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Recht & StaatBrockhaus 1882

Carpzov, sächs. Gelehrtenfamilie, welche von Simon C., in der Mitte des 16. Jahrh. Bürgermeister zu Brandenburg, abstammte. Derselbe hinterließ zwei Söhne, Joachim C., der als dän. Generalfeldzeugmeister 1628 zu Glückstadt im Holsteinischen starb, und Benedikt C., geb. zu Brandenburg 22. Okt. 1565, der 1595 Professor der Rechte zu Aftastin Cordi 1602 Kanzler der verwitweten Kurfürstin Sophie zu Colditz wurde, dann aber nach Wittenberg zurückging und 26. Nov. 1624 starb. Benedikt hatte fünf Söhne: 1) Konrad C., geb. zu Wittenberg 11. Juli 1593, Proüts der Rechte daselbst, gest. als Kanzler des Erztifts Magdeburg 12. Febr. 1658. 2) Benedikt C., geb. zu Wittenberg 27. Mai 1595, machte Reisen dur bie Mederlan Italien, Frankreich, England und die Niederlande, wurde dann Professor zu Leipzig, 1639 Appellationsrat in Dresden, 1645 Ordinarius der Juristenfakultät zu Leipzig, 1653 Geheimrat zu Dresden, zog später aber wieder nach Leipzig und starb daselbst 30. Aug. 1666. Großen Ein uß erlangte er durch seinen Kommentar über die Konstitution des Kurfürsten August von 1572 unter dem Titel Definitiones forenseso (pz. 1668; neue Aufl. 1721), durch die Practica nova rerum criminaliumo (Wittenb. 1635; 945 ausg. von Böhmer, 5 Bde., Frankf. 1758), das „Opus decisionum illustrium Saxoniaer (Lpz. 1646 u. öfter), die Jurisprudentia ecclesiastica seu consistorialiso (Lpz. 1649) und den Processus juriso (Jena 1657). Sein Inquisitionsprozeß, später vielfach wegen seiner Härte getadelt, stand lange Zeit in Sachsen in hohem Ansehen. 3) Christian C., geb. zu Colditz 20. April 1605, wurde 1632 Professor der Rechte zu Frankfurt a. O., wo er 20. Dez. 1642 starb. 4) August C., 5 zu Colditz 4. Juni 1612, seit 1651 Kanzler und Konsistorialpräsident zu Coburg, seit 1675 gothaischer Geheimrat, gest. zu Coburg 19. Nov. 1683, hat sich um die coburg. Lande verdient gemacht. Gleich seinem Bruder war er sehr religibs und hatte mißt, sind unter K aufzusuchen. seit 1655 die Bibel 24mal Lu Nagie 5) Johann Benedikt C., geb. zu Rochlitz 22. Juni 1607 ebi als Professor der Theologie zu Leipzig und Prediger an der Thomaskirche 22. Okt. 1657, erwarb sich als Schriftsteller großen Ruf, namentlich durch sein cSystema theologicum (2 Bde., Lpz. 1653). Er war Vater von fünf Söhnen: a) David Benedikt C., der Prediger wurde und De pontificum Hebraeorum vestitu sacrop (Jena 1655) schrieb. b) Johann Benedikt C., geb. zu Leipzig 24. April 1639, gest. als Professor der Theologie und Prediger an der Thomaskirche zu Leipzig 23. März 1699, ein tuchtiger Kenner der hebr. Sprache und Litteratur und übersetzer ditt rerer rabbin. Schriften. e) August Benedikt C., geb. zu Leipzig 2. Nov. 1644, seit 1669 Professor der Rechte daselbst, h. 4. März 1708. d) Samuel Benedikt C., geb. 17. Jan. 1647, seit 1671 Professor der Dichtkunst zu Leipzig, 1674 Hofprediger, 1692 Oberhofprediger zu Dresden, gest. 31. Aug. 1707. e) Friedrich Benedikt C., geb. 1. Jan. 1649, der die Rechte studierte, später Kaufmann wurde, als Senator zu Leipzig 20. Mai 1699 starb und einer der thätigsten Arbeiter an Menckens Acta eruditorumo und ein eifriger Beförderer der Litteratur war. — Unter den übrigen Gliedern dieser Familie sind noch zu erwähnen Johann Gottlob C., der Sohn des Oberhofpredigers Samuel Benedikt C., geb. zu Dresden 26. Sept. 1679. Er war einer der gelehrtesten Theologen seiner Zeit, wurde 1719 Professor der orient. Sprachen zu Leipzig und 1730 Superintendentzu Lübeck, wo er 7. April 1767 starb. Am meisten geschätzt sind unter seinen Schriften die Introductio ad libros canonicos bibliorum Veteris Testamenti omneso (Lpz. 1721) und «Critica sacra Veteris Testamentiy Gepe 1728). — Johann Benedikt C., ein Enkel des Professors der Theologie, Johann Benedikt C.s, geb. 20. Mai 1720, wurde 1747 Professor der un und grie u Leipzig, 1748 Professor der Dichtkunst und ——— Sprache in Helmstedt, erhielt hier 1749 auch eine theol. Professur, 1759 die Abtstelle zu Königslutter und starb 28. April 1803. Er hat sich durch einige usche Arbeiten, besonders aber um die grammatische Auslegung des Neuen Testaments verdient gemacht. Er verteidigte im Auftrage des Herzogs den durch den freisinnigen Theologen Abraham Teller bedrohten Ruf der helmstedter Orthodoxie 1768 in seinem Liber doctrinalis theologiae puriorisv.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 15Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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