FeedCandmn ein altes adeliges
GeschichteBrockhaus 1882

Candmn ein altes adeliges, seit Anfang des 14. Jahrh. in Sachsen ansässiges, in neuern Zeiten auch nach den österr. und preuß. Staaten verbreitetes Geschlecht, welches jedoch nicht, wie früher fälschlich angenommen ward, mit dem ungar. Adels-Abrdamt das von den Herzögen von Durazzo, den kömmlingen Karls von Anjou, Königs von Neapel, entstammt und sich in einem seiner Zweige nach der Stadt C. in Slawonien benannte, im Zusammenhange steht. In einer Urkunde von 1311 wird bereits ein von C. als dohnaischer Vasall genannt; aber als Ahnherr des sächs. Geschlechts gilt Hans von C., Herr auf Biensdorf, Kleinborthen und Mügeln, der einer der letzten Vasallen der einst mächtigen 15. Jahrh. von Dohna war. Gegen Ende des 15. Jahrh. teilte sich das Geschlecht in zwei Hauptlinien, die Hermsdorfer und die Zu chendorfer, von denen die letztere 25. Juni 1759 mit dem sachs. Generalmajor Friedrich August von C. vollständig ausstarb. Derselben gehörte unter anderm der gelehrte Nikolaus von C. an, der 18. Febr. 1550 zum Bischof von Meißen erwählt ward, aber schon 17. April 1555 zu Stolpen starb. Die * tlinie zu Hermsdorf, der alle noch lebenden Glieder des vielverzweigten Geschlechts angehören, zerfiel bereits zu Anfang des 16. Jahrh. in zwei Zweige, den zu Kriebstein (Kriebenstein) und den zu reischa, von denen gegenwärtig jedoch nur noch der Kreischger in Blüte steht. A) Unter den Gliedern des erloschenen Kriebsteiner Astes —— vorzuheben: 1dor⸗ de⸗ von C., geb. 13. Dez. 1507 zu Hermsdorf, der erst Rat des Erzbischofs Albrecht von Mainz war, dann aber in sächs. Dienste trat und besonders unter den Kurfürsten Moritz und August als Gesandter auf allen Reichstagen, namentlich aber in den Verhandlungen mit dem kaiserl. Hofe thätig war. Seit 1554 in kaiserl. Diensten, war er nacheinander Rat bei Karl V., Mar II. und Rudolf II., bis er 8. Jan. 1578 zu Rothenhaus in Böhmen starb. (Vgl. von Langenn, (Christoph von C. Eine Darstellung aus dem 16. Jahrh.», Lpz. 1854.) B) Der u Sehne Ge Ast spaltete sich 1619 durch die beiden Söhne Georgs von C. zunächst in die beiden noch jetzt blühenden Hauptlinien zu Kreischa und zu Rabenstein. Von diefen zerfiel die erstere schon 1636 wiederum in drei Zweige, den Kreischaer, Osterreicher und Ottendorfer. Der Kreischaer Zweig ging 1773 abermals in zwei Speziallinien auseinander, die zu Groß—⸗ hartmannsdorf und die zu Rauenstein. Der Bei der Großhartmannsdorfer Linie, Hans arl August von C., geb. 3. Juli 1727, gest. 26. Juni 1793, hinterließ mehrere Söhne. Unter denselben zeichneten sich besonders aus: 1) Karl Adolf vor C., auf Großhartmannsdorf, geb. 21. Juli 1771 Conversations-Lexiton. 13. Aufl. IV. mißt, sind unter K aufzusuchen. gest. 20. Jan. 1837 als preuß. Generallieutenant und Gouverneur von Breslau. 2) Hans Georg von C., auf Oberschöna, geb. 11. Dez. 1772, gest. als sächs. Staatsminister 18. März 1840. Sein ältester Sohn war Albert von Carlowitz (s.d.). Die Rauensteiner Speziallinie starb 1831 aus. Der Ottendorfer Zweig der Kreischaer Hauptlinie spaltete sich 1748 in drei Speziallinien, die zu Ottendorf, zu Röhrsdorf und zu Kleinbautzen. Die Rabensteiner Hauptlinie stiftete Hans Georg von C., geb. 1586, gest. 22. Febr. 1643 als kurfürstl. sächs. Landjägermeister, Amtshauptmann und Oberkriegskommissar. Durch seine beiden Söhne, Georg Wolf von C. (gest. 1663) und Georg Karl (gest. 1680), zerfiel dieselbe in zwei Zweige, den zu Rabenstein und den 10 Altschönsels. Erstere teilte sich abermals in drei? bteilungen, die altere Rabensteiner, die Neutaubenheimer, welche 1745 erlosch, und die jüngere Rabensteiner. Die letztere blüht noch gegenwärtig in den Enkeln Karl Wilhelm von C.s, geb. 18. März 1742, der als kursächs. Konferenzminister, Wirkl. Geheimrat und Appellationsgerichtspräsident 9. Aug. 1806 starb, und mit Charlotte Erdmuthe, geb. von Maxen, der letzten ihres Geschlechts, vermählt war, weshalb sein Sohn, Marimilian Karl von C., geb. 24. * 1782, gest. 20. Dez. 1833, für sich und seine Nachkommen den Namen C.⸗Maxen annahm. Der Altschönfelser Zweig spaltete sich ebenfalls in vier Speziallinien, von denen jedoch gegenwärtig nur noch die jüngste, die Schwarzbacher oder Preußische Linie, blüht. Letzterer gehörte an: Georg Karl von C., 6 3. Dez. 1658 zu Altschönfels, der 1682—86 als Offizier in den kaiserl. 4½ den Feldzugen gegen die Ungarn und Türen, 1689 - 93 in kurs üch „Diensten denen am Rhein und in den Niederlanden beiwohnte. Unter dem Kurfürsten und nachmaligen Könige August II. von Polen kämpfte er 1694—98 nochmals am Rhein und in Ungarn und ward dann zum Generaladjutanten, Generalmajor und Generalkriegskommissar befördert. Schon unter Kurfürst Nachrol GeorgIV., noch mehr aber unter dessen Nachfolger August wurde er zu wichtigen diplomatischen Missionen an den wiener und petersburger Hof verwendet. Er fiel 23. März 1700 vor Dünamünde. Vgl. Stammtafeln des Geschlechts von C.y (Dresd. 185⁴4).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 1Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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