FeedBüßende
ReligionBrockhaus 1882

Büßende, Büßer oder Bußbrüder nennt man in der kath. Kirche die Brüderschaften, welche die Liebesdienste als Bußubungen verrichten. Nach der Farbe ihrer Kutte gibt es Graue, 2 Rote, Blaue, Grüne, Violette Bußer u. s. w. Da mehrere ein und dieselbe Kutte tragen, so unterscheidet man sie wieder nach der Farbe des Gürtels oder Mantels, hauptsächlich aber nach den Schildern, kirchlichen Symbolen oder dem Bilde des Schutzheiligen, die jede + Brüderschaften auf der Brust trägt. Gänzlich gleich sind die? üßer einander in dem Schnitte ihrer Kleidung, die aus einer Kutte und dem Bußsack besteht, der, um sie unerkannt zu lassen, Kopf und Schultern verhullt und nur zwei + 12 die Augen hat. Die ältern Vereine dieser Art führen den Namen Erzbrüderschaften und sind durch ihre Privilegien vor den übrigen, die von ihnen abstammen, ausgezeichnet. Geistliche und weltliche 1H1 begünstigen sie in kath. Staaten, da ihre Thätigkeit manche Lücke in den offentlichen Wohlfahrtsanstalten ausfüllt und oft wahrem Bedürfnis abhilft, wie durch Ausstattung armer Mädchen, durch 1. „ für schutzlose Fremd und Notleidende, namentlich aber auch durch Bekehrung von Buhlerinnen. Für letztern Zweck wirkten und wirken zum Teil noch die Madelonnetten in Paris seit 1678, mit drei Adder 1) die Aafhe lenenklasse, die gebesserten, aber lebenslängliche Buße übenden Buhlerinnen umfassend; 2) die Marthaklasse, für die Gebesserten und ins Leben Zurücktretenden; 3) die Lazarusklasse, eine Zucht- und Besserungsanstalt. Hierher gehören auch der Orden Unserer lieben Frauen von der Zuflucht (gestiftet 1624), der Orden von der Liebe, der Orden der Reuigen oder Büßerinnen in Sevilla seit 1550, die Zufluchtshäuser für reuige Unkeusche in Rom, namentlich das reiche Zufluchtshaus St.⸗Jakob de la Longera. Alle diese letztern Verbindungen gehören in mehr oder weniger strenger Form den Augustinern an. Unter den Büßern behaupten den ersten Rang: die vom heil. gaft det von Neri 1548 zu Rom gestiftete Brü erschaft der heiligen Dreieinigkeit zur Aufnahme der Pilger und Genesenen aus den Hospitälern; die 1645 zu Paris gestifteten Brüderschaften der Schuster un Schneider zur religiösen Belehrung unwissender Lehrlinge und Geellen dieser Handwerke; die 1678 ebendaselbst vom inimen (s. d.) Barre gegründeten Brüder und S western der christl. Schulen des Jesuskindes, welche Freischulen für arme Kinder unterhalten und um die vernachlässigte Jugend in Frankreich große Verdienste haben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 776Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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