Cartouche (Louis Dominique), berüchtigter Gauner und Dieb, geb. 1693 zu Paris, zeigte schon früh großen Hang zum Diebstahl. Als er deshalb aus der Schule entlassen und später auch aus dem väterlichen Hause verstoßen wurde, ging er zuerst zu einer Diebesbande der Normandie und trat dann an die Spitze einer sehr zahlreichen Bande in und um Paris, bei welcher er sich das unumschränkte Recht über Leben und Tod vorbehielt. Mehrere Jahre trieb er sein Wesen, bis er 14. Okt. 1721 in einer Schenke ergriffen und ins Chätelet gebracht wurde. Auf der Folter nannte er keinen seiner Genossen. Als er aber auf dem Richtplatze, wo er gerädert werden sollte, angekommen war und sich in seiner Hoffnung, daß seine Genossen ihn befreien würden, getäuscht sah, ließ er sich zurückfhren und nannte seine Mitschuldigen. Er wurde 28. Nov. 1721 gerädert. Noch während des Prozesses brachten ihn Legrand und Riccoboni auf die Bühne. Grandvals C. ou le vice punio (Par. 1725 u. öfter) ist ein sehr mittelmäßiges Gedicht. Vgl. Mistoire de la vie et du procès du fameux C.v(deutsch, Kopenh. 1767); Desessarts, «Procès fameuxo (Bd. 2) und „Der Neue Pitavalb (Bd. 13, Lpz. 1848).