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NaturlehreBrockhaus 1882

Cadmium, chem. Zeichen oder Symbol Cd, Atomgewicht — 112, ein seltener vorkommendes und noch wenig benutztes Metall, das einen steten Begleiter des Zinks ausmacht und sich mit diesem Metall in der Zinkblende und dem Galmei findet. Es wurde 1817 von Stromeyer in Hannover und 1818 von Hermann in Schönebeck, dem Strohzinh Arbeiten unbekannt geblieben, entdeckt. In inkischen Erzen erkennt man die Gegenwart des C. aran, daß dieselben, mit Soda gemischt, auf Kohle beim Anblasen mit reduzierender Lötrohrflamme einen braunen Anflug geben. Das C. ist weißer als Zink (fast ebenso weiß als Zinn), stark glänzend, krystallinisch im Bruche und von 8,8 spezifischem Gewicht. Beim Biegen knirscht es wie Zinn, ist härter als dieses, läßt sich aber mit dem Messer schneiden und zu Draht ausziehen; zinkhaltiges C. ist spröde und brüchig; es milzt bei 360* und kann bei 860, wo es zu sieden beginnt, überdestilliert werden. An der Luft bleibt es unverändert, beim Erhitzen aber entzündet es sich und verbrennt zu rotbraunem Oryd. In Salpetersäure ist es leicht löslich, in Schwefelsäure, Salzsäure und Essigsäure löst es sich unter Entwickelung von Lhsmn Man langsam, Erwärmen beschleunigt die Lösung. Man ewinnt es in Oberschlesien und in Belgien als Nebenprodukt bei der Reduktion des Zinks. Da es flüchtiger ist als Zink, so geht es bei der Destillation zuerst über. Die Gesamtproduktion an C. beträgt in Belgien gegen 300 kg, in Schlesien 1000—1500kg, im Werte von 1800 Mark. Mit andern Metallen bildet es leicht schmelzbare Legierungen, so die Woodsche Legierung aus 3 Teilen C., 4 Teilen Zinn, 15 Teilen Wismut und 8 Teilen Blei, die schon bei 70 schmilzt. Technische Verwendungen findet es nicht. Von den Cadmiumverbindungen, die in vieler Hinsicht denen des Zinks ähnlich sind, sind folgende zu erwähnen: 1) Cadmiumoxyd 0do, entsteht als rotbraunes Pulver beim Erhitzen des Metalls an der Luft, wird aber zweckmäßiger durch Glühen des Hydrats oder des kohlensauren Salzes erhalten. In Form von schwarzbraunen, glänzenden Würfeln mit Oktaéderflächen hat man es einzeln in Rissen von sunden gewordenen Zinkdestillationsgefäßen geunden. Unschmelzbar, nicht flüchtig, wird durch Glühen mit Kohle leicht reduziert. Lost sich leicht in Säuren und bildet mit diesen meist schön krystallisierbare, scharf metallisch schmeckende Salze; das Carbonat und das Phosphat sind in Wasser unlöslich. 2) Cadmiumoxydhydrat Cd(OH.), entsteht als weißer, in Wasser unlöslicher Niederschlag beim Vermischen einer Cadmiumlösung mit Alkalihydrat, in Alkali unlöslich. Verwandelt sich beim Erhitzen auf 300 in Cadmiumoxyd. 3) Cadmiumsulfuret, Schwefeleadmünm Cds, kommt als seltenes Mineral, Greenokit, in omeranzenfarbigen, hexagonalen Krystallen zu Bi-Whapton in Schottland und zu Pribram in Böhmen vor. Zur Darstellung leitet man in eine schwachsaure Cadmiumlösung Schwefelwasserstoff, oder versetzt sie mit Schwefelnatrium, wobei es als schön gelber, in Wasser und in verdünnten Säuren, so- wie in Ammoniak und in ut wird Dereloef unlöslicher Niederschlag gefällt wird. Derselbe findet unter dem Namen Cadmium gelb, Jaune brillant, Verwendung als Malerfarbe, auch zum Färben von Seifen. Auf Geweben wird Cadmiumgelb entweder als Applikationsfarbe befestigt, oder indem man ein Gemisch von Cadmiumchlorid und unterschwefligsaurem Natron aufdruckt und dämpft. Das Cadmiumgelb zeichnet sich aus durch großes Feuer, Vor Deckkraft und hat vor ähnlichen Farben den orzug, daß es weder von Alkalien und Säuren, noch durch Schwefelwasserstoff verändert wird. 4) Cadmiumchlorid oder Chlorcadmium, Cd Cl, entsteht beim Lösen von C. in Salzsäure, aus der durch Verdampfen konzentrierten Lösung krystallisiert beim Erkalten das Salz Cd Cl 2 H. O. Beim Erwärmen schmilzt das Salz im Krystallwasser, erstarrt zu einer zartglänzenden, krystallinischen Masse, die bei höherer Temperatur sublimiert. 5) Cadmiumiodid, Jodcadmium Cdl, erhält man am leichtesten durch Verdampfen einer ißt, sind unter K aufzusuchen. Losung von 15 Teilen Cadmiumsulfat mit 20 Teilen 01das 30 aus dem trockenen Rückstand zieht Alkohol das Jodcadmium aus, während schwefelsaures Kali 2zunglaht Die mit Wasser versetzte alkoholische Lösung läßt nach dem Verdampfen das Salz Cdla 4 H, O krystallisieren, welches beim Trocknen sein Krystallwasser leicht abgibt. Es findet Verwendung in der Photographie. 6) TCadmiumbromid, auch Bromcadmium Cd Br., läßt sich durch direkte Vereinigung von C. mit Brom darstellen. Das Metall wird mit Wasser ubergossen und so lange Brom zugefügt, als dies noch gebunden wird. Die wässerige Lösung gibt beim Verdunsten ——* Nadeln von der Zusammensetzung Cd Br. 41I. O, die beim Erwärmen das Wasser abgeben und in höherer Temperatur unzersetzt sublimieren. Verwendung in der Photographie. 7) Cadmiumsulfat schwefelsaures Cadmiumoxyd Cd 80. Metallisches C. mit seinem gleichen Gewicht konzentrierter Schwefelsäure, die vorher mit der fünffachen Menge Wasser verdünnt ist, ubergossen, löst sich langsam, im Verlauf einiger Tage, auf; zweckmäßig unterstützt man die Reaktion durch Erwärmen; ein Zusatz von Salpetersäure beschleunigt die Lösung, ist aber nicht erforderlich. Die klare Flüssigkeit gibt nach dem Verdampfen Krystalle, die zu bedeutender Größe heranwachsen können, wenn man die konzentrierte Iaen Derdun an einem warmen Orte der freiwilligen Verdunstung überläßt. Das krystallisierte Salz enthält 3Moleküle Wasser; es findet als Augenheilmittel Verwendung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 811Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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