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Bildende KunstBrockhaus 1882

Campo santo (heiliges Feld) ist die ital. Bezeichnung für anto bes Gottesacker. Der berühmteste Campo santo befindet sich zu Pisa, neben dem Dome; einst Begräbnisplatz der Stadt, jetzt nur fr besonders verdiente Persönlichkeiten. Als Erbauer gilt der Baumeister Giovanni Pisano, der ihn 1283 vollendete. Er ist ein Raum von ungefähr 130 m Länge und 40 m Breite, mit hohen Mauern umeben, an deren innerer Seite eine breite, offene ogenhalle sich hinzieht. An der (schmalen) Ostwand ist eine größere Kapelle angebaut, zwei kleinere an der Nordseite, welchen gegenüber an der Südseite die beiden Eingänge sich befinden. Sämtliche Wände wurden mit großen Gemälden gechmückt. Die ältesten der davon erhaltenen zieren ie eine Seite der Ostwand. Sie .1 die Passion Christi, seine Auferstehung u. s. w. vor, scheinen noch vor Mitte des 14. Jahrh. ausgeführt zu sein und werden dem sagenhaften Buffalmaco, richtiger dem Pietro di Puccio dwasch bean Diesen Bildern zunächst an der Nordwand befinden sich die tief-sinnigen, kolossalen, für Werke des Andrea und Bernardo Orcagna gehaltenen Wandgemälde: der Triumph des Todes, das Jüngste Gericht und die Hölle. Daneben folgt: das Leben der Einsiedler in der detti⸗ Pann Wüste, von Ambrogio und Pietro Lorenzetti; dann die erste Eingan 8thür und zwischen dieser und der zweiten die Geschichten des heil. Ranierus und des heil. Ephesus und Potitus, die erstern von Andrea di Firenze und Antonio Veneziano (1360—77) gemalt, die letztern von Spinello Aretino (1391). An der Südwand befinden sich die Geschichten des Hiob, von Francesco da Volterra (1370 fg.). Die Westwand ent⸗ —— nur Ihas u Bilder aus moderner Zeit. Das nglück Pisas unterbrach eine Zeit lang die Ausschmückung; erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrh. wurde damit fortgefahren, und zwar malte zwi8 1469.—85 Benozzo Gozzoli die Geschichten es Alten Testaments von Noah bis David, eins der anziehendsten Denkmäler der damaligen Kunst, befonders durch Anmut in der Auffassung des Lebens ausgezeichnet. Dem Verfall, dem diese für die Kunstgeschichte wichtigen Denkmäler entgegeningen, ward erst Hasimis als unter Napoleon der Benetianer Carlo Lasinio Konservator derselben wurde. Derselbe gab auch Abbildungen davon (Pitture a fresco del Campo santo di Pisan, Flor. 1833, 46 Tafeln) heraus. Vgl. Dütschke, ntike Bildwerke in Oberitalien (Bd. 1: Die antiken Bildwerke des Campo santo zu Pisap, Lpz. 1874). Andere neue Campi santi in Italien finden sich zu Rom (bei San-Lorenzo), Bologna, Verona, Vicenza, Neapel u. rr zu Mailand ist ein großartiger unter dem Architekten Aluisetti angelegt. Das allgemeine Verbot des Begrabens in Kiren und Klosterhöfen hat überall in Italien das edürfnis gesteigert, welchem großenteils monumentale Anlagen entsprechen. In Deutschland Berl der 1845 im Bau begonnene neue Dom zu erlin an der einen Seite durch einen Campo santo für die königl. Familie begrenzt werden. Der Entwurf zeigt eine Wn ähnlich wie sie an den Klosterhöfen sich zu finden pflegt: quadratisch, jede Wand von 60 m Länge und 11 m Höhe. Peter von Cornelius ward dazu berufen, diese Wände ganz mit Malereien zu schmücken. Seine Entwürfe sind durch die Stiche von Thäter (Lpz. 1848) bekannt; sie befinden sich in der Nationalgalerie zu Berlin. Mit der gänzlichen Sistierung des Dombaues ist auch die Aussührung dieser Gemälde Gemälden pur eworden. Die Kartons zu den Gemälden für die westl. Wand, die einzige, welche von dem Bauwerk aufgeführt ist, hat Cornelius 1864 ausgestellt. Als diejenigen Anlagen in wessen glet welche einem ital. Campo santo am meisten gleichen, gilt der neue Friedhof zu München, von Gärtner entworfen und 1850 vollendet, sowie die Friedhöfe von Karlsruhe und Stuttgart. Der Bau in München besteht in einer ausgedehnten Arkade von Backsteinen im roman. Stil, die sich gegen das quadratische Feld nach innen öffnet und gegen außen geschlossen ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 888Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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