Chr. (XP., mit P bezeichnet), Abbreviatur für Christus, findet sich in den Fahnen, Münzen, Kronen, Gerätschaften u. s. w. von Konstantin d. Gr. und dessen Söhnen, sowie auf Kirchthüren, Waffen, Bischofsgewändern u. s. w. Chrematistik nennt Aristoteles die Tauschwirtschaft, den Erwerb im Verkehr im Gegensatze zu der Produktion der notwendigen Güter durch den Kon⸗( sumenten selbst. Er unterscheidet weiter eine berech⸗-e tigte C., die er als ökonomische bezeichnet, und eine f unedle (Metabletik oder Kapelik), von denen die fr erstere in der Produktion von Gütern für den Ver⸗(1 kauf, die andere aber in einem bloßen, mehr oder l weniger wucherischen Zwischenhandel, namentlich e in dem Geldwucher besteht. Chrematologie (grch.), Lehre vom Geld; Chre-f matonomie, Lehre von der Anwendung des Gel-[² des; Chrematopöie, Gelderwerb. 8 Ehresmologie (grch.), Wahrsagung; Chres-f molog, Orakeldeuter, Wahrsager. 0 Chrestomathie (grch., eigentlich das Erlernen 9 brauchbarer, nützlicher, zu einer Wissenschaft ehö-i riger Dinge), eine Sammlung oder Auswahl desF Besten und Mustergültigen, insbesondere für Un⸗ f. terrichtszwecke Brauchbarsten, aus litterarischen, besonders Prosawerken, während man den verwandten Namen Anthologie (s. d.) mehr nur von einer Auswahl poetischer Stücke gebraucht. Von besonderer Wichtigkeit aus dem Altertum ist ein derartiges Werk, welches der Grammatiker Proklos im 2. Jahrh. n. Chr. verfaßt hat, weil Auszüge daraus auf uns gekommen sind, welche einen hohen Wert für die griech. Litteraturgeschichte haben. n Cyklische Dichter.) Seit dem Wiederaufeben der Wissenschaften wurden aus den gelesensten riech. und lat. Autoren, namentlich aus Herodot, Thucydides, Cicero, Livius, Horaz, Ovid u. a. für die Jugend geeignete Aus üge unter dem Namen C. veranstaltet; in neuester Zeit ist aber auf den Rat angesehener Schulmänner der Gebrauch derselben auf den Gelehrtenschulen sehr beschränkt worden. Chrestus, ein Jude in Rom zur Zeit des Kaisers Claudius, der seine Landsleute zu wiederholten e aufregte. Der Name ist unrichtig auf Christus bezogen worden. Chretien de Troies, der berühmteste altfranz. Dichter, wurde zwischen 1140 und 1150 wahrscheinlich zu Troyes in der Champagne geboren, erhielt eine gelehrte Bildung und lebte längere Zeit als Hofdichter bei Philipp von Elsaß, Grafen von Flandern und Vermandois (1168—91). Er starb wahrscheinlich vor 1191. C. war als Lyriker einer der ersten unter den nordfranz. Kunstdichtern (Trouveres), welche sich nach provengal. Mustern bildeten. Sein Ruhm und sein Einfluß auf die Entwickelung der nordfranz. Poesie beruhen jedoch auf seinen epischen Dichtungen, besonders auf seinen «Contes v aus dem Sagenkreise von Artus und der Tafelrunde, welche allerwärts, namentlich in Deutschland, Bearbeiter und Nachahmer fanden. Seine Bearbeitung der Tristansage im Epos Del roi Mare et d'Vsalt la blonde, eine seiner frühesten Dichtungen, ist verloren. Erhalten haben sich Li Contes d'Ereco (herausg. von Bekker in Haupts Zeitschrift für deutsches Altertume, Bd. 10, Lpz. 1855), worin er den Stoff zu Hartmanns von Aue «Erecy geboten hat; Li Contes de Cligeto (noch nicht herausgegeben); „Li Romans del Chevalier de la Charreteo (beendet von Godefroy de Laigny), zur Sage von Lancelot gehörig und von Jonckbloet (Haag 1850) veröffentlicht; Li Romans dou Chevalier au Lyono (herausg. von Holland; 2. Aufl., Hannov. 1880), ebenfalls durch Hartmann von Aue im „Iweins» auf deutschen Boden verpflanzt; endlich das bedeutendste, von Wolfram von Eschenbach für seinen Parzival benutzte Werk C.s: «Li Contes del Graab oder der Roman von Perceval, der mit den Fortsetzungen von Gautier de Doulens, Manesier und Gerbert in vielen Handschriften erhalten und von Potvin (3 Bde., Mons 1865) herausgegeben worden ist. Den Stoff zu diesen Dichtungen boten C. durch bretonische Spielleute verbreitete Erzählungen von den Rittern des Artushofs dar, die man aber aus dem von Chretien bereits beeinflußten walisischen «Mabinogiono nicht kennen lernt. Die Graldichtung beruht ohne Zweifel, wie der von Walter Map, dem Archidiakonus von Oxford, verfaßte Prosa-Roman: «Les diverses quétes du St. Graabo (herausg. von Hucher, Par. 1877—78), auf Roberts de Boron Gedicht von Perceval, das nur in einer altfranz. Prosabearbeitung (herausg. von Hucher) erhalten ist und den dritten Teil einer umfangreichen Graldichtung bildete deren von Joseph t, sind unter K aufzusuchen. von Arimathia handelnder Anfang allein noch vor-Hr liegt (herausg. von Michel, Par. 1841). Vgl. hier⸗(( über Birch-Hirschfeld, Die Sage vom Gral (Lpz. 1877). C. verhielt sich jedoch schöpferisch frei diesen d Quellen gegenüber. Einer Legende entnahm C. den f Stoff zu dem Contes del Roi Guillaume d'Engleterren (herausg. von Michel in den Chroniques ! anglonormandesv, Bd. 3, Rouen 1840), wovon e Keller in den Altfranz. Sagen» (Tüb. 1839) eine deutsche Bearbeitung gegeben hat. Auf letzterer beruht O. Schönhuths 4Historie von König Wilhelm [l und seinen Söhnen »(Reutl. 1852). Nicht nur in n Harllichte⸗ sondern auch in formeller Hinsicht C. er erste unter den nordfranz. Trouveres; seine [ Sprache und sein Versbau wurden von seinen Fach⸗( Eimuatit als Muster aufgestellt, Episoden, Motive, ituationen, Charaktere und Wendungen wurden [ von Dichtern des Artussagenkreises und von Ver⸗[ fassern von Abenteuerromanen ihm bis ans Ende sn des 13. Jahrh. entlehnt; er darf als 28 eitnchdes höfischen Erzählerstils des Mittelalters betrach-H tet werden. Vgl. Holland, Chrestien von Troies. e Eine litteraturgeschichtliche Untersuchung» (Tüb. t 1854); Potvin, „Bibliographie de C.v (Brüss. 1863).