FeedCaedmon
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Caedmon (Cedmon, Ceadman) soll, wie Beda erzählt, der älteste Dichter der Angelsachsen in deren Volkssprach e gewesen sein. Beda berichtet IV, 24): C. war Kuhhirte bei Whitby in Nordbun und wenig geistig begabt. Vor allem onnte er nicht, wie seine Genossen, wenn ein Rundgesang angestimmt wurde, zur Harfe singen, und um seine Beschämung darüber R verbergen, sei er bei solchen Gelegenheiten vom Mahle weggegangen. Eines Abends habe er wieder seine Gefährten verlassen; da sei ihm, als er im Stalle entschlummert, ein fremder Mann erschienen und habe ihn zu singen aufgefordert. Trotz anfänglicher Weigerung habe zuletzt C. angefangen, von der Schöpfung der Welt zu singen, Dinge, wovon er früher nie etwas gehört hätte. Als C. erwacht, habe er nicht nur das im Schlafe Gedichtete wiederholen können, sondern hätte noch Neues hinzugesungen. Er sei dann in das benachbarte Kloster zur Abtissin Hilda gegangen, welche das Gesungene hätte aufzeichnen und ihm andere Stücke der Bibel vortragen lassen, die er dann in derselben Weise umgedichtet habe. Später wäre C. auf Bitte Hildas ins Kloster eingetreten, wo er um 680 gestorben. So sang, +. Beda fort, C. die Geschichte von Genesis und Exodus, von der Menschwerdung Christi, seiner Passion und Himmelfahrt u. s. w., Dichtungen, welche zur Zeit Bedas no vorhanden gewesen sein muüssen. Noch àGeneis angelsächs. Dichtungen, welche von der Genesis und Erodus handeln, sind überliefert in einer Handschrift des 10. Jahrh. (jetzt in der Bodleyana zu Orford), welche durch Bischof Usher dem gelehrten abe eingehändigt wurde. Im J. 1655 erschien die Ausgabe in Amsterdam, enthaltend Genesis, Erodus, Daniel und das Stück, welches Grein nennt „Christ und Satan». Letzteres Gedicht ist sicher nicht von demselben Dichter wie die vorigen. Auch die andern Stücke sind kaum vom selben Verfasser. Sicherlich hat man darin nicht die Werke des von Beda erwähnten C. zu erblicken. Vielmehr sind die Dichtungen dieses C. als Hymnen, nicht als Epen, 90 denken. Ein solcher Hymnus, der dem Anfange der ahnnem Genesis ziemlich genau entspricht, ist noch in einer Handschrift der Kirchengeschichte Bedas in nordhumbrischem Dialekt erhalten und bildet somit wohl das einzige in ursprünglicher sorm bewahrte Denkmal des echten C. (am besten erausg. von Zupitza, Altenglisches Ubungsbuch), 2. Aufl., Wien 1881). Möglicherweise wurden den in Frage kommenden Stücken der Handschrift des 10. Jahrh.: Genesis, Erodus, Daniel, welche sämtlich nicht im nordhumbrischen, sondern im westsächs. Dialekt geschrieben sind, einzelne Hymnen Cis zu Grunde gelegt. Man hat 0 da sich in der züngern Præfatiop zu „(Heliando (s. d.) dieselbe Geschichte vom Dichter dieses Werks erzählt findet, im «Heliando einen Teil der großen biblischen Dichtung sehen wollen, die C. verfaßt habe. Sievers aber wies nach, daß ein Einschub in heruhe (von 235—851) auf einer altsächs. Dichtung beruhe, wenn ihm auch der Beweis, daß dieser Teil vom Dichter des «Heliando sei, nicht gelang. (Vgl. Sievers, Heliand und die angels. Genesis ». Halle 1875.) Die von Junius herausgegebenen Stücke wurden neu veröffentlicht von B. Thorpe (Lond. 1832), von Bouterwek (Elberf. 1851—54), mit umfassender Einleitung) und endlich von Grein (Bibliothek der angels. Poesiev, Bd. 1, Gött. 1858); für die Tertkritit ist hauptsächlich wichtig der Aufsatz von Dietrich (aupts« Zeitschrift; Bd. 10); eine neue Collation lieferte Sievers (Haupts „Zeitschrifto, neue Folge, Bd. 3). Eine vollständige Übersetzung gab Grein („Dichtungen der Angelsachsen», Bd. 1, 2. Aufl., Gött. 1863), nachdem Greverus schon Stücke veröffentlicht hatte (Oldenb. 1852—54).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 814Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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