FeedCarvalho (Joze da Silva)
GeschichteBrockhaus 1882

Carvalho (Joze da Silva), portug. Staatsmann, geb. 19. Dez. 1782 in der Provinz Beira, studierte zu Coimbra seit 1800 Rechtswissenschaft, ward aber wegen freisinniger Gesinnungen von Polizei und .—..— verfolgt und gelangte erst 1810 zu einer Anstellung als Richter. In seiner spätern Stellung, seit 1814, als Juiz das orphaos (Richter, der für Waisenkinder sorgt) sowie als Berichterstatter bei den Kriegsgerichten der Provinz begann C. seine polit. Laufbahn. Er gehörte zu der im Dez. 1817 gestifteten Verschwörung, die im Aug. 1820 in die Revolution von Oporto ausschlug, ward Mitglied der 24. Aug. proklamierten Provisorischen Regierung und von den 1821 versammelten Cortes in die bis zur Ankunft des Königs Johann VI. bestellte Regentschaft berufen. Der König erhob ihn (1821) zum Justizminister, welche Stelle er bis zur rmißt, sind unter K aufzusuchen. Gegenrevolution von 1823 bekleidete. Der Sieg d der absolutistischen Partei zwang ihn zur Auswanderung nach England. Nach Johanns VI. Tode und der Erteilung der konstitutionellen Charte Dom Pedros kehrte er nach Portugal zurück, wo er jedoch ohne Anstellung blieb. Die Vernichtung dieser Verfassung und die Usurpation Dom Miguels nötigte 1 ihn abermals zur Flucht nach England, wo er für die Expedition gegen Dom Miguel die größte Thätigkeit entwickelte. Er folgte dann dem Kaiser auf die Azoren und wurde kurz nach der Landung in Portugal Direktor der Civilverwaltung bei der Armee und Präsident des Tribunals der Justiz und des Kriegs. Im Dez. 1832 übernahm er unter den schwierigsten Verhältnissen das Finanzministerium und wirkte für die entscheidende Expedition nach Algarbien. Als endlich Lissabon den Pedristen seine Thore geöffnet hatte, blieb C. Finanzminister und erwarb sich als solcher so wesentliche Verdienste, daß man — als er gegen Ende 1835 durch Intriguen verdrängt worden, schon nach wenigen Ronaten wieder ins Finanzministerium berufen mußte. Die Revolution vom 10. Sept. 1836 zu Gunsten der Verfassung von 1820 und zur Vernichtung der Charte Dom Pedros vertrieb ihn von allen seinen Amtern. Als eifriger Chartist nahm er teil an der mißglückten Gegenrevolution vom 4. Nov. 1836 und mußte noch einmal in England ein Exil * bis ihm die Amnestie die Rückkehr gestattete. Bei der Herstellung der Pedristischen Charte durch die Empörung zu Oporto war auch C. beteiligt, trat dann wieder in den Staatsrat und starb 3. Febr. 1845.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 27Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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