867 pensioniert, sich seitdem mit der Bearbeitung der reichen botan. Ausbeute jener Reise beschäftigt. In den J. 1860 und 1866 besuchte er die wichtigsten Herbarien Deutschlands, Hollands, Englands, graphischer der Schweiz und Italiens behufs monographischer Arbeiten, und nahm 1874 teil an dem botan. Kongreß in Florenz. Von B.s wissenschaftlichen Arbeiten sind außer den genannten noch zu nennen: &Al. Lehmanni reliquiae botanicae, ein Beitrag zur Kenntnis der Flora Rußlandso (Petersb. 1851), Tamaricum species (Dorp. 1852), „Anabasearum revisio (Petersb. 1862), Die Arten der Gattung Cousiniav (Petersb. 1865), 4Generis Astragali species gerontogeae I et II (Petersb. 1868 u. 1869), Die Gattung Acantholimono (Petersb. 1872), Labiatae persicaep (Petersb. 1873), «Speciesgeneris Oxytropiso (Petersb. 1874), sowie kleinere monograph. Versuche über Echinops, Heliotropium, Dionysia u. dgl. m. Bunge Huder Georg von), namhafter Rechtsistoriker, Bruder des vorigen, geb. zu Kiew 13. ärz 1802, studierte in Dorpat die Rechte, ward 1822 Lektor der russ. Sprache an der Universität und habilitierte sich 1823 als Privatdozent der Rechte daselbst. Im J. 1831 ward er zum außerordentlichen und bald darauf zum ord. Professor ernannt. B. kann als Begründer des Lid-l ⸗ lichen Studiums der Provinzialrechte Liv⸗, Est- und Kurlands betrachtet werden. Die bedeutendsten seiner Arbeiten sind: 4Beiträge zur Kunde der liv⸗, 5 und kurländ. Rechtsquelleno» (Riga 1832), „Darstellung der gegenwärtigen Verfassung der Stadt Dorpato (Riga 1827), «über den Sachsenspiegel, als Quelle des mittlern und umgearbeiteten livländ. Ritterrechtso (Riga 1827), Forschunen auf dem Gebiete der liv⸗, est⸗ und kurländ. echtsgeschichtes (Dorp. 1838), (Das röm. Recht in den deutschen Ostseeprovinzen Rußlandso (Dorp. 1833), „Das liv⸗ und estländ. Privatrechto (2 Tle., Dorp. 1838; 2. Aufl., Reval 1847 — 48), (Das kurländ. Privatrechto (Reval 1851), «Einleitung in die liv⸗, est⸗ und kurländ. Rechtsgeschichte v (Reval 1849), sowie die mit Madai veranstaltete „Sammlung der Rechtsquellen Liv⸗, Est⸗ und Kurlandso (Abteil. 1, 2 Bde., Dorp. 1845—46). Mit Madai gab er auch «Theoretisch-praktische Erörterungen aus den in Liv⸗, Est⸗ und Kurland geltenden Rechten » (5 Bde., Dorp. 1839 —53) heraus. B. war Hauptredacteur der Dorpater Jahrbüchery (5 Bde., Lpz. u. Dorp. 1833 —35), begründete 1836 die histor.⸗statist. Zeitschrift a Das Inland », ab von 1842 — 54, später in Gemeinschaft mit Paucker, das «Archiv für die Geschichte Liv-, Est⸗ und Kurlands » in sieben Bänden heraus und begann 1852 die Herausgabe des «Liv⸗, est⸗ und kurländ. Urkundenbuchso,‚ welches er bis zum J. 1423 (Bd. 1—6, Reval u. Riga 1853—73) fortführte. Im J. 1842 wurde B. Bürgermeister und Syndikus der Stadt Reval und 1856 als Oberbeamter in die zweite Abteilung (für Kodifikation) der eigenen Kanzlei des Kaisers nach Petersburg berufen. Die von ihm hier besorgte Redaction der Privatrechte Liv⸗, Est⸗ und Kurlands erhielt 13. Juli 1865 Gesetzeskraft. Als Einleitung dazu dient seine 4Geschichte des liv-⸗, est⸗ und kurländ. Privatrechtso etersb. 1862). Im J. 1865 the, B. seine Entlassung und siedelte zuerst nach Gotha, 1879 nach Wiesbaden über. Er veröffentlichte noch eine 4Geschichte des Gerichtswesens und Gerichtsverfahrens in Liv⸗, Est⸗ und Kurlande (Reval 1874), (Das Herzogtum Estland unter den Königen von Hänemarto (Gotha 1877), 4Die Stadt Riga im 13. und 14. Jahrh.v (Lpz. 1878), Altlivlands diend (2 Hefte 1* 1875), Liv-⸗, est⸗ und kurländ. Urkundenregesten bis zum J. 13005 (Opz. 1881).