Challemel-Lacour (Paul Amand), franz. Staatsmann, geb. in Avranches 19. Mai 1827, wurde 1849 Professor der Philosophie am Lyceum zu Pau, 1851 am Lyceum zu Limoges, wegen seiner republikanischen Gesinnung am 2. Dez. in Paris Wte uch später aus Frankreich verbannt. Er wandte sich nach Belgien, machte Reisen nach Deutschland und Italien, wurde 1856 Professor der franz. Litteratur am 4½ in Zürich, kehrte drei Jahre nachher infolge der Amnestie nach Frankreich zurück und hielt öffentliche Vorlesungen über schöne Kunst, die jedoch bald verboten wurden. Als Mitarbeiter oder Leiter litterarischer und polit. Revuen verschaffte er sich einen angesehenen Namen. Nach der Revolution vom 4. Sept. 1870 wurde er zum Präfekten des Rhönedepartements und zum außerordentlichen Kommissar ernannt; doch konnte er nicht verhindern, daß in Lyon eine Commune errichtet wurde, daß der dortige Gemeinderat alle Gewalt an sich riß, daß der Kommandant Arnaud ermordet und andere Gewaltthaten 5.n die Anhänger der gestürzten Regierung ausgeübt wurden. Nach Abschluß des Waffenstillstandsvertrags gab er sein Entlassungsgesuch ein. Als Vertreter von Bouches-du-Rhöne trat er 1872 in die Nationalversammlung, wo er seinen Sitz auf der äußersten Linken einnahm. Nebst Ranc und Allain-Targé war er einer der ersten Redacteure der (République françaises, welche die Politik Gambettas vertrat. Als intimer Freund desselben wurde er zum Botschafter in Bern und 1880 zum Botschafter in London ernannt. Außer 1euWonitn Zeitungsartikeln über Litteratur, Theater, Politik veröffentlichte er: La philosophie individualisten (1864).