FeedChamäleon
TierreichBrockhaus 1882

Chamäleon ist der Name einer Gattung harmloser Eidechsen, welche im südl. Europa, in frika, auf den indischen und maskarenischen Inseln und in Australien vorkommt. Der Bau der cylindri⸗ —— an der Spitze mit einem tellerförmigen Eindrucke versehenen Zunge, welche im Zustande der höchsten Streckung Körperlänge erreicht, nötigt für mißt, sind unter R aufzusuchen. diese Eidechsen zur Aufstellung einer eigenen Gruppe, Wurmzüngler (Vermilingues) genannt, welche außerdem durch 05 dünne Beine, eigentümlich gebaute Kletterfüße, halbkugelförmige, von einem runden, in der Mitte geöffneten Augenlide bedeckte Augen und Greifschwanz sich auszeichnet und einen ewölbten, oft durch einen Hautkamm erhöhten Racken besitzt. Die zu ihr gehorigen Tiere erreichen keine erhebliche Größe, sind träge, friedlich, leben auf Bäumen und nähren sich von Insekten, denen sie sich langsam schleichend nähern, um sie dann im Sitzen mittels der weit vorstreckbaren, blitzschnell hervorschnellenden, klebrigen Zunge zu erfassen. Sprichwörtlich sind die C. wegen ihres merkwürdigen Farbenwechsels, welcher von Hellrün in Violett, von Strohgelb in Dunkelblau und Rußschwarz überspringen oder allmählich übergehen kann, bald den ganzen Körper, bald nur Teile deselben ergreift und sie den Alten als Symbole der alschheit und Heuchelei erschienen ließ. Zorn, urcht, Schreck, Schmerz, plötzliche Versetzung aus einer Temperatur in eine andere, Beleuchtung und Dunkel, Hunger und Durst äußern bei diesem Farbenwechsel Einfluß, der durch regelmäßige Abstufungen fortschreitet und, wie Milne-Edwards und rücke nachgewiesen haben, dadurch bewirkt wird, daß teils in und sogar unter der Lederhaut und ferner unter der Oberhaut in dem sog. Schleimnetze Heae verschieden gefärbte Farbkörper (Pigmente) iegen, ein mehr helles weißes oder gelbes Pigment und ein in verzweigten und kontraktilen Zellen abgelagertes dunkles, welche nach Umständen durcheinander durchscheinen oder auch allein für sich sichtbar werden können, sodaß hierdurch sowie durch das verschiedene Durchscheinen der Farbstoffe durch die trübe Oberhaut der Farbenwechsel des Tiers bewirkt wird. Im Zustande der Ruhe und des Wohlbehagens scheint Olivengrün morgens und abends, Braunschwarz mittags und Graulichweiß nachts die gewöhnliche Färbung des gemeinen C. zu sein. Das gewöhnliche C. (Ch. Africanus), welches schon in Spanien vorkommt, ist in Nordafrika sehr gewöhnlich und oft lebend nach dem Norden gebracht worden. Es wird fehr zahm und gedeiht besonders wohl in Gewächshäusern. In unserm Klima, wo es im Winter an Fliegen und ähnlichen Insekten fehlt, kann man es nur im Sommer erhalten. Es wird etwas über 30 em lang, hat einen nach hinten vortretenden, dreiseitig pyramidalen Helm und ist gewöhnlich graugrün efärbt. Das seltsame Gabelchamäleon (Ch. riige W. dessen Schädel vorn in zwei schaufelartige Vorsprünge ausgezogen ist, lebt in Indien und den Sunda-Inseln bis Australien. Man kennt etwa ein Dutzend Arten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 167Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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