FeedBallesteros (Don Francisco)
GeschichteBrockhaus 1882

Ballesteros (Don Francisco), span. General und Staatsmann, geb. 1770 zu Saragossa, trat früh in Kriegsdienste und focht schon 1793 gegen die Franzosen. Auf eine ungerechte Anklage verlor er 1804 seine Hauptmannsstelle, ward jedoch bald nachher bei einem Zollamte in Asturien angestellt. Von der Junta dieser Provinz ermächtigt, beim Einbruch der Franzosen 1808 ein Regiment zu bilden, vereinigte er sich mit Castados und kämpfte unter der Regentschaft von Cadiz mehrere Jahre ruhmvoll im Süden des Reichs. Nach Ernennung des Herzogs von Wellington zum Oberbefehlshaber weigerte er sich, unter einem Fremden zu dienen, wurde verhaftet und nach Ceuta verbannt. Bald aber erhielt er wieder den Befehl über ein Armeekorps. Nach Ferdinands VII. Rückkehr ward er 1815 Kriegsminister, verlor jedoch schon 23. Okt. durch die Intriguen der Hofkamarilla diese Stellung wieder und lebte mehrere Jahre zu Valladolid außer Thätigkeit. Beim Ausbruch des Aufstandes von 1820 von Ferdinand VII. zurückgerufen, wußte er den König zur Annahme der Konstitution von 1812 zu bestimmen. Ferdinand VII. ernannte ihn zum Vizepräsidenten der provisorischen Regierung. B. ließ alsbald die Staatsgefängnisse und Kerker der E½„ öffnen und gab der Stadtbehörde zu Madrid wieder die 1812 von den Cortes geschaffene Einrichtung. Als im Juli 1822 die Dersaß der Konstitution mit Hilfe der Garden die erfassung umzustürzen suchten, zerstreute er die Aufrührer an der Spitze der Milizen. Im Kriege von 1823 gegen die Franzosen befehligte er die zur Verteidigung von Navarra und Aragonien bestimmte Heeresabteilung, mußte sich aber unter unglücklichen Gefechten in den Süden zurückziehen und an der Grenze Granadas 14. Aug. eine libereinkunft mit dem franz. Heerführer eingehen. Na dem der König durch Verfügung vom 1. Okt. alle Beschlüsse der konstitutionellen menem E für ungültig erklärt hatte, sprach B. in einem Schreiben an den diesen von Angouléme seine 3 hergeseelte gegen diesen Beschluß und die dadurch hergestellte unumschränkte Gewalt aus. Da er von der Amnestie ausgeschlossen war, flüchtete er 1824 nach Paris, wo er 29. Juni 1832 starb. — Luis Lopez B., sein Bruder, geb. 1778 in Galicien, seit 1808 Kriegskommissar, war Generaldirektor der Staatseinkünfte, als ihm 1825 durch Ugartes Einfluß das Finanzministerium in einer Periode der tiefsten finanziellen Zerrüttung übertragen wurde. Vielen Schwierigkeiten zum Trotz verwaltete er dieses Amt bis 1833, wo er, der absolutistischen Partei zuneigend, unter den veränderten Verhältnissen seinen Abschied nahm. Im Besitz eines großen Vermögens, lebte er fortan von öffentlichen Angelegenheiten zurückgezogen bis an seinen Tod 12. Okt. 1853.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 403Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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