FeedCaffein
NaturlehreBrockhaus 1882

Caffein, Thein, Guaranin oder Methyl-Theobromin, CoIHIN.Os, eine in weißen, seidenglänzenden Nadeln krystallisierende Pflanzenbase von bitterm, scharfem Geschmack, die das wirksame Prinzip der Kaffeebohnen und des Thees ausmacht und mit dem wirksamen Stoffe der Kakaobohnen, dem Theobromin, große Ahnlichkeit hat. Das C. ist ferner enthalten in der Guarana, einem zusammenziehenden Gewürz, welches die Guarani-Indianer in Südamerika aus den Samen der Paulinia sorbilis bereiten, in der Cola- oder Gurunuß von Cola acuminata in den Tropengegenden Afrikas sich findend, und in dem Paraguaythee (Lervamate), den Blättern einer Art Stechpalme (Ilex Paraguayensis), der für einen großen Teil Südamerikas das ist, was der gewöhnliche Thee für den größten Teil von Asien, Europa und Nordamerika. In der Guarana sind 5 Proz., im Thee 2 Proz., im Kaffee gegen 1 Proz. und im Paraguaythee etwas über 1 Proz. C. enthalten. Es wurde 1820 fast gleichzeitig von Runge, von Pelletier und Caventou und von Robiquet im Kaffee entdeckt, später, 1838, wurde von Jobst gezeigt, daß es identisch mit dem im Thee vorkommenden Thein sei. Von Liebig und Pfaff zuerst analysiert, dann namentlich von Rochleder, Strecker u. a. weiter untersucht. Zur Darstellung ertrahiert man schwarzen Thee mit kochendem Wasser, coliert und digeriert die —— 3 mit Bleioxyd, die hiervon absitrierte F i eit wird mit Schwefelwasserstoff behandelt, um gelöstes Blei zu entfernen, das Filtrat wird darauf im Wasserbade bis zu dünnem Sirup verdampft, der beim Stehen das C. in unreinen Krystallen abscheidet. Diese, von der Mutterlauge im Saugtrichter getrennt, werden aus heißem ublos wiederholt umkrystallisiert, bis sie völlig farblos sind. Die Krystalle enthalten 1 Molekül Wasser; sie sind in heißem Wasser leicht, in kaltem schwer löslich (1: 95); ähnlich verhält es sich gegen Alkohol und Ather; in Chloroform, Benzol und Schwefelkohlenstoff ist es leicht löslich. Es verhält sich, ohne alkalisch zu reagieren, wie eine sehr schwache Basis, die meisten seiner Salze werden durch Zusatz von Wasser zersetzt, es verbindet sich direkt mit Quecksilber-Chlorid und Cyanid, mit Silbernitrat. Mit Salpetersäure, Chlor-oder Bromwasser übergossen und vorsichtig abgedampft, hinterläßt das C. eine gelbe Masse, die, der Einwirkung von Ammoniak ausgesetzt, purpurrot wird. Kocht man C. mit Barytwasser, so zerfällt es in Kohlensäure und eine neue Base, das Caffeidin. In größern Mengen genossen wirkt das C. giftig; in den Mengen, wie es im Thee und Kaffee enthalten ist, belebt es das Nervensystem, ohne aber irgendwelchen Nahrungswert zu haben. Diese Getränke sind Genußmittel im eigentlichen Sinne des Worts, aber, wenn man von der dadurch bewirkten Stillung des Durstes absieht, keine Nahrungsmittel. In der Medizin wird das C. mit Erfolg, ebenso wie die Guarana (s. d.) gegen Migräne angewendet. (S. Kaffee und Thee.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 816Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Naturlehre 6