Cement oder Cäment nennt man insbesondere hydraulische Mörtel (oder Wassermörtel), welche die Eigenschaft besitzen, unter dem Einflusse des Wassers zu einer steinharten Masse zu erhärten. Sie werden in der Regel dadurch hergestellt, daß man zu gewöhnlichem Kalk, wie er zur Herstellung von Eun mörtel Anwendung findet, gewisse thonhaltige Zuschläge gibt. In Bezug auf ihren Ursprung lassen sich dieselben einteilen 1) in natürliche C., welche, ohne daß sie gebrannt zu werden brauchen, in dem Zustande, wie sie sich in der Natur finden (sie sind dann durch vulkanische Wärme bereits gebrannt), zur Herstellung von hydraulischem Mörtel gebraucht werden können, und 2) in künstliche C., welche vorher durch Brennen Hübergeben werden müssen und dadurch erst in C. übergehen. Zu den natürlichen C. gehören der Traß, die * uolane und der Santorin. Der Traß (oder ů uchtein), eine Art Trachyttuff, ist nichts anderes als zertrümmerter und zerriebener Bimsstein, welcher in bedeutenden Mengen im Brohl⸗ und Rettethale, unfern Andernach am Rhein angetroffen wird. Die Puzzuolane oder Puzzuolanerde ist ein dem Traß verwandter Körper, welcher bei Puzzuoli unweit Neapel (Puteoli der Alten) vorkommt, sich aber auch in großen Massen an der südwestl. Seite der Apenninen findet. Der Santorin endlich ist ein von der griech. Insel Santorin (dem Eilande der heil. Irene) stammender, an der Küste von Dalmatien Und in Venedig häufig zu Wasserbauten angewendeter natürlicher C., welcher mit dem Traß den vulkanischen Ursprung und das äußere Ansehen gemein hat. Im sog. Ries bei Nördlingen in Bayern finden sich ebenfalls traßartige Naturprodukte. Das seltene Vorkommen und der hohe Preis der natürlichen C. gab die Veranlassung, daß man an ihre Stelle ein en e, Material, die künstlichen C., zu setzen suchte. So stellte Parker durch Brennen der Thonnieren an den Ufern der Themse einen C., den römischen C. (Roman-C.), dar, der gegenwärtig auch in Deutschland, z. B. von Leube in Ulm, von bester Qualität geliefert wird. Dazu taugliche Kalke enthalten 15—35 roz. Thon, ihr Wert steigt mit der Höhe des Thongehalts. Beim Brennen des Roman-C. darf die Hitze nicht weiter gesteigert werden, als zur Austreibung der Tabtitntion erforderlich ist. Später entstand die Fabrikation von Portland-C., welcher zuerst 1824 von J. Aspdin in Leeds dargestellt wurde. Pasley, der als der eigentliche Gründer der in England so schwunghaft betriebenen Portland-Cementfabrikation zu betrachten ist, lehrte ihn durch rmißt, sind unter K aufzusuchen. Brennen eines Gemisches von Flußthon (aus dem Geaenwärtig mit Kalkstein oder Kreide bereiten. Gegenwärtig stellt man auf ähnliche Weise aus dem Schlamme, der 95 an den Mündungen Beran-Ströme absetzt und dort zu Deltabildungen Veranlassung gibt, ein dem Portland-C. ganz gleiches Material dar. Außerdem fabriziert man 2•5 18⁵² in mehrern Teilen Deutschlands nach dem Vorgange von Bleibtreu durch Mischen von Kreide und Thon, Zermah der Mischung zu Ziegeln, Brennen und ermahlen derselben einen C., der allen Anforderungen entspricht. Bei der Hähms gen werden die Materialien in solchem Verhältnis gemischt, daß das Produkt nach dem Brennen einen alhim von 32 bis 35 Proz. Thonbestandteilen (Kieselsäure, Thonerde, Eisenoxyd) enthält. Die Kreide wird auf Naßmühlen möglichst fein gemahlen und geschlemmt, um sandige Teile en Wal ern. Der Thon wird getrocknet und zwischen Walzen fein zerdrückt, worauf das trockene Thonpulver mit dem Kreidebrei vermischt und in Thonschneidemaschinen zum innigsten Gemenge verarbeitet wird, aus dem dann in Ziegelpressen Steine geformt werden. Diese werden an der Luft getrocknet und in 15 geschißt von 15 m Höhe bei 3 m Weite mit Coks ge TLemd und hier gebrannt. Beim Brennen ist die Temperatur bis zur Weißglut zu steigern, die Masse muß gefrittet erscheinen und nach dem Erkalten eine graugrünliche Färbung zeigen und 7 mit Wasser gemischt kaum noch erwärmen. Nicht genügend gebrannter Portland-C. sieht erraln. aus, erhitzt sich mit Wasser stark und zerfällt. Andererseits darf die Erhitzung auch nicht zu weit getrieben werden, da sonst Schmelzung eintritt, malem das Produkt unbrauchbar wird. Bei normalem Betriebe dauert der Brand eines Ofens von obigen Dimensionen drei Tage, die nötige Zeit zum Abkühlen beträgt acht Tage. Der gebrannte C. wird zuerst in Brechmaschinen oder zwischen kannelierten Walzen zerkleinert und dann auf gewöhnlichen Mahlgängen so weit gemahlen, daß das Mehl beim Passieren eines Siebes von 900 Offnungen pro Quadratcentimeter nicht mehr als 25 Proz. Rückstand darauf läßt. Vor der Verwendung wird der Portland-C. einige Zeit abgelagert, da durch das Ablagern die Natur des Produkts verbessert und der Wert desselben erhöht wird. Zur Darstellung von hydraulischem Mörtel benutzt man außer der obenerwähnten se Mergel⸗ Mischung von Kreide und Thon gewi lein 1n. wie sie z. B. zu Perlmoos bei Kufstein in Tirol sich finden, die Aschen von Steinkohle und Torf, manche Hoh-Chaltedon u⸗ Ziegelmehl, gepulverten Feuerstein, Chalcedon u. s. w. Der beim Erhärten des Portland-C. stattfindende Vorgang ist trotz vielfacher darüber angestellter Untersuchungen noch nicht genügend aufgeklärt. Unzweifelhaft ist, daß beim Brennen des Gemisches von Thon und Kalk eine des Nons erfolgt und daß dabei ein Silikat von Thonerde und Kalk entsteht, welches die Eigen * Uus in Berührung mit Wasser dieses chemisch zu binden; wie aber die Erstarrung dieses neuen Körpers zu Stande kommt, auf welche Weise dieser verkittend auf zugesetzten Sand wirkt, bleibt vorläufig noch dunkel; keineswegs darf man dabei bloß chemische Proorgänge dabei eine wichtige Rolle. Die C. dienen nicht nur als Mörtel bei Wasser⸗ und Landbauten, sondern auch zur Herstellung architektonischer Verzierungen und mit Sandgemenge zur Fabrikation von künstlichen Steinen, von Krystallisiergefäßen in chem. Fabriken, zu Reservoirs für Sole in den Salinen, Gär⸗ und Lagerfässern für Wein, Behältern zur Aufbewahrung von Ol und den . Die densten Flüssigkeiten u. s. w. Vgl. Michaelis, «Die hydraulischen Mörtelo (Lpz. 1869); P. 1 Bau von Cement⸗, Kalk⸗ un 2öntel im u Berl. 1870); Fr. Knapp über C. und Mörtel im «Amtlichen Bericht über die Wiener Weltausstellunge (Bd. 3, Abteil. 1, Braunschw. 1875).