Cabarrus (Francois, Graf von), span. Staatsmann, geb. 1752 zu Bayonne, wurde von seiner Familie nach Spanien gesandt, um sich daselbst im Conversations-Lexikon. 13. Aufl. III. Großhandel auszubilden. Dort wurde er mit der Leitung einer Seifenfabrik in der Nähe von Madrid beauftragt und durch seine Geschäftsfreunde bei dem Minister Musquez eingeführt. Durch den glücklichen Erfolg der Emission verzinslichen Papiergeldes, die der Minister auf C. Vorschlag 1779 vornahm, kam letzterer schnell in Ansehen. Er entwarf hierauf den Plan zur Errichtung einer Staatsbank, an deren Spitze er 1782 als Direktor trat. Auch wurde auf seinen Rat 1785 die Handelskompagnie der Philippinen gestiftet und der Kanal von Segovia angefangen. Unter Karl III. erfolgte seine Ernennung zam Staatsrat; als aber Karl IV. zur Regierung kam, mußte er das Direktorium der Bank niederlegen, wurde 1790 in strenge Haft genommen und erst 1794 freigelassen. Im folgenden Jahre feierlich von der Anklage der Veruntreuung öffentlicher Gelder losgesprochen und in seine Ehren und Güter wiedereingesetzt, ward C. bald darauf zum Grafen und Hofbankier erhoben, auch zum Generalintendanten der Wege und Kanäle und zum Generaldirektor der königl. Fabriken ernannt. Er wurde 1797 bevollmächtigter Minister des span. Hofs auf den Kongressen von Lille und Rastatt und im Mai 1798 Präsident der Junta, die das Rechnungswesen untersuchen sollte, aber 1799 von dem Friedensfürsten Godoi nach Burgos verbannt. Der schlimme Finanzzustand des Staats bewirkte zwar, daß er bald wieder an den Hof gelangte, aber Godoi wußte ihn durch eine Sendung nach Holland abermals zu entfernen. Ferdinand VII. ernannte ihn zum Generalintendanten des Konsolidationsfonds und bald darauf zum Finanzminister. Mit der königl. Familie kam C. 1808 nach Frankreich. Als Joseph Bonaparte den span. Thron bestiegen, übernahm er das Ministerium sowie das Direktorium der Bank aufs neue. Er starb 27. April 1810 zu Sevilla. In zahlreichen Schriften beleuchtete er die kommerziellen und finanziellen Verhältnisse Spaniens. Seine Tochter Therese vermählte sich mit dem Konventsdeputierten Tallien, später mit dem Fürsten Chimay.