FeedCambium
PflanzenreichBrockhaus 1882

Cambium nennt man in der Botanik ein Gewebe, dessen Zellen eine längliche spindelförmige Gestalt haben und die Fähigkeit besitzen, si durch Längsteilungen b vermehren. Es findet sich ein derartiges Gewebe an verschiedenen Stellen in den I der Pflanzen. In dem Vegetationsscheitel, also in der äußersten Spitze eines fortwachsenden Stammes, treten bei den Gefäßpflanzen einzelne Stränge auf, die aus C. bestehen; aus ihnen gehen später die Gefäßbündel hervor. In ältern Stadien treten, wenigstens bei den meisten dikotylen Gewächsen, zwischen den aus jenen Cambiumsträngen hervorgegangenen Gefäßbündeln wiederum Cambiumpartien infolge lebhafter Längsteilungen in den Parenchymzellen auf und bilden so mit dem in der Mitte des Gefäßbündels noch vorhandenen C. einen vollständigen Ring von Bildun gewebe. Indem nun in diesem Ringe von C. fortwährend durch tangentiale Teilungen neue Zellen s owohl nach innen wie nach außen gebildet werden, wächst der Stamm in die Dicke. Ein solches Dickenwachstum findet bei den meisten Dikotyledonen statt, die einen mehrjährigen Stamm lo auc und außerdem bei den Gymnospermen, also auch bei sämtlichen Nadelhölzern. Diejenige Gewebepartie, welche aus den vom C. nach außen abgeschiedenen Zellen hervoreht, nennt man sekundäre Rinde, Bast oder besser Phloem (s. d.), und diejenige, welche aus den nach innen gebildeten Zellen entsteht, Holz oder besser Xylem (s. d.); Phloém und Xylem sind rein topogr. Begriffe, die sich nur auf die Lage der be⸗ . Gewebe zum Cambiumrin beziehen. den Stämmen der Sitz des Dickenwachstums. In den Tropengegenden, wo sich der Wechsel der Jahreszeiten nicht fühlbar macht, finden in sehr vielen Fällen fortwährend Neubildungen im C. statt, sodaß mißt, sind unter K aufzusuchen. man auf dem Querschnitte durch solche Stämme keine Grenzen zwischen den in den 9* nen Jahren gebildeten Zuwachszonen erkennen ann. In der emäßigten Zone dagegen stellt das C. im Winter eine Thätigkeit fast vollkommen ein und da noch außerdem im Frühjahr eine viel lebhaftere Teilung stattfindet, als im Herbste, da ferner die Zellen des erbstholzes stärker verdickt werden, wie die des rühjahrs und Sommerholzes, so erkennt man soort auf dem Querschnitte durch einen unter dem Einflusse des Wechsels der Jahreszeiten gewachsenen Stamm die Grenzen der in den aufeinanderfolgenden Jahren gebildeten Zuwachszonen. Eine solche in einem Jahre gebildete Zuwachszone bezeichnet man in der wissenschaftlichen Botanik sowohl als auch im gewöhnlichen Leben mit dem Namen Jahresring und man kann aus der Anzahl der Jahresringe folglich sehr leicht das Alter eines Baums erkennen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 862Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Pflanzenreich 6