FeedCaritativwissenschaft
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Caritativwissenschaft oder Caritativsystem nennt man (nach Ad. Wagner) die Gesamt⸗ * derjenigen die Güterverteilung betreffenden Beziehungen zwischen den Mitgliedern der Gesellschaft, die weder einen Tausch mit genauer Entgeltlichkeit, noch eine durch Zwang hervorgerufene Ungleichheit von Leistung und Gegenleistung einschließen, sondern sich dadurch charakterisieren, daß der eine Teil aus Gemeinsinn oder Menschenliebe freiwillig Güter hingibt, ohne ein vollständiges oder überhaupt irgendein Aquivalent von dem andern zu verlangen. Eine ausgedehnte, die Physiognomie der ganzen Gesellschaft beeinflussende Anwendung hat das Prinzip der C. namentlich im Mittelalter durch die kirchliche Wohlthätigkeit er-Ichen In —⁷ Stadien der volkswirtschaftichen Entwickelung wird der Schwerpunkt der C. nicht mehr in die gewöhnliche Armenpflege, sondern in eine rationelle Bethätigung des Gemeingeistes zur Ausgleichung der mit dem tauschwirtschaftlichen System untrennbar verbundenen Härten und Disharmonien zu legen sein.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 950Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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